12.08.11Bundesliga

Gladbachs Roel Brouwers im Interview: Die Pleiten sind Historie

Borussia Mönchengladbach ist mit dem 1:0-Erfolg in München perfekt in die Saison gestartet. Nicht zuletzt dank der großartigen Leistung von Roel Brouwers, der den verletzten, etatmäßigen Abwehrchef Martin Stranzl kongenial ersetzte. Vor der Partie gegen den VfB Stuttgart spricht der Niederländer im Exklusiv-Interview mit ran.de über seine undankbare Rolle als Backup, über Borussias Wandel von der Schießbunde zum Bollwerk, die letztjährigen Niederlagen gegen den VfB und über Selbstvertrauen vs. Selbstüberschätzung.

Roel Brouwers (r.) sprach mit ran.de über seine undankbare Rolle als Ersatzmann
Roel Brouwers (r.) sprach mit ran.de über seine undankbare Rolle als Ersatzmann © dpa

ran.de: Herr Brouwers, sind Sie der Felipe Santana von Borussia Mönchengladbach?

Roel Brouwers: Das weiß ich nicht (lacht)...aber ich weiß, worauf Sie hinaus wollen...

ran.de: ...Santana spielt bei Borussia Dortmund nur, wenn einer der beiden etatmäßigen Innenverteidiger, Hummels oder Subotic, verletzt ist, dann aber stets so gut, dass ihm bescheinigt wird, in jedem anderen Bundesligaverein Stammspieler sein zu können...

Brouwers: Ich möchte natürlich auch möglichst jede Woche spielen, und ich habe in der Vorbereitung mein Bestes gegeben, um diesen Wunsch auch in Erfüllung gehen zu lassen. Im Pokal durfte ich dann aber leider dennoch nicht von Beginn an spielen, und bei den Bayern nur, weil Martin (Stranzl; d. Red.) verletzt war.

ran.de: Wie schwer fällt es, das dauerhaft zu akzeptieren?

Brouwers: Man muss immer akzeptieren, wenn der Trainer anders entscheidet, als es einem selbst lieb ist. Das gehört einfach dazu, wenn man ein guter Profi sein will. Dass das nicht immer leicht fällt, steht außer Frage. Trotzdem gebe ich im Training immer alles, um dann, wenn die Chance plötzlich kommt, auch direkt voll da zu sein. Alles andere würde nicht funktionieren. Gibt man im Training nur die Hälfte, dann wird es einem im Spiel kaum gelingen, den Schalter von einer Minute zur anderen umzulegen.

ran.de: Wie entscheidet Lucien Favre für das Spiel gegen den VfB Stuttgart?

Brouwers: So wie es aussieht, wird es Martin bis Samstag nicht schaffen. Sollte er nicht dabei sein können, werde ich auf jeden Fall spielen. Letztlich spielt es aber keine Rolle, wer von uns aufläuft. Derjenige wird auf jeden Fall alles für die Mannschaft geben.

ran.de: Seit dem Amtsantritt von Favre hat die Borussia mehrmals zu null gespielt und in 13 Partien nur neun Gegentreffer kassiert. Das ist Bestwert der Liga. Wie wird aus einer Defensive, die zuvor monatelang die Schießbude der Liga war, gleichsam über Nacht das Bollwerk der Liga?

Brouwers: Das ist ganz schwer in wenigen Worten zu erklären. Fakt ist, dass die gesamte Mannschaft kompakter steht. Zuvor war das leider nicht so, mit der Folge, dass wir im Schnitt drei Gegentore pro Spiel kassiert haben. Dass man so kaum einmal ein Spiel gewinnen konnte, ist auch klar. Wenn man gewinnen will, dann muss man zunächst einmal alles daran setzen, zu null zu spielen. Anders geht es nicht. Das klappt seit ein paar Monaten bei uns eigentlich recht gut. Jetzt geht es darum, diesen Weg nicht zu verlassen.

ran.de: Der Sieg in München war erst der zweite in mehr als 40 Jahren; was macht ein solcher Erfolg mit dem Selbstbewusstsein einer Mannschaft?

