ran.de: Herr Eberl, wenn man "Bild" und einigen anderen Quellen glauben schenken würde, dann steht es um Borussia Mönchengladbach aktuell mindestens ähnlich schlimm wie vor einem Jahr, als man mit anderthalb Beinen schon in der zweiten Liga war...
Max Eberl: Wir haben zur Halbzeit 33 Punkte, wir stehen im Pokal-Viertelfinale, und die identische Mannschaft, die im Kalenderjahr 2011 59 Punkte geholt hat, steht uns nun auch für die kommende Rückrunde zur Verfügung. Jetzt irgendeine Totengräberstimmung herauf zu beschwören, weil vielleicht irgendwann irgendwelche negativen Szenarien entstehen könnten, halte ich für völlig absurd. Ich möchte gerne auch an den Sommer 2009 erinnern: als damals der Wechsel von Marko Marin und Alexander Baumjohann bekannt wurde, gab es einen Aufschrei, wie man das nur kompensieren solle. Dann sind Arango, Marx, Neustädter, Reus und Bobadilla gekommen, und wir haben als Verein einen weiteren Schritt getan. Und so wird es auch nächsten Sommer sein: wir verlieren zwar zwei Spieler, aber wir haben dadurch auch die Mittel zur Verfügung, um Borussia weiter zu stabilisieren.
ran.de: Belastet aber solche Berichterstattung nicht den Betriebsfrieden?
Eberl: Nein. Man muss sich solchen Situationen stellen. Das haben wir schon im letzten Winter getan, als die sportliche Ausgangslage sehr viel problematischer war. Jetzt ist die sportliche Ausgangslage fantastisch, und wir stellen uns auch den Fragen, auch wenn diese nur in eine Richtung zielen. Wir werden uns das Erreichte durch dieses Gerede ganz sicher nicht kaputt machen lassen.
ran.de: Nur einen oder zwei Tage vor der Nachricht über Reus’ Wechsel berichteten einige Quellen, dass man sich in Gladbach sicher sei, dass Reus bis 2013 bleibt; wie kalt hat Sie der Wechsel tatsächlich erwischt?
Eberl: Ich zumindest habe nie eine Aussage getätigt, wie lange Marco Reus bei Borussia bleiben würde. Ich wusste zwar, dass wir eine reelle Chance haben, ihn noch länger zu halten, aber mir war auch klar, dass Marco sich damit beschäftigt, den nächsten Schritt machen zu wollen. Nun ist die Entscheidung gegen uns gefallen. Und mit dieser Entscheidung müssen und können wir auch leben. Ich weiß, dass Marco, aber auch Roman in der Rückrunde noch einmal alles geben werden. Sie können sich im Sommer möglicherweise mit Borussias bester Saison der letzten zwanzig Jahre verabschieden.
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Reus wechselt im Sommer zum BVB - die richtige Entscheidung?
ran.de: Verschwenden sie schon mal Gedanken an eine Kettenreaktion, bei der z.B. mit Dante tatsächlich der nächste Verlust drohen könnte, wie "Bild" glaubt?
Eberl: Ich halte diese Spekulationen für sehr populistisch. Ich kann mich nur wiederholen: Für die kommende Rückrunde können wir auf eine sehr, sehr gute Mannschaft bauen. Dass Top-Spieler von Top-Vereinen weggekauft werden, das gehört zum Fußball dazu. Das war so, das ist so und das wird in Zukunft so sein. Und das wird auch Borussia Mönchengladbach nicht ändern können. Aber wir haben auch in der Vergangenheit bewiesen, dass wir auf den Verlust von Top-Spielern immer die richtige Antwort finden können.
ran.de: Dank des Reus’ Transfers kommen 17,5 Millionen Euro aufs Konto. Wird diese Summe komplett in den Kader reinvestiert?
Eberl: Das, was sich der Verein durch Transfererlöse und durch sportliche Erfolge erarbeitet, das wird auch in die Mannschaft fließen.
ran.de: Auch bezüglich dieser Summe wird bereits viel spekuliert, es kursieren Namen wie der des Stuttgarters Cacau, des Wolfsburgers Helmes oder des Hannoveraner Ya Konan; was ist dran an diesen Namen?
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Wer wird in der Saison 2011/2012 Meister?
Eberl: Es ist viel zu früh, um über Namen zu reden. Fakt ist, dass wir Planungssicherheit haben, und wir werden uns nun in aller Ruhe damit beschäftigen, was im Sommer passiert.
ran.de: Befürchten Sie, dass 17,5 Millionen auf der Haben-Seite Ihnen auch viele unseriöse oder doch durchschnittliche Angebote bescheren könnten?
Max Eberl: Ein Transfer bedeutet immer das Abwägen zwischen Chance und Risiko. Als wir vor drei Jahren mit Marco Reus für 800.000 Euro einen Zweitligaspieler geholt haben, der damals mit Ahlen gegen den Abstieg gespielt hat, haben einige heftig mit dem Kopf geschüttelt. Bei anderen Transfers, bei denen man vielleicht sehr viel mehr investiert hat, war der Ertrag vielleicht nicht so gut. Transfers im Fußball funktionieren aber nun mal nicht wie beim "FIFA 12" am Computer. Es handelt sich um Menschen mit Psyche und Gefühlen, die sich in einer neuen Umgebung erst einmal zurechtfinden müssen. Unsere Aufgabe ist es nun ein, zwei, Spieler zu finden, die der Mannschaft noch mehr Stabilität geben können.
Lucien Favre über Reus und Neustädter: "Sie sind weg. Punkt!"
















