19.01.12Bundesliga

Gladbachs Marco Reus im Interview: Keine Lust auf Mittelmaß

Die Bekanntgabe des Transfers von Marco Reus zu Borussia Dortmund im kommenden Sommer war der Aufreger der Winterpause. Vor dem Rückrundenstart gegen den FC Bayern München (Fr., 20:30 Uhr im Live-Ticker) spricht Borussia Mönchengladbachs Topstar im Exklusiv-Interview mit ran.de über seine verbleibenden Ziele mit Gladbach, seinen Trainer Lucien Favre und über seine Frisur.

Marco Reus wechselt im Sommer 2012 für über 17 Millionen Euro zu Borussia Dortmund
Marco Reus wechselt im Sommer 2012 für über 17 Millionen Euro zu Borussia Dortmund © getty

ran.de: Herr Reus, Mario Basler hat in "Bild" gerade über Sie gesagt: "Falsche Frisur, richtiger Wechsel"...

Marco Reus: Die Geschmäcker sind eben verschieden, und jeder sollte selbst entscheiden dürfen, welche Frisur er trägt. Aber Basler hat das wohl auch gesagt, weil es sich dann in "Bild" ganz gut liest. Meine Frisur behalte ich aber trotzdem (lacht).

ran.de: Interessanter als Ihre Frisur ist ohnehin Ihr Wechsel, der das prestigeträchtige Auftaktspiel gegen die Bayern zusätzlich anheizt, weil Sie es "gewagt" haben, den Münchnern einen Korb zu geben - oder ist auch das eher Medientheater denn Realität?

Reus: Ich denke, dieses Thema ist vor allem für die Medien interessant. Ich selbst jedenfalls beschäftige mich damit überhaupt nicht mehr. Seit dem Tag, an dem ich meine Entscheidung für den BVB bekanntgegeben habe, zählt für mich wieder nur noch Mönchengladbach. Ich freue mich riesig, mit dieser Truppe nun die Rückrunde spielen zu können, und wünsche mir, dass wir so gut wie möglich abschneiden.

ran.de: Haben Sie die Repliken aus München, etwa Sie hätten eine Stammplatzgarantie gefordert oder Angst, sich dort nicht durchsetzen zu können, nicht doch geärgert?

Reus: Ich möchte dazu eigentlich nichts mehr sagen. So ist nun mal das Profigeschäft, der Spieler sucht sich aus, wohin er gehen möchte, nicht der Verein.

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ran.de: Zumindest bisher scheinen Sie vom Wirbel um Ihre Person völlig unbelastet und demonstrieren auf dem Platz buchstäblich die Leichtigkeit des Seins. Wie gelingt Ihnen das?

Reus: Ich möchte gar nicht von "gelingen" sprechen, denn das klingt so, als würde ich mich darum aktiv sehr bemühen. Das ist aber nicht der Fall. Ich beschäftige mich einfach nicht damit, was in den Zeitungen geschrieben wird, sondern bin ganz fokussiert auf die Arbeit mit der Mannschaft.

ran.de: Sie haben Ihre Entscheidung im Winterurlaub gefällt. Wie muss man sich das vorstellen, haben Sie eine Plus/Minus- beziehungsweise Dafür/Dagegen-Liste in Sachen "Gladbach oder Wechsel" bzw. "Dortmund oder Bayern" aufgestellt, oder sind Sie eines Morgens aufgewacht und wussten: "Ich gehe zum BVB"?

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Reus: Nein. Man entwickelt vielmehr allmählich ein Gefühl dafür, ob der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den nächsten Schritt zu machen, oder eben noch nicht. Dieses Gefühl, dass es jetzt soweit ist, das habe ich nun nach zweieinhalb sehr schönen Jahren in Mönchengladbach. In Dortmund sehe ich für mich die bessere Perspektive, in den nächsten Jahren international spielen zu können....

ran.de: Das hätte aber auch für den FC Bayern gesprochen...

Reus: ...aber es gab auch noch weitere Faktoren, über die ich hier nicht im Detail sprechen möchte.

ran.de: Welche Rolle spielt bei einer solchen Entscheidung im Profigeschäft ein Wert wie Freundschaft oder so etwas wie Nestwärme, was Sie beides in Gladbach gefunden hatten?

