ran.de: Herr Zimmermann, Sie haben gerade Ihre Prüfung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoffe bestanden, ungewöhnlich für einen Profi-Fußballer...
Matthias Zimmermann: Meine Mutter wollte immer, dass ich zunächst zweigleisig fahre. Deshalb habe ich während meiner Zeit beim KSC gleichzeitig auch diese Ausbildung gemacht. Ab sofort konzentriere ich mich aber nur noch auf meine Karriere als Fußball-Profi (lacht).
ran.de: Gab es Phasen, wo Sie die Ausbildung am liebsten geschmissen hätten?
Zimmermann: Am Anfang ist mir der Rhythmus Arbeit-Training-Arbeit-Training schon sehr schwer gefallen und ich hätte am liebsten abgebrochen. Aber meine Mutter hat mir immer wieder klar gemacht, wie wichtig es ist, dass ich ein zweites Standbein für alle Fälle habe, und so zudem auch auf dem Teppich bleibe. Heute bin ich wirklich dankbar dafür, dass meine Ma mir damals immer den Rücken gestärkt und mich notfalls auch mal in den Hintern getreten hat. Denn wer weiß schon, wie es weitergeht, und was ich mit 35 machen will?
ran.de: Herr Rupp, Ihr Mannschaftskollege Juan Arango braucht eigentlich Trost, weil er mit Venezuela im Halbfinale der Copa an Paraguay gescheitert ist. Stattdessen sagen Sie ihm aber den Kampf an - könnte man wenigstens meinen, wenn man die Überschrift eines Boulevard-Artikels, "Ich will kein Platzhalter sein!", liest. Tatsächlich haben Sie das so aber nie gesagt. Gehört diese bittere Erfahrung mit den Medien zum Lernprozess eines Profis dazu?
Lukas Rupp: Das Medieninteresse in der ersten Bundesliga, noch dazu bei einem Klub wie Borussia Mönchengladbach, ist um ein Vielfaches größer als in der zweiten Liga beim Karlsruher SC. Da wird man in einem ganz anderen Maße gefordert, als das bisher der Fall war.
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Wer steigt direkt aus der Bundesliga ab?
ran.de: Hat Sie das Vorgehen der Zeitung geärgert?
Rupp: Das hat mich schon sehr geärgert, und ich bin auch mehrfach darauf angesprochen worden. Es kann dann sehr schnell heißen "Was erlaubt sich dieser junge Rupp da eigentlich?", obwohl ich überhaupt keine böse Absicht hatte. Ich muss vielleicht ein wenig mehr aufpassen, was ich sage, wie diese Geschichte zeigt.
Zimmermann: Wir sind jung und noch nicht so lange im Geschäft. Aber mir ist wichtig, dass ich von meiner Seite aus immer korrekt mit allen umgehe, auch mit den Medien. Umgekehrt erwarte ich das dann aber auch.
ran.de: Die Borussia hat für Sie beide an den KSC 1,6 Millionen Euro überwiesen, davon für Sie, Herr Rupp, "nur" 600.000 Euro, macht man da intern schon mal Scherze wie "Hey, ich bin mehr wert als Du"?
Rupp: Nein, überhaupt nicht. Matze und ich sind super miteinander befreundet, und die Summen, die genannt wurden, interessieren uns nicht.
Zimmermann: Stimmt, und unsere Scherze sehen anders aus...
ran.de: Wie zum Beispiel?
Zimmermann: Ich ärgere Lukas dann zum Beispiel, indem ich ihm sage, dass ich zweikampfstärker bin als er und deshalb immer den Ball bekommen würde. Und er lacht sich dann kaputt und gibt mir zu verstehen, dass ihm das völlig egal wäre, weil er mich mit seiner tollen Technik ohnehin immer ausspielen würde.
ran.de: Sie hatten beide auch andere Angebote aus der ersten Liga, was hat den Ausschlag für Gladbach gegeben?
Rupp: Die Perspektive, die ich hier sehe. Herr Favre hat gezeigt, dass er jungen Leuten eine Chance gibt und bereit ist, auch an ihnen festzuhalten, wenn es mal nicht so gut läuft.
Zimmermann: Ich hatte Angebote von Stuttgart, Hoffenheim und Kaiserslautern. Aber ich habe mich schon nach unserem letzten Saisonspiel mit dem KSC gegen Union Berlin klar dafür entschieden, dass ich zur Borussia möchte.
ran.de: Das bedeutet, dass Sie gar nicht sicher sein könnten, ob Sie zu einem dann noch zu einem Erstligisten wechseln würden, weil Gladbach in die Relegation musste...
Zimmermann: Stimmt. Ich habe mich lange mit diesem Wechsel auseinandergesetzt und mich hundertprozentig mit Gladbach identifiziert. Ich glaube, dass ich hier die besten Chancen habe.
Rupp: Ich sehe das genauso. Für mich hätte ein Abstieg auch nichts geändert.
ran.de: Wie wichtig war, dass Sie im Doppelpack kommen konnten - oder stört das anfangs sogar die Eingliederung?
Rupp: Für den Anfang finde ich es schon besser, wenn man jemanden an seiner Seite hat. Und weil ich mich ohnehin schon immer besonders gut mit Matze verstanden habe, war diese Situation eigentlich perfekt. Der Kontakt zu den neuen Kollegen kommt automatisch.
Zimmermann: Ob allein oder zu zweit, irgendwann muss man ohnehin auf die neuen Kollegen zugehen. Trotzdem hat Lukas Recht, gerade am Anfang ist es schon angenehm, wenn man jemand hat, den man schon gut kennt.
ran.de: Wie empfinden Sie den Schritt von der zweiten in die erste Liga?
