18.03.11Bundesliga

Gladbachs Michael Fink im Interview: "Die Borussia bleibt drin!"

Am Freitagabend empfängt Borussia Mönchengladbach den 1. FC Kaiserslautern zu einem weiteren Abstiegsgipfel. Im Exklusiv-Interview mit ran.de spricht Borussias neuer Mittelfeldrenner Michael Fink über unerklärliche Leistungsschwankungen, seine Zuversicht, warum Gladbach die Klasse hält, und über die türkische Süper Lig.

Michael Fink (r.) wechselte von Besiktas zu Borussia Mönchengladbach
Michael Fink (r.) wechselte von Besiktas zu Borussia Mönchengladbach © imago

ran.de: Herr Fink, am Freitag empfängt Gladbach Kaiserslautern zu einem weiteren Abstiegsendspiel. Bei den meisten zuvor, gegen Stuttgart oder St. Pauli, hat die Borussia keine gute Figur abgegeben; was lässt Sie hoffen, dass es diesmal besser wird?

Michael Fink: Die letzten Spiele. Da hat man gesehen, dass wir uns in den letzten Wochen Schritt für Schritt gesteigert haben, auch spielerisch. Knüpfen wir an diese Leistungen an, bin ich sehr optimistisch, dass wir gegen Kaiserslautern erneut drei Punkte einfahren können.

ran.de: Die Borussia-Legende, der Welt- und Europameister Herbert "Hacki" Wimmer leidet wie alle Borussen unter den "unerklärlichen Schwankungen". Großartige Auftritte wie gegen Schalke wechseln sich ab mit ängstlichen wie in Bremen; warum geben Spiele wie das gegen Schalke kein Selbstvertrauen?

Fink: Das ist ohne Frage der Tabellen-Situation geschuldet. Natürlich tut der Mannschaft ein Spiel wie das gegen Schalke sehr gut. Aber wir wissen auch, dass uns ein solcher Sieg alleine nichts nutzt, sondern dass wir nachlegen müssen. Dann fahren wir nach Wolfsburg oder nach Bremen und damit zu Teams, die vom Potenzial der Einzelspieler her niemals so weit unten in der Tabelle stehen dürften. Dann gibt es vielleicht eine kleine Blockade im Kopf, die einen offensichtlich eher einen Schritt zurück als einen Schritt nach vorne machen lässt.

ran.de: ...wie zuletzt in Bremen...?

Fink: Genau. Uns gelingt es noch nicht, die Leistung der letzten Heimspiele auch auswärts zu zeigen. So kommt es zu solchen Auftritten wie in Bremen, wo wir zumindest anfangs sehr ängstlich agiert haben. Je länger die Partie aber gedauert hat, desto mehr hat die Mannschaft gespürt „Hier geht doch etwas!“. Wir sind dann immer stärker geworden, und Bremen hat plötzlich begonnen zu zittern. Gegen Ende hätten wir vielleicht sogar noch gewinnen können, wenn uns das 1:1 etwas früher gelungen wäre.

ran.de: Sie sind seit etwa sechs Wochen in Gladbach und haben daher einen unverstellten Blick auf die Dinge; spürt ein neuer, Champions League erfahrener Spieler wie Sie schon in den ersten Trainingseinheiten, ob und wie verunsichert eine Mannschaft ist?

Fink: Man spürt die Verunsicherung. Vielleicht nicht in der Kabine, aber doch im Training. Gerade dann, wenn Spielformen eingeübt werden. Der eine oder andere traut sich vielleicht nicht, den Pass zu spielen, der in der entsprechenden Situation notwendig wäre.

ran.de: Sind Sie der Typ, der den Kollegen darauf aufmerksam macht, oder hält man sich als Neuer eher zurück?

Fink: Nein, ich habe die mir gestellte Aufgabe so verstanden, dass ich auch von Anfang an das Kommando mit übernehmen und den anderen Spielern helfen soll. Ich spreche das aber nicht direkt im Training an, sondern nehme denjenigen später zur Seite und mache ihn darauf aufmerksam. Auch in der Halbzeitpause in Bremen haben wir einige Dinge angesprochen, die wir in der zweiten Hälfte auch besser gemacht haben. Überhaupt ist die Kommunikation der Spieler untereinander hier meiner Meinung nach sehr gut.

ran.de: Geholt wurden Sie noch von Trainer Michael Frontzeck, der kurz darauf durch Lucien Favre ersetzt wurde; wie sehr verunsichert das einen Profi?

Fink: Es ist nicht sehr vorteilhaft, wenn der Trainer, der einen geholt hat, nur wenige Tage später entlassen wird. Aber damit musste ich in der Situation, in der sich Borussia zu diesem Zeitpunkt befand, auch rechnen. Es war klar, dass die Trainerfrage immer mehr in den Mittelpunkt rücken würde, wenn die ersten Spiele nicht zufrieden stellend verlaufen sollten. Dieser Wechsel kam also nicht sehr überraschend für mich. Natürlich muss man dann aber erst abwarten, wie der neue Trainer plant. Ich denke aber, das hat sich für mich ganz gut eingependelt.

ran.de: Sie haben zuletzt dreimal von Beginn an gespielt. Wo stehen Sie aktuell bezüglich Ihrer Leistungsfähigkeit?