Reus: Für mich spielt das nach wie vor eine sehr große Rolle. Ich habe mich in Gladbach vom ersten Tag an wahnsinnig wohl gefühlt, jeder Spieler und jeder Mitarbeiter hat mich vom ersten Augenblick an herzlich aufgenommen. Und diese Herzlichkeit hat sich bis heute nicht geändert. Auch deshalb konnte ich in Gladbach vom ersten Tag an meine Leistung abrufen.

ran.de: Im Trainingslager im türkischen Belek sollen abends oft bis zu zehn Spieler bei Ihnen auf dem Zimmer gewesen sein, und man hat dann miteinander Playstation gespielt oder einfach nur gequatscht...

Reus: Das stimmt. Wir haben einfach tolle Charaktere in der Truppe, und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob einer erst 21 ist oder vielleicht auch schon 31. Bei uns passt es einfach.

ran.de: Da müsste Ihr Herz doch eigentlich bluten, trotzdem gehen Sie...

Reus: ...und ich weiß auch, dass ich mir all das in Dortmund erst erarbeiten muss. Aber ich bin überzeugt, dass mir das auch dort sehr schnell gelingen wird, wenn ich so bleibe wie ich bin.

ran.de: Auch Ihr bester Freund bei Borussia Roman Neustädter wechselt, allerdings nicht zum BVB, sondern ausgerechnet zu Schalke. Konnten Sie das nicht verhindern?

Reus: Der Kerl hat mich erst informiert, als es schon zu spät war. Aber glauben Sie mir, den notwendigen Rüffel hat er längst bekommen (lacht).

ran.de: Machen Sie sich jetzt auch Gedanken, ob der eigene Wechsel ein Signal für andere sein könnte?

Reus: Nein. Wenn Du Profi-Fußballer bist und erfolgreich sein willst, dann darfst du in einer solchen Situation nur auf dich selbst schauen. Du hast nur die eine Karriere, es bleiben Dir nur 15 Jahre, um alles aus dir rauszuholen. Und nur du allein entscheidest, ob du ganz groß raus kommst oder ob du am Ende doch nur Mittelmaß bleibst.

ran.de: Mittelmaß, das ist auch etwas, das auf Dauer nicht zu Ihrem Trainer Lucien Favre zu passen scheint. Glauben Sie, dass er die Borussia auch längerfristig in die erweiterte Spitze führen kann, beziehungswewise dass es den Verantwortlichen gelingt, Favres Vertrag vorzeitig zu verlängern?

Reus: Ich hoffe das sehr, denn Lucien Favre ist ein sensationeller Trainer. Ich verstehe zwar auch, dass die Nachricht von Romans und meinem Wechsel im Sommer den Trainer zunächst geschockt hat. Es ist nie schön für einen Trainer, wenn er zwei feste Bausteine seiner Mannschaft verliert. Mir war aber auch wichtig, dass er und der Verein nun sechs Monate Zeit haben, um sich nach Ersatz umzusehen. Im Grunde will aber noch gar nicht so viel über die nächste Saison reden. Denn wir alle gemeinsam haben in dieser Rückrunde noch sehr viel vor!

ran.de: Wenn nun die Rückrunde startet, dann bedeutet das auch, dass der Countdown für Ihre Zeit bei Borussia läuft. Kommt schon jetzt bisweilen mal ein bisschen Wehmut auf?

Reus: Nein. Wir sind in der Vorrunde sehr gut damit gefahren, nur von Spiel zu Spiel zu denken. Und so sollten wir alle das auch weiterhin halten. Es bringt nichts, drei, vier Monate in die Zukunft zu schauen, denn dafür ist der Fußball viel zu schnelllebig. Dass unser letztes Heimspiel gegen Augsburg beziehungsweise das letzte Saisonspiel in Mainz sehr emotional werden wird, das steht aber schon jetzt außer Frage. Es wird mir schwer fallen, Abschied zu nehmen. Aber ich musste eine Entscheidung für mich treffen, und zu dieser Entscheidung stehe ich auch.

ran.de: Wechseln Sie im Sommer zum Deutschen Meister oder "nur" zu einem Champions-League-Teilnehmer?

Reus: Das weiß ich nicht. Ich wünsche Borussia Dortmund auf jeden Fall alles Gute. Ansonsten kann ich mich aber nur wiederholen. Für die nächsten fünf Monate zählt nur Gladbach.

ran.de: Wird Dortmund gegen Gladbach auch in der nächsten Saison noch ein Spitzenspiel sein, so wie das in der Hinrunde der Fall war?

Reus: Das hoffe ich doch sehr. Und dafür, dass die Voraussetzungen stimmen, werde ich in jedem Spiel alles geben.

Borussia Mönchengladbach vs. FC Bayern: Fr., 20:30 Uhr im Live-Ticker

© ran.de / Andreas Kötter
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