17.11.11Bundesliga

Klaus Allofs im Interview: "Pizarro- oder Wiese-Verkauf im Winter undenkbar"

Werder Bremen befindet sich sportlich längst wieder in der Spur. Getrübt aber wird die gute Stimmung an der Weser durch die anhaltenden Spekulationen um die Zukunft des Bremer Führungsduos aus Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf. Im Exklusiv-Interview mit ran.de spricht Allofs über einen angeblichen Machtverlust, über die Personalien Tim Wiese und Claudio Pizarro und über das anstehende Spitzenspiel bei Borussia Mönchengladbach.

Klaus Allofs ist seit 1999 Manager von Werder Bremen
Klaus Allofs ist seit 1999 Manager von Werder Bremen © Getty

ran.de: Herr Allofs, seit einigen Tagen häufen sich die Spekulationen, Sie und auch Trainer Thomas Schaaf könnten Werder im Sommer verlassen. Wie ist der Stand der Dinge?

Klaus Allofs: Wir sind in Gesprächen und haben uns darauf verständigt nicht dauernd Wasserstandsmeldungen abzugeben, was dann aber leider trotzdem dazu führt, dass sich einige Medien in irgendwelchen Deutungen versuchen.

Thomas Schaaf setzt sich für Klaus Allofs ein

ran.de: In der Tat will zum Beispiel "Bild" für Sie einen Machtverlust erkannt haben. Nicht vielmehr als typische Boulevard-Diktion?

Allofs: Ich glaube, das kann man so sagen. Denn inhaltlich ist das einfach falsch. Selbstverständlich habe ich kürzlich im TV gesagt, dass zwischen Vertragspartnern die Chemie stimmen muss. Aber das bedeutet lediglich, dass man eine für beide Seiten zufrieden stellende Lösung finden muss, aber gewiss nicht, dass man nicht gelegentlich auch mal unterschiedlicher Meinung sein könnte.

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Wo landet Werder Bremen in der Saison 2011/12?

Platz 1 bis 3
Platz 4 bis 6
Platz 7 bis 10
Platz 11 bis 15
Platz 16 bis 18

ran.de: "Bild" spielt auf Ihr vermeintlich gestörtes Verhältnis zu Aufsichtsrat Willi Lemke an...

Allofs: Aber die Unstimmigkeiten, die wir im Sommer hatten, sind längst ausgeräumt. Dass es damals in Nuancen unterschiedliche Vorstellungen gegeben haben mag, wie man so etwas nach außen darstellen sollte, haben wir zudem längst aufgearbeitet. Im Übrigen leben wir in diesem Verein nach zwölf gemeinsamen Jahren auch davon, dass wir uns hin und wieder konstruktiv reiben und auch schon mal unterschiedliche Auffassungen haben.

ran.de: Trotzdem bleibt für Außenstehende unverständlich, warum man Ihnen und Thomas Schaaf hier nicht jeden Tag einen roten Teppich ausrollt. Schließlich hat Werder viele sportlich hervorragende Jahre hinter sich, und das letzte wurde gar mit dem Rekordgewinn von mehr als acht Millionen Euro gekrönt...

Allofs: Den roten Teppich erwarten wir beileibe nicht. Vielmehr sollte man sich immer wieder kritisch mit der Gesamtsituation, aber auch mit der eigenen Rolle auseinandersetzen und sich fragen "hast du die Dinge richtig gemacht und bist du noch der richtige Mann am richtigen Platz?". Wichtig ist, dass man nicht nur aus Gewohnheit weitermacht, sondern das die echte Überzeugung besteht, dass man der großen Verantwortung auch weiter gerecht werden will und kann. Dafür aber muss die Chemie so stimmen, wie sie in den letzten elf, zwölf Jahren gestimmt hat. Und bevor die Frage nach einem anderen Klub vielleicht kommt, kann ich Ihnen sagen, dass es nirgendwo Gespräche geben wird. Die Verhandlungen mit Werder haben absoluten Vorrang und sind exklusiv.

Klaus Allofs dementiert Gerüchte um Wechsel zum 1. FC Köln

ran.de: Ist Werder für Sie heute noch ein Job oder mittlerweile doch auch schon Lebenswerk?

Allofs: Die Zeit bei Werder ist außergewöhnlich lang. Als Spieler war ich nie solange an einem Ort, am längsten noch je sechs Jahre in Düsseldorf und in Köln. Dass man dann an vielen Dingen sehr hängt, etwa an den Veränderungen und der Entwicklung, die das Stadion durchlaufen hat, dürfte verständlich sein. Und dass ein möglicher Einschnitt umso größer empfunden würde, je länger man zuvor an diesem Ort war, das versteht sich auch von selbst. Aber das ist nun mal ein Bestandteil des Profi-Fußballs, und - ohne gleich zu tief in die Philosophie einzusteigen - auch des Lebens per se.

ran.de: Ein Bestandteil des Lebens, aber nicht unbedingt des Fußballs ist, dass Menschen - in welcher Konstellation auch immer - nach dem dauerhaften Partnerglück suchen. Und kein anderes Manager-Trainer-Paar in der Liga ist so lange so erfolgreich wie Allofs/Schaaf. Ist es dennoch denkbar, dass der eine ohne den anderen in Bremen weitermachen könnte?

