ran.de: Dante, warum ist die Aufbruchsstimmung, die der Trainerwechsel und das 2:1 gegen Schalke ausgelöst hatten, so schnell verpufft, wie die Niederlage in Wolfsburg gezeigt hat?
Dante: Das ist unser großes Problem in dieser Saison, dass es uns bisher nicht gelingt, den Schwung aus einem solchen Spiel wie gegen Schalke auch in die folgende Partie mitzunehmen und vielleicht mal eine kleine Serie zu starten.
ran.de: Woran liegt diese Wankelmütigkeit?
Dante: Es darf einfach nicht sein, dass sich nach einem einzigen Sieg schon so etwas wie Zufriedenheit einstellt.
ran.de: Wie kann es aber sein, dass eine Mannschaft im Abstiegskampf gegen einen direkten Konkurrenten den Kampf nicht annimmt und 70 Prozent der Zweikämpfe verliert?
Dante: Das ist eine sehr gute Frage. Jeder ist aufgefordert, sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Wenn einer nach einem Sieg gegen Schalke schon zufrieden ist – okay, dann ist das so. Aber so werden wir nicht weiter kommen.
ran.de: Sie sprechen die Probleme innerhalb der Mannschaft sehr deutlich an...
Dante: Ich werde auch in Zukunft immer daran zu erinnern, dass wir jederzeit selbstkritisch bleiben müssen. Gerade nach einem guten Spiel kommt es darauf an, sich eben nicht selbstzufrieden zurückzulehnen, sondern jetzt erst recht die Dinge anzusprechen, die nicht so gut waren. Denn die lassen sich auch nach einem Sieg immer noch finden. Die Qualität eines Spielers zeigt sich nicht zuletzt auch in seiner Fähigkeit zur Selbstkritik.
ran.de: Warum ist es offensichtlich so schwierig, das jedem begreiflich zu machen?
Dante: Für mich ist es selbstverständlich, dass ich meine Leistung immer wieder hinterfrage. Gegen Schalke z. B. habe ich nicht fehlerfrei gespielt. Das aber muss ich mir selbst auch immer wieder klar machen. Denn erst dann, wenn ich mir diese Fehler eingestehe, bin ich in der Lage, es beim nächsten Mal besser zu machen.
ran.de: Ihr neuer Trainer Lucien Favre ist jetzt etwa drei Wochen im Amt, was hat sich geändert?
Dante: Wir haben in dieser Zeit sehr viel im taktischen Bereich gearbeitet. Favre legt großes Gewicht auf frühe Balleroberung. Zudem haben wir sehr intensiv Standardsituationen geübt. Ich bin überzeugt, dass wir in diesen wenigen Tagen schon einiges gelernt haben.
ran.de: Borussia hat in dieser Saison offensiv durchaus häufiger überzeugt, die Defensive aber ist mit bereits 59 Gegentoren die schlechteste der Liga; liegt das nur an den vielen Verletzungen?
Dante: Sicherlich hatten wir uns in der letzten Saison in der Innenverteidigung mit Roel Brouwers und mir eine gute Struktur erarbeitet. Aber wir haben auch andere Abwehrspieler, die über große Qualität verfügen. Zudem besteht die Defensive einer Mannschaft nicht nur aus der Abwehr. Wenn wir nach vorne spielen, ist es einfach. Denn wir haben sehr gute, technisch starke Angreifer. Aber wenn es darum geht, das eigene Tor zu sichern, dann reicht es nicht, sich auf die vier Verteidiger zu verlassen. Vielmehr geht es darum, dass wir den Spielaufbau des Gegners schon am gegnerischen Strafraum unterbinden. Wenn ein Stürmer den Ball verliert, dann ist es seine Aufgabe, den Kollegen in der Defensive umgehend zu helfen.
ran.de: Es scheint oft so, dass die Mannschaft nach einem Gegentreffer völlig in sich zusammenfällt...
