ran.de: Herr Bonhof, 1:0 im ersten Relegationsspiel gegen den VfL Bochum: waren Sie überrascht, dass es ein so hartes Stück Arbeit werden würde?
Rainer Bonhof: Man konnte nicht unbedingt damit rechnen, dass Bochum so mutig mitspielt. Dass es gegen diese von Friedhelm Funkel gut organisierte Mannschaft schwer werden würde, wussten wir allerdings. Und so war es ja auch.
ran.de: Bochums Trainer Friedhelm Funkel hat sich bitterlich um Schiedsrichter Günter Perl beklagt, der länger habe nachspielen lassen als angezeigt; haben Sie Verständnis?
Bonhof: Ich verstehe, dass er sich über das späte Tor ärgert. Aber es wird eben so lange gespielt bis der Schiedsrichter abpfeift. Es gab ja auch Gründe für die Nachspielzeit.
ran.de: Reicht dieses 1:0, um im Rückspiel bei wütenden Bochumern alles klar zu machen?
Bonhof: Es ist eine gute Ausgangslage, aber wir wissen auch, dass es noch einmal ein ganz schweres Spiel wird.
ran.de: Doch noch abzusteigen würde der Opposition "Initiative Borussia" um den ehemaligen Unternehmer Norbert Kox und die beiden ehemaligen Borussen-Stars Stefan Effenberg und Horst Köppel in die Hände spielen, die für die Mitgliederversammlung am 29. Mai eine Satzungsänderung anstreben...
Bonhof: Die „Initiative Borussia“ mit Herrn Kox ist im Dezember letzten Jahres an die Öffentlichkeit gegangen. Ein außergewöhnlicher Vorgang, Satzungsänderungsanträge so in der Öffentlichkeit kund zu tun...
ran.de: Eine Änderung, die letztlich auch den Sturz der aktuellen Führung um Präsident Rolf Königs, Manager Max Eberl und Sie bedeuten würde...
Bonhof: Die Absicht ist, die Borussia ähnlich zu strukturieren wie den FC Bayern München – um Anteile zu verkaufen und so Geld einzunehmen. So wurde es jedenfalls bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Das aber ist nicht in unserem Interesse. Wir wollen Herr im eigenen Haus bleiben, und ich denke, dass unsere Mitglieder das ebenso sehen. Im Übrigen gibt es auch noch eine zweite Opposition, die "Mitglieder-Offensive". Diese Opposition setzt sich sehr konstruktiv mit der Satzung auseinander und möchte nur punktuell etwas verändern.
ran.de: Mit Stefan Effenberg und Horst Köppel hat die "Initiative" prominente Aushängeschilder. Effenberg hat in einem "Sportbild"-Interview gesagt, er habe "wirklich das Gefühl, dass es bei der Initiative allen nur ums Wohl von Gladbach geht", dagegen lässt sich erst einmal wenig einwenden...
Bonhof: Ich sage Ihnen: Es wird allen Beteiligten der Initiative tatsächlich ums Wohl gehen. Darum, dass es ihnen selbst wohl geht, wenn sie denn ins Amt kommen würden.
ran.de: Sie glauben also weniger an hehre Ziele, denn an Profilierungssucht?
Bonhof: Es geht diesen Herren darum, den Verein zu splitten und von der GmbH abzutrennen. Für das einzelne Mitglied würde das bedeuten, dass es Stimmrecht nur noch in Bezug auf Amateurfußball, Handball und Tischtennis hätte. Der Profibereich wäre außen vor. Und die Verantwortlichen hätten dann freie Hand. Selbstverständlich nur zum Wohle des Vereins – behaupten jedenfalls diese Herren.
ran.de: Eine Kritik lässt sich allerdings kaum von der Hand weisen: Noch droht der dritte Abstieg seit 1999, mit einem Kader, der allemal für einen Mittelfeldplatz reichen müsste. War es ein Fehler sich so spät von Trainer Michael Frontzeck zu trennen?
Bonhof: Das sehe ich nicht so. Wir haben den Kader nach der sehr ordentlichen letzten Saison punktuell verstärkt. Und das hat zunächst auch funktioniert. Dann aber sind Stammkräfte wie Camargo, Dante, Brouwers, und dazu einige wichtige andere Spieler der Reihe nach zum Teil monatelang ausgefallen. Zeitweise fehlten uns sieben Defensivspieler, so dass Michael Frontzeck in siebzehn Spielen fünfzehn Mal mit einer anderen Innenverteidigung spielen lassen musste. Selbst der FC Bayern konnte nach der WM einen solchen Aderlass nicht kompensieren.
ran.de: Was zu einer Flut an Gegentoren führte...
Bonhof: Worauf wir in der Winterpause mit der Verpflichtung von Nordtveit, Stranzl und auch Hanke reagiert haben. Zudem wussten wir, dass viele der Verletzten zurückkommen würden. Nach drei Spielen waren wir mit zwei Auswärtssiegen und sechs Punkten zunächst auch im Soll. Dann aber haben wir zuhause gegen Stuttgart nach einer 2:0-Führung 2:3 und auf St. Pauli nach einer 1:0-Führung noch 1:3 verloren. Erst da war für uns der Punkt gekommen, wo wir reagieren mussten.
ran.de: Unter Lucien Favre läuft es seitdem sehr gut. Horst Köppel glaubt aber dennoch, dass die Borussia erst mit dem Team um Effenberg und ihn eine "sportliche Kompetenz, wie kaum ein anderer Bundesliga-Verein"bekäme...