Allofs: Keiner von uns wird sich darauf festlegen, dass der eine nur mit dem anderen diesen Job macht. Dass wir sehr gut harmonieren, das ist eine Sache. Ich glaube aber andererseits nicht, dass Thomas und ich den Job immer nur gemeinsam machen müssen.

ran.de: Sie beide sind längst nicht die einzigen ungeklärten Personalien bei Werder, denn im Sommer laufen etwa auch die Verträge von Wiese und Pizarro aus. Ist es denkbar, dass einer oder gar beide schon im Winter verkauft werden?

Allofs: Nein, das ist absolut undenkbar. Dieses Thema ist aufgekommen durch eine Aussage von Klaus Filbry auf der Mitgliederversammlung. Dort hat er lediglich gesagt, dass man eine wirtschaftliche Bilanz auch durch Wintertransfers verbessern kann. Das aber war ganz allgemein gesprochen und nie auf Pizarro oder Wiese im Besonderen gemünzt.

ran.de: Im letzten Winter haben Sie mit Hugo Almeida einen Stürmer abgegeben, den Sie nachher möglicherweise noch gut hätten gebrauchen können. War dieser Transfer eine Warnung?

Allofs: Nein. Hugo hatte erklärt, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag auf keinem Fall verlängern würde. Da wir mit seiner Entwicklung insgesamt nicht so zufrieden waren, waren wir uns trotz unserer sportlich nicht besonders komfortablen Situation sicher, auf ihn verzichten zu können. Im Übrigen werden solche Entscheidungen grundsätzlich nicht einfach aus dem Bauch heraus getroffen, sondern erst nach eingehender Analyse mit dem Trainer.

ran.de: Könnte es in Sachen Wiese und Pizarro im Sommer anders aussehen?

Allofs: Dann läuft der Vertrag von Tim Wiese aus. Ebenso wenig ist es ein Geheimnis, dass es eine Vereinbarung zwischen Claudio Pizarro und Werder gibt, die es beiden Seiten ermöglicht, die Zusammenarbeit zu beenden.

ran.de: Was können Sie Pizarro jenseits von Geld bieten, damit es nicht dazu kommt, dass Sie Werders Tor-Versicherung verlieren?

Allofs: Wir können ihm eine Wohlfühl-Atmosphäre bieten, bei der er als Mensch und Spieler akzeptiert wird. Und Claudio selbst hat auch immer wieder erklärt, dass Bremen für ihn in dieser Hinsicht schon seit seiner ersten Zeit bei Werder eine besondere Bedeutung hat. Wir können ihm auch eine ordentliche Bezahlung bieten, und eine Mannschaft, die sich hoffentlich wieder in Richtung internationaler Wettbewerb orientiert. Trotzdem wissen wir, dass es für einen Profi auch andere, noch stärkere Argumente geben kann.

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Wer wird Bundesliga-Torschützenkönig?

Klaas Jan Huntelaar (Schalke)
Mario Gomez (FC Bayern)

ran.de: Pizarro sagt von sich selbst: "So gut war ich noch nie. Hat er Recht?

Allofs: Er ist heute anders gut als mit 21. Große Lust am Tore schießen hatte er schon immer. Mit zunehmendem Alter aber ist Claudio viel mehr Führungspersönlichkeit und Vorbild geworden. Er hat sich als Mensch weiter entwickelt und ist deshalb auch ein kompletterer Fußballer als je zuvor.

Die Torjägerliste der Bundesliga: Pizarro jagt Gomez

ran.de: Verkäufe von Leistungsträgern schließen Sie für die Winterpause also aus. Wird es aber Neuverpflichtungen geben?

Allofs: Man sollte solche Aussagen zwar nur mit Vorsicht tätigen, im Grunde haben aber wir keinen Bedarf. Wir haben einen breiten Kader und jetzt das erreicht, was wir uns in der Vergangenheit vorgenommen haben. Nämlich einen Kader zusammenzustellen, der auf jeder Position zumindest doppelt besetzt ist, ohne dabei an Qualität einzubüßen. Zudem kommen in der Winterpause mit Boenisch, Silvestre und vielleicht auch Borowski noch einige Langzeitverletzte zurück, so dass wir noch mehr Optionen bekommen.

ran.de: Diese Ausgeglichenheit des Kaders hat Werder zurück in die Erfolgsspur gebracht. Haben Sie Sorge, dass die Spekulationen über die verschiedenen Vertragsunsicherheiten nun für Unruhe sorgen könnten?

