ran.de: Frau Theiss, wie fühlen Sie sich wenige Tage vor Ihrem 21. WM-Kampf?
Dr. Christine Theiss: Ich bin im Großen und Ganzen soweit, dass der Kampf jetzt kommen kann. Ich hatte dieses Mal eine längere Vorbereitungszeit wegen der Kampfpause von Mai bis jetzt. Deswegen habe ich früher angefangen mit dem Training. Aber jetzt reicht es auch! Das waren insgesamt 14 Wochen und das ist schon eine sehr lange Zeit. Dementsprechend freue mich jetzt sehr auf den Kampf.
ran.de: Welche Folgen hatte die kurzfristige Absage ihrer eigentlich vorhergesehenen Gegnerin Cathy Le-Mée für Sie?
Theiss: Ich muss mich jetzt auf einen komplett anderen Kampfstil einstellen. Cathy Le-Mée hätte komplett anders gekämpft als Sanja Samardzic. Daher habe ich jetzt sechs Wochen lang nicht umsonst trainiert, aber die taktische Einstellung war für die Galerie.
ran.de: Gab es Probleme bei der Trainingsumstellung?
Theiss: Nein, das lief eigentlich glatt. Ich habe schon öfter gegen Gegnerinnen wie Samardzic gekämpft und weiß daher, wie ich mich auf solche Fights vorbereiten muss.
ran.de: Wie und wo haben Sie sich vorbereitet?
Theiss: Die ersten zehn Wochen waren wir in Spanien parallel zu den Dreharbeiten zu "The Biggest Loser". Ramin Abtin, der mich bereits im vergangenen Jahr in Spanien betreut hat, war auch dieses Mal wieder mit vor Ort und hat mein Training geleitet. Da er gleichzeitig der Trainer der Kandidaten ist, hat sich das gut ergänzt. Seit vier Wochen bin ich jetzt wieder in München und trainiere ganz normal im Kampfsportzentrum Steko mit meinem Team um Mladen Steko.
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Verteidigt Christine Theiss gegen Sanja Samardzic ihren WM-Titel?
ran.de: Die Hamburger Profiboxerin Susi Kentikian hat in der Vorbereitung auf ihren WM-Kampf gegen Carina Moreno ihre Gegnerin anhand von Videos auf "Youtube" studiert. Machen Sie das auch?
Theiss: Nee, das mache ich gar nicht. Die Videoanalysen werden selbstverständlich gemacht, aber nicht von mir, sondern von Mladen Steko oder auch Ramin Abtin. Die schauen sich die Videos meiner Gegnerinnen hunderte Male an und ich bin dann exakt auf meine Gegnerin eingestellt. Ich gucke mir die Videos nie an, weil das für mich keinen Sinn macht. Ich möchte mich auf mich konzentrieren und nicht auf meine Gegnerin. Daher lasse ich das schon seit vielen, vielen Jahren weg.
ran.de: Wie schätzen Sie ihre kommende Gegnerin Sanja Samardzic ein? Was sind ihre Stärken?
Theiss: Ich schätze sie sehr willensstark ein. Ich glaube, sie ist keine, die sich so schnell die Butter vom Brot nehmen lässt. Sie ist sehr flexibel, sie kämpft nicht nur in eine Richtung und ist sehr variabel. Deswegen hoffe ich auf einen schönen Kampf, aber eines ist klar: Gewinnen werde ich!
ran.de: Dabei werden Sie zum ersten Mal nach den Regeln der Internationalen Sport Karate Association (ISKA) kämpfen...
Theiss: Ja, das ist richtig.
ran.de: Was bedeutet das für Sie? Ist das eine große Umstellung?
Theiss: Nein, die Regeln sind die gleichen, da ändert sich gar nichts. Es ist nur ein anderer Weltverband. Ich kämpfe dieses Mal nach den Statuten der World Kickboxing Union (WKU), das ist ein Nachfolgeverband der World Kickboxing Association (WKA) und gleichzeitig ISKA, so dass ich praktisch in zwei Weltverbänden einen Titel holen kann - meinen eigentlich angestammten und den der ISKA. An meinem Kampfstil wird sich aber nichts ändern, und ob der Gürtel jetzt grün, blau oder rot ist, das ist mir sowas von wurscht (lacht)! Ich verteidige meinen WM-Titel!
ran.de: Sie gelten als erfolgreichste Kickboxerin aller Zeiten. Was unterscheidet Sie von den anderen Kämpferinnen?
