ran.de: Herr Bender, mit Mario Götze hat Borussia Dortmund nach Neven Subotic, Sebastian Kehl und Ihnen schon wieder einen längeren Ausfall zu beklagen. Ist die Bundesliga härter geworden, oder geht man vor allem auch mit dem Meister härter ins Gericht?
Sven Bender: Speziell bei meiner Verletzung war auch großes Pech dabei. Verletzungen im Gesicht durch Ellenbogenschläge haben aber zweifelsohne zugenommen, auch wenn ich niemandem Absicht unterstellen möchte. Es liegt wohl eher daran, dass die Intensität noch einmal zugenommen hat und die Zweikämpfe noch intensiver und härter geführt werden. Dass es dann auch zu Verletzungen kommen kann, muss man in Kauf nehmen.
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Verteidigt der BVB seinen Meistertitel?
ran.de: Mit dem Kieferbruch war Ihre Verletzung eine der schwersten der letzten Zeit. Wie groß ist die Angst, wenn man das erste Mal wieder auf dem Platz steht?
Bender: Angst ist das falsche Wort. Eine gewisse Unsicherheit lässt sich am Anfang aber nicht leugnen, wenn man im Training wieder in die ersten Zweikämpfe geht. Das legt sich dann aber doch recht schnell, und die Sicherheit kommt zurück. Man ist wieder bereit, sich in harte Zweikämpfe zu stürzen und höheres Risiko zu gehen.
ran.de: Glauben Sie, dass es Gegner gibt, die eine solche "Schwachstelle" bewusst suchen?
Bender: Ich glaube nicht, dass es viele gibt, die bewusst im Zweikampf genau die Stelle angehen, an der sich der Gegner zuvor verletzt hatte...
ran.de: Schalkes Jermaine Jones hat bei Marco Reus aber genau das getan, noch dazu, als das Spiel unterbrochen war...
Bender: Das war aber doch ein Ausnahmefall. Und wenn so etwas aus der Emotion heraus passiert, dann tut es demjenigen wahrscheinlich im selben Augenblick schon wieder Leid. Ich möchte jedenfalls weiterhin daran glauben können, dass keiner meiner Kollegen einen anderen bewusst verletzt.
ran.de: Bei Mario Götze liegt der Fall anders, Götze fällt wegen einer Überbelastung wohl bis zu acht Wochen aus. Auch wenn der BVB in Hamburg eindrucksvoll gezeigt hat, dass es auch ohne ihn geht, wie schwer wiegt dieser Ausfall?
Bender: Ohne Frage haben wir eine sehr hohe Qualität in unserem Kader. Trotzdem tut uns jeder Spieler, der ausfällt, zunächst einmal sehr weh. Aber wir haben in der letzten Zeit immer wieder bewiesen, dass wir auch solche Ausfälle kompensieren können. Wir sind eine verschworene Gemeinschaft. Und auch diejenigen, die mal eine Zeit lang nicht zur ersten Elf gehören, sind ganz nah dran. Diese Qualität zeichnet unsere Mannschaft aus.
ran.de: "Nach oben zu kommen ist schwer, oben zu bleiben noch viel schwerer" heißt es. Tatsächlich aber scheint die Mannschaft vielleicht sogar noch stärker als in der letzten Saison...
Bender: Ich denke, dass wir auf jeden Fall einen Schritt weiter sind als in der letzten Saison. Auch wenn es auf internationaler Ebene sicherlich nicht optimal für uns gelaufen ist, sind die Erfahrungswerte, die wir sammeln konnten, enorm. Das hat uns ein ganzes Stück weiter gebracht.
ran.de: Wenn man mit einem 5:1 in Hamburg in die Rückrunde startet und punktgleich mit dem FC Bayern an der Tabellenspitze steht, muss die Zielsetzung dann nicht Titelverteidigung heißen?
Bender: Es ist zu früh, darüber zu spekulieren. Immerhin stehen noch 16 Spiele an, und jeder weiß, wie eng die Spiele in der Bundesliga sein können. Da entscheidet nicht immer die Qualität, sondern ab und zu auch schon mal das Glück. Trotzdem wollen wir uns auf jeden Fall oben in der Tabelle festsetzen und den Münchnern solange wie eben möglich auch Paroli bieten.
ran.de: Haben Sie auch Schalke und Gladbach auf Ihrer Rechnung?