Fink: Ich glaube, dass ich seit dem Heimspiel gegen Hoffenheim, wo es für mich wirklich gut gelaufen ist, wieder bei meinen vollen hundert Prozent bin, und auch mit der Mannschaft zusammen gut funktioniere.

ran.de: Sie haben Besiktas Istanbul verlassen, weil Sie unter Trainer Bernd Schuster nicht mehr zum Einsatz kamen. Schuster ist seit dieser Woche weg, bereuen Sie jetzt den Wechsel?

Fink: Nein. Schon deshalb nicht, weil mir Besiktas den Wechsel nahe gelegt hatte. Als Spieler kann ich nicht acht, zehn oder zwölf Wochen warten und darauf hoffen, dass sich die Lage bei Besiktas bessert, und der Trainer vielleicht ausgetauscht wird oder von selbst geht. Ich bin froh, dass ich nach Gladbach gegangen bin. Die Mannschaft ist super, das Umfeld gefällt mir auch gut. Jetzt müssen wir nur noch da unten raus kommen, dann passt auch alles.

ran.de: Besiktas liegt mit 20 Punkten hinter der Spitze, das ist für den Klub inakzeptabel und erinnert an die aktuelle Situation bei Bayern München. Was ist los bei Besiktas?

Fink: Ich habe gestern mit meinem ehemaligen Mannschaftskameraden Fabian Ernst telefoniert. Wir sind uns einig, dass viele der Spieler, die aus europäischen Topligen zu Besiktas gewechselt sind, die Liga schlichtweg unterschätzt haben.

ran.de: Wie würden Sie die türkische SüperLig bewerten?

Fink: Ich bin überzeugt, dass die ersten fünf, sechs Teams auch in der Bundesliga locker mithalten könnten. Die anderen Mannschaften leben vor allem von ihrer Heimstärke. Oft sind es weite Anreisen, die Stadien sind sehr eng, die Zuschauer machen einen Höllenlärm. Dort kann es dann sehr schwer werden zu bestehen. Man kennt das aus Deutschland vielleicht von Teams wie Energie Cottbus, die zuhause jedem das Leben schwer machen können.

ran.de: Was wird im Sommer aus Ihnen?

Fink: Das liegt nicht nur bei mir. Ich habe noch ein Jahr Vertrag bei Besiktas, und es wird demnächst Gespräche geben. Man wird sehen, ob ich zurück muss, oder vielleicht auch zurück möchte, je nachdem, wie sich die Situation dann darstellt.

ran.de: Könnten Sie sich auch einen Verbleib bei Borussia vorstellen?

Fink: Auf jeden Fall. Denn wir bleiben in der Liga, und damit ist Borussia immer ein Thema.

ran.de: Über einen möglichen Abstieg und die damit verbundene Frage, ob Sie auch in der zweiten Liga bleiben würden, machen Sie sich also keine Gedanken?

Fink: Nein, den Abstieg schließe ich hundertprozentig aus. Im Übrigen konzentriere ich mich jetzt ausschließlich auf die letzten Partien. Erst wenn der letzte Spieltag gelaufen ist, beschäftige ich mich damit, was ich danach machen werde.

ran.de: Setzen Sie – wie kürzlich Dante bei ran.de - ganz auf die Relegation, oder glauben Sie daran, dass sogar der direkte Klassenerhalt noch möglich ist?

Fink: Ich glaube immer noch daran, dass wir die Klasse direkt halten können. Bis zum zwölften Tabellenplatz sind es nur sechs Punkte bei noch acht ausstehenden Spielen. Das ist auf jeden Fall noch zu schaffen.

ran.de: Auch Ihr Ex-Klub Eintracht Frankfurt ist in den letzten Wochen immer tiefer in den Abstiegskampf hinein gerutscht, Sie leiden jetzt wahrscheinlich doppelt?

Fink: Natürlich. Jeder andere Klub, der jetzt noch so tief unten rein rutschen musste, wäre mir lieber gewesen, als ausgerechnet die Eintracht. Damit hätte nach der guten Hinrunde wohl auch niemand gerechnet. Ich habe noch immer Kontakt zu einigen Spielern, und die Jungs sind auch selbst fassungslos und völlig überrascht von dieser Entwicklung. Auch wenn der Eintracht-Treffer gegen Schalke am letzten Wochenende sehr glücklich zustanden gekommen ist, vielleicht ist damit der Knoten jetzt endlich geplatzt. Und genau wie wir gegen Lautern hat die Eintracht mit ihrer Partie gegen St. Pauli jetzt ein echtes Abstiegsendspiel vor der Nase. Da muss die Wende her.

Frage: Wer steigt ab?

Fink: Ich sage Ihnen lieber, wer auf jeden Fall drin bleibt: Gladbach und Frankfurt!

Die Bundesliga-Tabelle in der ran-Datenbank

© ran.de / Andreas Kötter
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