Rupp: Was Trainingsintensität und damit Tempo und individuelle Klasse betrifft, steht die erste Liga eindeutig eine Stufe über der zweiten. Viele sagen allerdings auch, dass man in der zweiten Liga am Ball viel weniger Zeit hat. Was daran liegt, dass in der ersten Liga jeder weiß, dass der Gegenspieler richtig was kann. Wer da zu eng am Mann ist oder grätscht, der ist auch schnell aus dem Spiel. Mir kommt das zugute, weil ich ohnehin nicht so der "Ochse" bin, der in jeden Zweikampf springt.
ran.de: Sind Spieler wie Ihr Mannschaftskamerad Marco Reus oder auch der Dortmunder Kevin Großkreutz ein Vorbild, weil sie gezeigt haben, wie schnell man den Sprung von der zweiten in die erste Liga bewältigen kann?
Rupp: In gewisser Weise hat das natürlich Vorbildcharakter, weil es zeigt, was möglich ist, wenn man hart arbeitet. So durchzustarten wie diesen beiden, das ist ein Traum. Letztlich aber muss sich jeder einzelne immer wieder selbst beweisen und den Weg alleine gehen. Natürlich wäre es schön, wenn es bei uns auch so klappen würde, aber das ist alles noch Zukunft.
ran.de: Herr Rupp, die Fachpresse hat zunächst geschrieben, dass Sie fußballerisch zwar der begabtere seien, man aber dem robusteren Zimmermann dennoch eher den sofortigen Sprung in die erste Elf zutrauen würde. Nach der Vorbereitung gelten aber Sie als Kandidat für die erste Elf. Wundert man sich da über den Sachverstand der Experten?
Rupp: Vielleicht basierten diese Meinungen auf individuellen Eindrücken. In der Vorbereitung kann immer viel passieren, und noch habe ich auch gar keinen Platz in der Startelf.
ran.de: Wäre die Arango-Position grundsätzlich die, die Ihnen am ehesten liegt?
Rupp: Eine Lieblingsposition habe ich eigentlich gar nicht. Ich spiele überall gerne, Hauptsache ich bin überhaupt auf dem Platz. Zudem haben wir bei Herrn Favre große Freiheiten und können von rechts außen auch mal in die Mitte ziehen oder auf links wechseln. Von daher sind im Mittelfeld alle Positionen okay.
Der Kader von Borussia Mönchengladbach
ran.de: Herr Zimmermann, Ihre Verpflichtung für die rechte Außenbahn bedeutet, dass Borussias Urgestein Tobias Levels überflüssig ist und gehen soll. Macht man sich über so etwas als Profi einen Kopf?
Zimmermann: Das Fußball-Geschäft ist hart, die Konkurrenz ist groß. Irgendeiner steht immer hinter Dir, und es kommt immer ein anderer, der es vielleicht besser macht als Du. Für Tobi tut mir das leid, er ist charakterlich ein toller Kerl. Aber es sind zwei Paar Schuhe, ob ich einen Kollegen privat sehr mag, oder ob er im Kampf um einen Platz in der Mannschaft mein Konkurrent ist. Das muss man trennen und akzeptieren können.
ran.de: Wo sehen Sie Ihre Stärken, wo Ihre Schwächen?
Rupp: Meine Stärken sollen andere beurteilen. Grundsätzlich komme ich aber ganz gerne aus dem Zentrum und verteile die Bälle dann. Und was Schwächen betrifft: da kann ich auf jeden Fall überall noch etwas verbessern, ob das nun meinen linken Fuß betrifft, mein Kopfballspiel oder auch mein Zweikampfverhalten.
Voting
Wo landet Borussia Mönchengladbach in der Saison 2011/2012?
ran.de: Was trauen Sie Ihrem Team in dieser Saison zu?
Zimmermann: Bei uns passt die Mischung aus vielen jungen und einigen älteren, erfahrenen Spielern. Und ich denke, dass wir eine gute Rolle spielen werden.
Rupp: Glaube ich auch. Wir haben zwar eine junge Mannschaft, aber eine mit sehr, sehr viel Potenzial. Es mag noch ein, zwei Jahre dauern, bis ein Rädchen ins andere greift, und wir alle auf höchstem Niveau agieren. Aber ich glaube schon, dass wir für Überraschungen sorgen können. In dieser Saison mag es noch etwas schwerer werden, aber ich bin überzeugt, dass wir die Klasse halten.
ran.de: Sie sind beide langjährige U-Nationalmannschaftsspieler, haben Sie die U17-WM in Mexiko verfolgt?
Rupp: Eine Top-Leistung der deutschen Mannschaft war das. Allerdings befürchte ich, dass viele der Spieler mit Migrationshintergrund, insbesondere die mit türkischer Abstammung, demnächst Angebote von der Türkei bekommen werden und sich dann gegen Deutschland entscheiden. Was ein großer Verlust wäre.
ran.de: Täuscht der Eindruck oder haben junge Fußballer immer früher das Zeug zum Profi?
Zimmermann: Nein, der Eindruck täuscht nicht. Der Schritt, in den Profi-Kader zu kommen, ist heute leichter, als noch vor ein paar Jahren. Es ist gut, wenn wir vielleicht schon bald die Spanier eingeholt haben, um ihnen zu zeigen, dass auch die Deutschen großartigen Fußball spielen können.
Rupp: Die sehr gute, langjährige Jugendarbeit des DFB und der Vereine macht sich jetzt bezahlt. Mario Götze ist zum Beispiel so ein Fall, an dem man sieht, wie schnell man es in die A-Nationalmannschaft schaffen kann. Noch vor einem Jahr kannte ihn kaum einer, und heute ist er schon fast auf dem Weg zum Weltstar.