Bender: Schalke hat genau wie wir und der FC Bayern 37 Punkte, die Gladbacher haben nur einen weniger. Wenn man dann diese beiden Klubs nicht auf der Rechnung hätte und nicht ernst nehmen würde, dann würde man etwas grundlegend falsch machen. Vor allem Gladbach zeigt immer wieder, dass diese Mannschaft einen Plan verfolgt und einen sehr guten Fußball spielt, der es jedem Gegner schwer macht.
ran.de: Stichwort "einen Plan haben": Ist Gladbach aktuell, bzw. der BVB seit drei Jahren ein Beweis dafür, dass man zunächst noch fehlende individuelle Qualität durch eine gezielte Strategie auffangen kann?
Bender: Ich bin der festen Überzeugung, dass immer das Team den Ausschlag gibt und nicht, wie gut vielleicht der eine oder andere Einzelspieler ist. Wenn sich nicht jeder einzelne hundertprozentig in die Gemeinschaft einbringt, dann nutzt unter Umständen auch individuelle Klasse wenig.
ran.de: Die Bayern versuchen immer wieder mit spitzen Bemerkungen oder Gerüchten, etwa dass man an Lewandowski interessiert sei, zu provozieren. Ist das vor allem etwas, was die Medien freut, oder ärgert man sich als Spieler doch sehr?
Bender: Ich glaube, dass wir diesbezüglich schon in der letzten Saison eine ganze Menge gelernt haben. Auch damals war immer wieder mal zu lesen, dass dieser oder jener Spieler für die Münchner interessant sei. Mit solchen Gerüchten sollte man sich am besten gar nicht auseinander setzen, sonst macht man sich nur unnötig verrückt. Letztlich sind das alles nur ganz normale Nebengeräusche in diesem Geschäft, von denen wir uns nicht beeindrucken lassen.
ran.de: Beim FC Bayern spielt wohl auch die Enttäuschung eine Rolle, dass sich Marco Reus für den BVB entschieden hat. Als ehemaliger 1860er muss Sie das doch doppelt freuen?
Bender: Hier und jetzt bin ich Dortmunder! Und es freut mich einfach nur, dass wir in der nächsten Saison einen so guten Spieler mit einer so hohen Qualität begrüßen können. Meine fußballerische Vorgeschichte spielt dabei überhaupt keine Rolle.
ran.de: Noch einmal zurück zu Robert Lewandowski: der galt für viele Medien schon als Versager, wird nun aber gefeiert, während mit Lucas Barrios einer der Helden der letzten Saison plötzlich etwas im Abseits steht. Denkt man angesichts dieser Schnelllebigkeit auch schon mal über den Wert der eigenen Karriere nach?
Bender: Man weiß schon, dass sich die Dinge im Fußball sehr, sehr schnell ändern können. Robert hatte sicher in seiner ersten Saison einige Anpassungsschwierigkeiten, trotzdem hat aber jeder im Verein gewusst, welches Potenzial er hat. Bei Lucas muss man einfach berücksichtigen, dass er zu Saisonbeginn verletzt ausgefallen ist und einige Zeit brauchte, um wieder fit zu werden. Zeit, in der Robbie überragend gespielt hat. Trotzdem ist wohl jede Mannschaft froh, wenn sie auch einen Stürmer wie Lucas Barrios in ihren Reihen hat. Wir aber haben mit Robbie und Lucas sogar gleich zwei so exzellente Angreifer.
ran.de: Während Sie nach Ihrer Verletzung schon wieder auf einer Erfolgswelle schwimmen, hat Ihr Bruder Lars in Leverkusen aktuell weniger Freude...
Bender: Das kann ich so nicht bestätigen. In der letzten Saison ist der eine Bruder Meister geworden, der andere Vize-Meister. Besser geht es nicht, wenn man nicht im selben Verein spielt. In dieser Saison war die Vorrunde bei Bayer sicher nicht optimal, aber mit dem Dreier am letzten Wochenende gegen Mainz hat man sich nun wieder an die Spitzengruppe heran gearbeitet. Zudem ist man in der Champions League weiter gekommen und steht mit dem Spiel gegen den FC Barcelona vor einer tollen Aufgabe. Ich bin sicher, dass diese Mannschaft die Qualität hat, in der Rückrunde noch gefährlich zu werden für die Teams, die jetzt noch vor Bayer stehen.
ran.de: Wie schätzen Sie Ihre EM-Chancen bzw. die Ihres Bruders ein?
Bender: Was mich betrifft, bin ich diesbezüglich sehr entspannt. Im Augenblick zählt nur der Verein, und man macht sich über die EM wirklich noch keine großen Gedanken. Letztlich ist es ja auch so, dass man sich über gute Leistungen im Verein überhaupt erst eine Chance auf die EM erarbeiten kann. Wir wissen beide, dass wir auf unserer Position große Konkurrenz haben. Aber es ist auch klar, dass wir uns über eine Einladung riesig freuen würden.




