Bonhof: Effenberg sagt, dass er den Jugendbereich weiter ausbauen und vor allem Spieler wie Reus, Dante und ter Stegen unbedingt halten will. Welche sportliche Kompetenz aber hat mit diesen Spielern langfristige Verträge abgeschlossen?! Das waren wir! Oder nehmen wir den Jugendbereich: Wir haben nun wieder drei Sterne für unsere Jugendakademie bekommen, und wir haben aktuell 17 U-Nationalspieler. Es scheint also fast so, als wäre man bei der „Initiative“ nicht richtig informiert.
ran.de: Effenberg hat bisher keinerlei Management-Erfahrung; würden Sie ihm diesen Job eigentlich zutrauen?
Bonhof: Stefan Effenberg sagt, er würde den Posten des Sportdirektors und den des Geschäftsführers übernehmen, gleichzeitig aber auch weiter als Experte für "SKY" arbeiten wollen. Zudem wolle er seinen Fußballlehrer machen. Da kommen mir dann Zweifel, ob es ihm wirklich ausschließlich um das Wohlergehen des Vereins gehen kann.
ran.de: Effenberg gibt aber immer wieder vor, Borussia sei ihm "eine Herzenssache"...
Bonhof: Erstaunlicherweise hat sich die "Initiative" ausgerechnet vor allem dann gemeldet, als es uns besonders schlecht und um ganz entscheidende Punkte für uns ging. Da fällt es mir doch sehr schwer, daran zu glauben, dass das Bekenntnis zur „Raute im Herzen“ wirklich auch von Herzen kommt. Ein Ex-Spieler weiß, welchen Schaden solche Veröffentlichungen zu einem solchen Zeitpunkt der Saison in der Kabine anrichten können. Deshalb sehe ich hinter Effenbergs vermeintlicher „Herzenssache Borussia“ ein riesiges Fragezeichen.
ran.de: Mit Effenberg verbindet Sie keine sportliche Vergangenheit, mit Horst Köppel schon; sind Sie enttäuscht von Köppel?
Bonhof: Man kann sicherlich immer mal unterschiedlicher Meinung sein. Aber nach 40 gemeinsamen Jahren und mehr wäre es besser gewesen, wenn Horst sich im Vorfeld gemeldet und gesagt hätte „Rainer, ich werde mich der "Initiative" zur Verfügung stellen“. Das aber ist leider nicht geschehen. Deshalb ist meine Enttäuschung in Bezug auf Horst Köppel tatsächlich sehr groß.
ran.de: Ein Vorwurf an Präsident Rolf Königs lautet, er führe den Verein wie ein "One-Man-Show", von Effenberg und Köppel angebotene Hilfe habe er wiederholt abgewiesen; war das klug?
Bonhof: Das ist nicht die Frage. Es gibt nun mal in einem Verein bestimmte Strukturen und nur eine gewisse Anzahl verfügbarer Stellen. Wenn die besetzt sind, dann muss man das akzeptieren.
ran.de: Königs ist ohne Frage eine schillernde, beeindruckende Erscheinung; verschreckt er aber mit seinem Auftreten sein Gegenüber nicht doch unnötig?
Bonhof: Es mag durchaus so sein, dass man Rolf Königs in der Öffentlichkeit anders wahrnimmt als er ist. Kennt man ihn etwas näher, dann weiß man, dass er einen enormen Sachverstand als Wirtschaftsexperte hat, und sich wie kaum ein anderer für Borussia ins Zeug legt. Seine Kernaussage lautet „Ich lebe für Borussia, nicht von Borussia!“. Das praktiziert er seit zwölf Jahren – was für sich selbst spricht.
ran.de: Wie schätzen Sie jetzt, nach der tollen Aufholjagd in der Liga, den Rückhalt für die "Initiative" ein. Köppel glaubt immerhin, dass "fast alle Mitglieder" seiner Meinung sind?
Bonhof: Wenn ich in Mönchengladbach unterwegs bin und mit Fans spreche, dann höre ich immer wieder "Lasst die bloß nicht ran, und schon gar nicht Effenberg und Köppel!". Aber mir geht es gar nicht um irgendwelche Personen. Mir geht es darum, welcher Gefahr die Borussia ausgesetzt wäre, wenn sich dieser Kurs durchsetzen würde. Denn dann droht dem Verein der scheibchenweise Verkauf. Ich bin aber sehr guter Dinge, dass unsere Mitglieder das auch erkennen.
ran.de: Was bedeutet es Ihnen in dieser Situation, dass Marco Reus gerade erklärt hat, dass er auch nächste Saison "auf jeden Fall" in Gladbach spielen werde, egal ob erste oder zweite Liga?
Bonhof: Das ist ein Bekenntnis zu dem Verein, bei dem er sich wohl fühlt. Für uns ist das gleichzeitig die Verpflichtung, in dieser Weise weiter zu arbeiten und den Spielern so das Gefühl zu geben, dass es sich auch menschlich lohnt, für Borussia Mönchengladbach alles zu geben. Und ich bin sehr sicher, dass Marco unten in der Kabine nicht der einzige Spieler ist, der spürt, dass wir alle hier etwas ganz Besonderes leben!


