Allofs: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Spieler sich davon beeinflussen lassen. Und auch den Trainer und mich irritiert diese Situation in keiner Weise. Meine Arbeit ist dieselbe wie sonst auch, und sie wird auch erledigt wie immer. Kurzum: Ich bin mir sicher, dass dies keine negativen Auswirkungen haben wird. Wir sind uns aber auch darüber im Klaren, dass unsere aktuelle Situation noch nicht so gefestigt ist, wie das vielleicht auf den ersten Blick aussehen mag. Und das wissen auch die Spieler.

ran.de: Den Eindruck der Bescheidenheit vermittelt vor allem auch der neue Werder-Kapitän Clemens Fritz. Hat gerade auch auf Fritz der Abschied von Torsten Frings befreiend gewirkt?

Allofs: Wenn man das so erklären würde, kämen doch gleich wieder Interpretationen in Richtungen Unstimmigkeiten zwischen Torsten und Werder. Ganz losgelöst von Torsten aber gibt es im Fußball eine unbestrittene Tatsache: Wenn ein wichtiger Führungsspieler erst einmal gegangen ist, dann gibt es immer auch eine Lösung. Es muss diese Lösung geben und das beinhaltet, dass sich neue Aspekte auftun. In diesem Zusammenhang ist es doch ganz normal, dass Clemens seine neue Rolle als Pflicht, aber auch als Chance sieht. Und er hat eine andere Art, diese Rolle auszufüllen als Torsten Frings sie hatte. Geschadet hat uns das bisher jedenfalls nicht.

Torsten Frings wird Trainer bei Werder Bremen

ran.de: Am Samstag müssen Sie bei Borussia Mönchengladbach antreten, wo Marco Reus wohl eine ähnlich wichtige Rolle spielt wie Pizarro bei Werder...

Allofs: Das kann man sicherlich so sagen.

ran.de: Werder war in der Vergangenheit immer an aufstrebenden Spielern wie Reus interessiert, siehe etwa Marin oder Özil. Wie sehr schmerzt es Sie, dass Namen wie Reus oder auch der des Nürnbergers Wollscheid mit allen möglichen Klubs in Verbindung gebracht werden, aber nicht mit Bremen?

Allofs: Auch wir könnten uns in diesen Fällen durchaus positionieren. Und wie heißt es so schön, einen Spieler wie Marco Reus würde man auch mit dem Fahrrad abholen. Andererseits müssen wir realistisch bleiben. Momentan wären wir finanziell nicht in der Lage, einen solchen Transfer zu stemmen. Zudem sind wir in diesem Jahr international nicht vertreten, was automatisch dazu führt, dass man aus der Wahrnehmung zunächst einmal verschwindet. Wenn man als Konkurrent dann auch noch Bayern München hätte, wäre eine solche Verpflichtung fast unmöglich. Ein solcher Transfer ginge nur, wenn es gelingen würde, den Spieler zu überzeugen, dass der nächste Karriereschritt eben noch nicht die Bayern oder ein ausländischer Top-Verein sein sollte, so wie uns das zum Beispiel bei Mesut Özil gelungen ist.

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Bundesliga

Wie endet die Partie Gladbach gegen Bremen?

Sieg Gladbach
Unentschieden
Sieg Bremen

ran.de: Bedeutet das, dass Werder auf absehbare Zeit solche Spieler nicht mehr verpflichten kann?

Allofs: Überhaupt nicht. Wir denken nach wie vor in diese Richtung. Aber wir müssen versuchen, solche Spieler zu verpflichten, bevor sie größere Aufmerksamkeit auf sich lenken.

ran.de: Was bedeuten würde, dass man einen Reus gar nicht erst nach Mönchengladbach hätte gehen lassen dürfen, sondern bereits von Ahlen hätte verpflichten müssen?

Allofs: Das wäre mir allerdings lieber gewesen (lacht).

ran.de: Dass Gladbach gegen Bremen in dieser Saison ein Spitzenspiel sein würde, das hätten vor wenigen Monaten wohl selbst die größten Experten nicht prognostizieren können...

Allofs: Es ist in der Tat sehr eindrucksvoll, wie die Gladbacher heute ihr Spiel durchbringen - was natürlich auch mit an Marco Reus liegt, ähnlich wie das bei uns mit Claudio Pizarro der Fall ist. Und auch sonst hat diese Mannschaft ihre Qualitäten. Trotzdem bin ich sicher, dass man bei der Borussia die Situation gut einzuschätzen weiß. Lucien Favre wird wissen, dass der aktuelle Erfolg noch eine ähnlich wackelige Geschichte darstellt, so wie das bei Werder auch der Fall ist. Schon deshalb bin ich sicher, dass am Samstag zwei Teams gegen einander antreten werden, die sich absolut auf Augenhöhe befinden.

Borussia Mönchengladbach vs. Werder Bremen: Sa., 15:30 Uhr im Live-Ticker

© ran.de / Andreas Kötter
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