ran.de: Herr ter Stegen, in zehn Tagen startet Gladbach mit einem Heimspiel gegen den FC Bayern in die Rückrunde; denkt man jetzt, während man in Belek wechselweise schwitzt oder im sintflutartigen Regen buchstäblich zu ersaufen droht, schon an dieses Spiel?
Marc-Andre ter Stegen: Wir bereiten uns in Belek sehr ernsthaft auf die Rückrunde vor, die für uns sicherlich schwer wird, weil die Erwartungen nach unserer guten Hinrunde groß sind. Ernsthaft an Bayern denken wir aber erst ab Anfang der nächsten Woche.
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Wer wird in der Saison 2011/2012 Meister?
ran.de: Gladbach gegen Bayern ist immer ein besonderes Spiel. Diesmal aber kommt hinzu, dass Marco Reus es "gewagt" hat, den mächtigen Bayern die kalte Schulter zu zeigen und sich für Dortmund zu entscheiden; glauben Sie, dass er mit besonders vielen blauen Flecken rechnen muss?
ter Stegen: Das weiß ich nicht. Letztlich ist das für uns aber auch relativ uninteressant. Für uns ist wichtig, dass wir, aber auch Marco selbst all diesen Wirbel um seine Person völlig ausblenden. Marco wird noch ein halbes Jahr fester Bestandteil dieser Mannschaft sein, und wir alle dürfen uns nur auf den Fußball konzentrieren. Wenn wir das hinbekommen, dann haben wir auch gegen Bayern erneut eine gute Chance.
ran.de: Klingt simpel, aber gut. Bloß hat die Bekanntgabe der Wechsel von Reus und Neustädter einige Medien dazu verführt, den Teufel an die Wand und die Zukunft der Borussia in den dunkelsten Tönen zu malen; wie haben Sie das aufgenommen?
ter Stegen: Natürlich bekommt man das mit. Aber gerade als Profi-Fußballer sollte man nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Wir haben im Verein und in der Mannschaft nach wie vor ein sehr, sehr gutes Klima, egal was bisher passiert ist und egal, was in den nächsten Monaten noch geschrieben werden wird.
ran.de: Mike Hanke hat auf die Berichterstattung mit Humor reagiert und im Spaß auch seinen Wechsel angekündigt, sich dann aber eindeutig zur Borussia bekannt; hätten Sie sich diese Klarheit auch bei einigen anderen Ihrer Teamkollegen, etwa bei Dante gewünscht?
ter Stegen: Jeder muss selbst wissen, wie er sich der Presse gegenüber äußert oder eben nicht. Für mich persönlich zählt nur, was die Jungs auf dem Platz zeigen. Wenn da die Leistung stimmt, ist es mir ziemlich egal, was über sie oder von ihnen in irgendwelchen Zeitungen steht.
ran.de: Wie hat die Mannschaft selbst eigentlich auf die Ursache des ganzen Theaters, auf die Nachricht von Reus’ Weggang reagiert?
ter Stegen: Keine Frage, das war ein Schlag für uns. Für die Mannschaft ist es einfach sehr schade, dass Marco, aber auch Roman wechseln werden. Allerdings haben wir alle uns geschworen, dass wir die Zeit, die uns gemeinsam bleibt, genießen und auskosten wollen.
ran.de: Haben Sie persönlich im ersten Augenblick gedacht "Toll, diese Chance hat Marco sich verdient" oder doch eher "Verdammt, warum ausgerechnet jetzt, wo es für uns so gut läuft"?
ter Stegen: Was ich im ersten Moment gedacht habe, tut nichts zur Sache und ändert vor allem nichts daran, dass wir alle nach wie vor fest zusammen stehen.
ran.de: Sie sind trotz Ihrer gerade einmal neunzehn Jahre und etwa 25 Bundesligaspiele einer der Köpfe dieser Mannschaft; woher kommt dieses enorme Selbstvertrauen, z.B. erfahrene Profis wie Dante oder Stranzl zu dirigieren?
ter Stegen: Ich möchte meiner Mannschaft ein echter Rückhalt sein, da spielt es keine Rolle, ob ich 19 oder 29 bin. Es gibt nun mal unterschiedliche Charaktere. Manche sind eher etwas ruhiger, andere nehmen das Heft eher in die Hand und sagen auch schon mal etwas, wenn es darauf ankommt. Bis jetzt gelingt mir das sehr ordentlich. Die Mannschaft nimmt die Dinge an, die ich im Spiel sage, weil jeder weiß, dass weder ich noch einer anderer bei uns irgendetwas rumschreit, nur um auch mal etwas zu sagen zu haben, sondern weil diese Einschätzungen und Hilfestellungen für das Team wichtig und richtig sind.
ran.de: Kennen Sie auch Selbstzweifel, bzw. kann man sich die gerade als Torhüter überhaupt leisten?
ter Stegen: Warum sollte man an sich zweifeln?! Man weiß ja, was man kann. Jeder bei uns in der Mannschaft weiß, was er leistet, und setzt diese Stärken für das Team ein.
ran.de: Na ja, Selbstzweifel sind nichts, was man an- oder ausschalten könnte...
ter Stegen: Ganz ehrlich, mit solchen Themen beschäftige ich mich erst gar nicht.
ran.de: Suchen Sie auch schon mal Rat bei einem Mentaltrainer?
ter Stegen: Nein, überhaupt nicht. Wir hatten in der vergangenen Saison eine so schwere Zeit zu überstehen, dass das an Mentaltraining bis in alle Ewigkeit reicht. Jeder konnte damals sehen, wie nervenstark wir alle sind. Alle hatten uns abgeschrieben, aber wir haben es den Zweiflern gezeigt. Das zählt.
ran.de: In jeder anderen Nation würden Sie wohl längst zum Nationalkader zählen; hier scheint es angesichts einer Reihe ähnlich talentierter, junger Torhüter schwieriger; hätte der Bundestrainer nicht dennoch statt des Hannoveraners Ron-Robert Zieler zuletzt auch Sie in den Kader berufen können?
ter Stegen: Das ist Ihre Einschätzung. Diese Dinge kann ich nicht beeinflussen. Oder besser: ich kann das nur mit meiner Leistung beeinflussen, indem ich versuche mein Potenzial jederzeit voll auszuschöpfen.
ran.de: Hat die Borussia Ihr Potenzial in der Vorrunde schon ausgeschöpft?
ter Stegen: Für uns ist es sehr gut, dass wir schon 33 Punkte gesammelt haben. Wir sind jedes einzelne Spiel mit dem Gefühl angegangen "Da geht heute was!". Das ist ein sehr schönes Gefühl. Wir schauen jetzt auch gar nicht darauf, was vielleicht in fünf, sechs Monaten sein könnte. Jetzt ist noch Vorbereitung, und die sollten wir sehr konzentriert zu Ende bringen, um dann gegen die Bayern hoffentlich erfolgreich zu starten.
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