Brouwers: Ich denke, jeder von uns weiß das sehr gut einzuschätzen. Wir sind mit dem Bewusstsein angereist, dass wir einerseits eine sehr gute Vorbereitung hatten, andererseits aber in München relativ wenig zu verlieren haben. Beim deutschen Rekordmeister mit Anstand zu verlieren, wäre keine Schande gewesen. Möglicherweise hat uns in die Karten gespielt, dass wir so früh in der Saison auf die Bayern getroffen sind. Wenn die Münchner erst einmal ins Rollen gekommen sind, wird es für jeden Gegner schwer. Das soll unsere Leistung aber nicht schmälern, wir waren zum richtigen Zeitpunkt topfit.

ran.de: "Topfit" ist ein gutes Stichwort, denn die Teamlaufleistung der Borussia glich an diesem Spieltag fast auf den Meter genau der des BVB und lag damit auch kilometerweit über der aller anderen Teams...

Brouwers: Wir haben in der Vorbereitung natürlich auch im Ausdauerbereich gearbeitet. Entscheidend ist aber, dass in München wirklich jeder einzelne für den anderen mit gerannt ist, wenn das erforderlich war. Nur so kann man im Fußball auf Dauer erfolgreich sein.

ran.de: Erfolgreich ist man auch in die letzte Saison gestartet, als man am zweiten Spieltag mit 6:3 in Leverkusen gewann. Danach aber folgte ein böser Absturz, hatte der auch mit Selbstüberschätzung zu tun?

Brouwers: Das vermag ich nicht zu sagen. Vielmehr ist aber auch entscheidend, dass wir hier und heute alles dafür tun, dass uns so etwas nicht noch einmal passiert. Wir sollten uns gar nicht erst verrückt machen lassen, sondern den Weg, den wir schon vor einigen Monaten begonnen haben, konzentriert weiter gehen. Was vergangenes Jahr war, ist längst Geschichte.

ran.de: Spielen die bittere 0:7- und die 2:3-Niederlage der letzten Saison gegen den VfB keine besondere Rolle als Motivationshilfe?

Brouwers: Nein. Ich kann mich da nur wiederholen, das ist Geschichte. Der VfB, der zum Auftakt ebenfalls überzeugend gewonnen hat, wird sicherlich mit großem Selbstvertrauen in den Borussia-Park kommen. Also treffen zwei Teams aufeinander, die beide Selbstvertrauen getankt haben. Wichtig ist jetzt, wer dieses Selbstvertrauen besser auf den Rasen bringen kann. Dieses Spiel verspricht also eine spannende Angelegenheit zu werden.

ran.de: Das Selbstvertrauen eines Spielers speist sich nicht zuletzt aus dem Vertrauen, das ihm sein Trainer schenkt; spüren Sie dieses Vertrauen, obwohl Sie zurzeit nur Backup sind?

Brouwers: Auf jeden Fall. Ich spüre, dass der Trainer keinen Moment an mir zweifelt, wenn er mich braucht. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Ein Gefühl, das mir zudem auch meine Mannschaftskameraden immer geben.

ran.de: Im nächsten Jahr läuft Ihr Vertrag bei Borussia aus, könnte es sein, dass Sie dann genug haben von der Santana-Rolle?

Brouwers: Darüber denke ich noch gar nicht nach. Grundsätzlich würde ich aber sehr gerne hier bleiben. Ich bin jetzt in der fünften Saison bei Borussia und fühle mich sehr wohl hier. Und ich glaube, dass sich der Klub auch mit mir wohl fühlt. Eigentlich passt alles. Ich werde also weiterhin mein Bestes geben. Dann werden wir ja sehen, was passiert.

Borussia Mönchengladbach vs. VfB Stuttgart: Sa., 18.30 Uhr im Live-Ticker

© ran.de / Andreas Kötter
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