ran.de: Herr ter Stegen, Gladbach kann aus eigener Kraft zumindest die Relegation erreichen, so dass "Bild" von "einem der größten Comebacks der Liga-Historie" spricht. Das bedeutet aber auch, dass die Mannschaft zum ersten Mal seit Monaten wieder etwas zu verlieren hat. Befürchten Sie, dass der eine oder andere jetzt nervös werden könnte?
Marc-André ter Stegen: Nein, diese Befürchtung habe ich nicht. Auch als uns viele schon abgeschrieben hatten, so haben wir selbst uns nie aufgegeben. Dementsprechend hatten wir auch in den letzten Wochen großen Druck. Trotzdem wir haben uns wieder heran gekämpft. Und jetzt wird ganz sicher niemand leichtsinnig oder übermütig werden und das aufs Spiel setzen, was wir uns erarbeitet haben. Jedem ist klar, dass wir in Hamburg hoch konzentriert ans Werk gehen und drei Punkte holen müssen.
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Wer steigt direkt aus der Bundesliga in die 2. Liga ab?
ran.de: Solange Frankfurt nicht in Dortmund gewinnt, würde für die Relegation auch schon ein Punkt in Hamburg reichen...
ter Stegen: So zu denken wäre falsch. Wir dürfen nur auf uns schauen und müssen diese drei Punkte holen. Dann kann uns völlig egal sein, wie die Partie in Dortmund ausgeht.
ran.de: Mannschaft und Trainer haben nach außen selbst noch nach der frustrierenden Heimniederlage gegen Kaiserslautern Zuversicht gezeigt, es noch schaffen zu können. War das Zweckoptimismus oder echte Überzeugung?
ter Stegen: Das war und ist unsere Überzeugung. Uns war natürlich klar, dass wir eine Serie brauchen würden, um uns die Ausgangsposition zu erarbeiten, die wir jetzt haben. Aber niemand von uns hat je am großen Potenzial gezweifelt, das in dieser Mannschaft steckt. Und die letzten Erfolge geben uns Recht.
ran.de: Dieser Aufschwung fällt eindeutig auch zusammen mit dem Torwartwechsel von Logan Bailly zu Ihnen; waren Sie überrascht, als Trainer Favre Ihnen vor der Partie gegen Köln das Vertrauen ausgesprochen hat?
ter Stegen: Ich denke, dass es keine Rolle gespielt hat, was ich damals gedacht habe. Entscheidend war und ist, dass wir als Mannschaft funktionieren. Und dazu zählen nicht nur die ersten Elf, sondern der ganze Kader. Nur so kann es funktionieren. Und das ist bei uns der Fall.
ran.de: Immerhin haben Sie von der ersten Minute an einen souveränen Eindruck vermittelt. Gab es überhaupt keine Nervosität, oder war die Tatsache, dass Sie Ihren Verwandten verboten haben, ins Stadion zu kommen, doch ein Zeichen für ein bisschen Lampenfieber?
ter Stegen: Natürlich ist ein Derby gegen Köln immer ein besonderes Spiel. Und in diesem Fall wusste jeder bei uns, dass wir unbedingt gewinnen müssen, wenn wir noch eine Chance haben wollen. Meine Vorderleute haben es mir dann aber von Anfang an sehr leicht gemacht.
ran.de: Zwei Wochen danach, beim 1:0-Sieg gegen den späteren Meister aus Dortmund, haben Sie eine ganze Menge zu tun bekommen. Dennoch wirkten Sie auch hier keineswegs nervös...
ter Stegen: (lacht) Ich denke, dass wir auch gegen ein so starkes Team wie Dortmund als Mannschaft ganz gut gestanden haben. Ich weiß einfach, dass ich mich auf meine Vorderleute jederzeit verlassen kann. Das ist wohl ausschlaggebend für die Ruhe, die ich in meinem Spiel habe.