Dante: Das trifft absolut zu. Es ist immer wieder so: Wir spielen richtig gut nach vorne, erarbeiten uns Chancen, machen Tore und führen sogar 2:0 wie gegen Stuttgart. Dann fällt ein Gegentor und plötzlich ist alles kaputt! Die Ordnung geht verloren, das Spiel gegen den Ball bleibt aus. Und bisweilen folgen dann auch noch die Gegentreffer zwei, drei oder vier. Das hat mit der Qualität im Kopf zu tun, mit der Fähigkeit zur Konzentration. Und jeder muss auch erkennen, dass es für ein 2:0 auch drei Punkte gibt. Niemand verlangt, dass wir nach einer 2:0-Führung auf ein 3:0 oder gar ein 4:0 gehen. Viel wichtiger ist es, dann kompakt zu stehen und die Führung zu sichern.
ran.de: Was kann ein erfahrener Spieler wie Sie nun tun, um vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim neuen Optimismus zu verbreiten?
Dante: Wir haben eine schlechte Hinrunde gespielt. Jetzt aber immer wieder darauf herum zu reiten, ist kontraproduktiv. Vielmehr versuche ich meine Mannschaftskollegen an das Erfolgserlebnis gegen Schalke zu erinnern und daran, was wir da richtig gemacht haben. Wir sind auch ein Team, und es hilft uns nur, wenn wir positiv und als Einheit an die nächsten Aufgaben herangehen.
VIDEO: Gänsehaut-Feeling im Borussia-Park
ran.de: Dass Sie Ihre Kollegen immer wieder aufmuntern können, liegt nicht auch daran, dass Sie Deutschunterricht nehmen. So geben Sie dieses Interview komplett in Deutsch...
Dante: Der Verein hat gefragt, wer am Deutschunterricht teilnehmen möchte, und ich habe gesagt, dass ich gerne dazu bereit bin.
ran.de: Nicht viele ausländische Spieler bemühen sich so; warum Sie?
Dante: Es ist wichtig, dass die Spieler auf dem Platz miteinander sprechen und sich in jeder Situation auch verstehen können. Als Innenverteidiger stehe ich oft im Zentrum des Geschehens und wäre aufgeschmissen, wenn ich mich nicht verständlich machen könnte. Und ich möchte selbst auch alles verstehen, was um mich herum gesagt wird bzw. passiert. Ich will hier auch nicht nur Fußball spielen und mein Geld abholen. Wenn ich die Kultur eines Landes wenigstens ansatzweise begreifen möchte, dann muss ich auch bereit sein, die Sprache zu lernen. Im Übrigen ist es wichtig für meine Familie, dass ich mich verständigen kann. Meine Frau spricht kein Deutsch. Wenn wir mit unserem sechs Monate alten Sohn zum Arzt müssen, dann ist es meine Aufgabe mit dem Doktor zu reden. Ganz ehrlich, ich freue mich sehr, dass mein Deutsch jeden Tag ein bisschen besser wird.
ran.de: Wird die Borussia jetzt auch von Spieltag zu Spieltag besser, so dass es am Ende für den Klassenerhalt reicht?
Dante: Es wird sehr, sehr schwer, gar keine Frage. Ich denke auch, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns zunächst ganz auf den Relegationsplatz konzentrieren. Dazu fehlen uns fünf Punkte. Die in den zehn verbleibenden Spielen aufzuholen, ist machbar. Vor allem, weil wir noch gegen die direkte Konkurrenz antreten. Kaiserslautern kommt noch in den Borussia Park, wir müssen noch zu Werder Bremen. Wir müssen uns ausschließlich auf diese Aufgabe fokussieren, nichts anderes darf jetzt mehr zählen.
ran.de: Glauben Sie, dass jeder das endlich auch begreift?
Dante: Wer jetzt noch glaubt, dass auch 95 Prozent Einsatz reichen, der hat nichts verstanden. Jeder muss alles geben. Für die Mannschaft, für den Verein und für unsere Fans. Für Ausreden ist kein Platz mehr. Jeder muss jetzt für den anderen einstehen und alles vergessen, was vielleicht vorher war. "Dein Fehler, mein Fehler" – das spielt jetzt überhaupt keine Rolle mehr. Denn es geht buchstäblich um Alles. Wir müssen jetzt ein echtes Kollektiv sein. Einer für alle, alle für einen! Punkt!

