Theiss: Ich glaube, dass das mehrere Faktoren sind, die dort zusammenkommen. Zum einem habe ich das perfekte Team um mich herum. Ich trainiere und kämpfe seit vielen Jahren in einem exzellenten Team; und durch Mladen und Pavlica Steko wurde das Kickboxen auf ein anderes Niveau gehoben. Zudem habe ich die Möglichkeit erhalten, den Profisport auszuüben. Zum einem wegen meines Sponsors, aber sehr wichtig war natürlich der Fernsehvertrag mit SAT.1, denn umsonst kann man das nur begrenzt machen. So habe ich die finanzielle Absicherung, den Sport auch ausüben zu können. Dann habe ich mittlerweile extrem viel Erfahrung gesammelt, die mir keiner mehr nehmen wird. Das wird jetzt mein 21. WM-Kampf, so viel hat keiner, d.h. ich kann mich einfach extrem gut auf Situationen einstellen. Auch wenn mal eine Runde danebengeht, ich habe so viel Routine und Erfahrung - mich jagt man nicht so schnell ins Boxhorn!
ran.de: Fällt es Ihnen denn manchmal nicht schwer, sich noch zu motivieren? Was spornt Sie immer wieder an?
Theiss: Jede Gegnerin hat ihre Eigenheiten, ihre Stärken sowie Schwächen und ist daher ein komplett neues Unterfangen. Klar, die Grundstruktur des Trainings bleibt zwar gleich, aber dennoch bereitet man sich immer anders auf einen Kampf vor. Deswegen wird selbst das Training immer zu einem neuen Erlebnis für mich, und das ist das Schöne am Kickboxen. Gerade die Sparringsphase - egal, wie oft man schon im Ring gestanden hat - ist individuell und einzigartig. Mal bin ich nicht gut drauf, mal hat die Sparringspartnerin einen guten oder schlechten Tag. Die Karten werden jeden Tag neu gemischt. Dadurch, dass Kickboxen den ganzen Körper fördert und fordert, wird natürlich das Training auch immer abwechslungsreich gestaltet. Ich arbeite ganz gerne mit meinem Körper, daher wird es nicht langweilig.
ran.de: Ihr Kampf wird in Berlin stattfinden. Was fasziniert Sie an dieser Stadt?
Theiss: Ich war in diesem Jahr für eine Woche in Berlin wegen der Dreharbeiten und es ist einfach interessant dort. Es ist eine sehr internationale und multikulturelle Stadt. Dieses Potpourri aus den viele verschiedenen Menschen und deren Kulturen finde ich total spannend. Berlin ist im Gegensatz zu München extrem inhomogen und ich genieße es immer wieder, in dieser Stadt ein paar Tage zu verbringen. Zudem hat Berlin viele Kampfsportfans- und begeisterte, und daher freue mich riesig, dass wir dort mit offenen Armen empfangen werden.
ran.de: Der erste Kampf in der Hauptstadt, sind Sie aufgeregter als sonst?
Theiss: Nein, ich freue mich darauf, bin aber nicht aufgeregt. Es ist eine grandiose Sache, dass SAT.1 meinen Kampf mit "The Voice of Germany" kombiniert. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich diese Chance bekomme. Das macht es sehr spannend für mich, aber nervöser als sonst bin ich nicht.
ran.de: Sie Sind jetzt 32 Jahre alt, wir haben Ende 2012 und da drängt sich natürlich die Frage auf: Wie lange werden wir Sie noch kämpfen sehen?
Theiss: Hundertprozentig kann man das im Leistungssport nie sagen, aber eines steht fest: Auch im nächsten Jahr werde ich wieder in den Ring steigen, 2013 ist auf jeden Fall fest eingeplant!






















