ran.de: Sie haben schon als 15-jähriger hin und wieder mit den Profis trainiert und so die verschiedensten Trainertypen kennen gelernt, von Hans Meyer über Jos Luhukay und Michael Frontzeck bis zu Lucien Favre. Was unterscheidet Favre?
ter Stegen: Ich möchte diese Trainer nicht vergleichen. Jeder hat seinen eigenen Stil, jeder versucht seine Sache so gut wie möglich zu machen. Lucien Favre hat im Moment großen Erfolg, dann ist ohnehin alles richtig, was man macht. Er ist auf jeden Fall ein Perfektionist, der nichts dem Zufall überlässt. Und diese Haltung hat sich auch auf uns Spieler übertragen.
ran.de: Ob in Hannover mit Zieler, in Kaiserslautern mit Trapp, in Freiburg mit Baumann oder in Gladbach mit Ihnen: eine ganze Reihe Bundesligisten setzt auf sehr junge Torhüter. Lediglich in München ist dieses Modell mit Kraft gescheitert. Kann es sein, dass Druck in München noch einmal eine andere Qualität hat, als Druck in Gladbach oder in Hannover?
ter Stegen: Das kann und will ich nicht beurteilen. Ich bin in Gladbach und hier sehr zufrieden. Was bei anderen Vereinen passiert, das darf mich jetzt auch gar nicht interessieren. Denn wir haben mit uns selbst genug zu tun.
ran.de: Fakt ist, dass es wohl kaum einmal zuvor so viele sehr junge Stamm-Torhüter in der Liga gab. Reift man als Torwart schneller als ein Feldspieler?
ter Stegen: Schwer zu sagen. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, wie schnell er erwachsen wird und sich dementsprechend entwickelt und verhält. Ich möchte mich auch gar nicht selbst beurteilen, das sollen lieber andere tun.
ran.de: Stimmt es, dass Oliver Kahn Ihr Vorbild ist?
ter Stegen: Vorbild ist vielleicht ein etwas übertriebener Ausdruck. Oliver Kahn hat aber auf jeden Fall einen sehr beeindruckenden Werdegang und sehr viel erreicht. Diese Gier nach Erfolg sollte das Ziel eines jedes Leistungssportlers sein. In dieser Hinsicht kann man sich ohne Frage an ihm orientieren.
ran.de: Trotz aller Erfolge war Kahn sicherlich nicht das, was man heute unter einem modernen Torhüter versteht. Wie interpretieren Sie diese Rolle?
ter Stegen: Entscheidend ist, dass man in jeder Sekunde auf dem Sprung ist. Dass man in der Konzentration nie nachlässt und den Kameraden so jederzeit das Gefühl vermittelt, dass noch jemand da ist, wenn ihnen doch einmal ein Fehler unterlaufen sollte. Letztlich ist das aber auch eine Frage der jeweiligen Interpretation, wie man modernes Torwart-Spiel auslegt.
ran.de: Ein Punkt ist sicherlich, dass man nicht nur mit der Hand, sondern auch mit dem Fuß den Ball beherrscht. Sie haben eine Vergangenheit als Feldspieler...
ter Stegen: Stimmt. Ich war in der Jugend Stürmer. Und ab und zu weiß ich auch heute noch, wie man mit dem Ball am Fuß umgeht (lacht).
ran.de: Wer ist für Sie momentan der beste moderne Keeper der Welt?
ter Stegen: Da gibt es ein paar, die auf international sehr hohem Niveau spielen. Einer ist sicher Iker Casillas, ein anderer Petr Cech. Manuel Neuer gehört auch dazu. Und auch Edwin van der Sar. Der ist zwar ganz sicher nicht mehr der jüngste, aber noch immer ein absoluter Topmann.
ran.de: Zurück zum Abstiegsfinale am Samstag: Sollte die Borussia doch noch scheitern, würden Sie auch in der zweiten Liga bleiben?
ter Stegen: (lacht) Falsche Frage, die sich gar nicht stellt. Ich verspreche: Wir steigen nicht ab!


















