Borussia Mönchengladbach scheint sich allmählich zu stabilisieren, zwei Auswärtssiege in der Liga in Folge nach zwischenzeitlichen Rückständen sprechen eine deutliche Sprache. Großen Anteil am Aufschwung hat auch Mike Hanke, einer der besten in der vergangenen Saison, der in dieser Spielzeit bisher aber einen schweren Stand hatte. Im Exklusiv-Interview mit ran.de spricht der Stürmer über die harte Zeit auf Ersatzbank und Tribüne, über sein Selbstverständnis und auch über seine Team-Kollegen Thorben Marx und Marc-André ter Stegen.
Frage: Herr Hanke, 4:2 in Fürth gewonnen, der zweite Auswärtssieg in Folge und in der Liga seit drei Spielen ungeschlagen; hat sich die Mannschaft nach den Startschwierigkeiten gefunden?
Mike Hanke: Wir haben von vornherein gesagt, dass wir als Mannschaft Zeit brauchen. Wir mussten uns erst finden. Jetzt sieht man, dass wir uns spielerisch von Aufgabe zu Aufgabe weiter-entwickeln und dass jeder weiß, was der andere vorhat. Wir agieren vorausschauender, antizipieren besser und sind deshalb oft einen Gedankenschritt schneller als der Gegner. Das hat man gegen Fürth gesehen. Trotzdem machen wir noch zu viele Fehler und bekommen zu leichte Gegentore.
Frage: Ärgerlich sind vor allem die leichten Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, wie diesmal vor dem Fürther 2:1, als Arango den Ball vertändelt hat...
Hanke: Ja, daran müssen wir arbeiten. Es gibt fraglos noch viel zu tun. Aber ich glaube auch, dass man gegen Fürth gesehen hat, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Frage: Sie sagen "wir mussten uns erst finden". Genau genommen aber war die Mannschaft von Fürth der aus der vergangenen Saison sehr ähnlich, die Neuen wie Xhaka und de Jong etwa fehlten aus unterschiedlichen Gründen; hätte man das nicht schon eher versuchen sollen?
Hanke: Na ja, Lukas Rupp war in der vergangen Rückrunde ausgeliehen, auch Thorben Marx hat nicht regelmäßig gespielt. Beide sind jetzt aber für uns sehr wichtig und zeigen, dass sie uns weiterhelfen.
Frage: Vor allem Marx scheint der defensiven Grundordnung gut zu tun...
Hanke: Thorben ist ein sehr erfahrener Mann, der viel mit Auge macht und genau weiß, wann er mit nach vorne stoßen kann bzw. wann er sich besser zurückhält. Er hält das Mittelfeld zusammen, und das ist für unser Spiel enorm wichtig.
Frage: Fürth hat aber auch gezeigt, wie wichtig Sie für das Kombinationsspiel sind; hätte sich Lucien Favre viel Ärger ersparen können, wenn er Sie zwischenzeitlich nicht sogar auf die Tribüne gesetzt hätte?
Hanke: Was soll ich darauf antworten? Es ist doch nicht so ungewöhnlich, dass der Trainer am Anfang einer neuen Saison auch neue Dinge ausprobiert. Ich freue mich jedenfalls, dass ich jetzt wieder gespielt habe.
Frage: Das Spiel gegen Fürth könnte für Sie ein kleiner Neustart sein...
Hanke: Fakt ist, dass ich persönlich in den beiden vergangenen Spielen viel Selbstvertrauen getankt habe, gerade auch durch meine Ballsicherheit, die uns schon vergangene Saison oft geholfen hat. Gegen Fürth war ich an drei Treffern beteiligt, grundsätzlich ist das auch mein Spiel. Und es wäre schön, wenn ich das in den kommenden Wochen fortführen könnte.
Frage: Zum Saisonauftakt haben Sie gegen Hoffenheim gleich getroffen, haben sich kurz darauf aber schon auf der Tribüne wieder gefunden, was ist damals vorgefallen?
Hanke: Gar nichts. Ich habe mit niemandem Stress gehabt und habe zum Trainer noch immer ein gutes Verhältnis. Er hat damals einfach so entschieden, und ich habe das respektiert. Letztendlich liegt es in seiner Hand und es ist seine Entscheidung. Jetzt aber hat er sich wieder anders entschieden, und aus meiner Sicht ist das auch der richtige Weg.
Frage: Fühlt man sich unverstanden, wenn man sich nach einer tollen Saison in der nächsten plötzlich auf der Tribüne wieder findet?
Hanke: Na ja, was heißt unverstanden....?! Ich glaube schon, dass man verständlicherweise sehr enttäuscht ist. Solche Phasen gab es in meiner Karriere aber bereits einige Male, trotzdem bin ich immer wieder aufgestanden. So wie jetzt auch. Ich schaue einfach weiter nach vorne und mache das Beste daraus. Im Fußball ist es nun mal so, dass du heute noch der beste Mann bist, aber morgen schon ein Blinder. Das ist nicht immer leicht zu akzeptieren. Aber man muss lernen, damit umzugehen. Für mich ist es auf jeden Fall sehr wichtig, dass ich Vertrauen spüre. Ist dieses Vertrauen nicht gegeben, wird es schwer Top-Leistungen abzurufen.
Frage: Thorben Marx gilt Ihr bester Freund im Team und scheint mit solchen Situationen sehr gelassen umzugehen; konnte er Ihnen helfen?
Hanke: Thorben steht auch nicht ganz so in der Öffentlichkeit wie ich. Bei mir als ehemaligem Nationalstürmer und WM-Teilnehmer wird einfach mehr Tam-Tam gemacht. Fakt ist aber auch, dass Thorben seine Situation in der vergangenen Saison, als er fast ein Jahr lang kein richtiges Spiel machen durfte, ohne Murren angenommen und im Training immer Vollgas gegeben hat. Das zeichnet ihn aus, er ist charakterstark und einer der wichtigsten Männer bei uns.
Frage: Marx hat klaglos akzeptiert, dass er ein Jahr lang nur zweite Geige gespielt hat; könnten Sie das auch akzeptieren?
Hanke: Ich weiß, dass ich wichtig bin für diese Mannschaft. Also zählt für mich persönlich auch nur die erste Elf. Aber ich respektiere es auch, wenn der Trainer das anders sieht.
Frage: Im Sommer läuft Ihr Vertrag aus...
Mike Hanke: Ja. Und wir haben vereinbart, dass wir im Winter gemeinsam entscheiden, wie es weitergeht.
rage: Der Verein möchte verlängern, was wird für Sie den Ausschlag geben?
Hanke: Dass ich auf jeden Fall zumindest im Kader bin und nicht nur auf der Tribüne sitze. Gerade ein Stürmer zieht daraus sein gesamtes Vertrauen, dass er immer ein Teil des Kaders ist und sich die Spiele nicht von der Tribüne oder bei einem Auswärtsspiel zu Hause vor dem Fernseher angucken muss. Seitdem ich bei der Borussia bin, habe ich viel für den Verein geleistet und bin für diese Mannschaft sehr wichtig geworden. Ich möchte einfach, dass das auch honoriert wird.
Frage: Möglicherweise soll in der Winterpause ein weiterer Stürmer verpflichtet werden, Marko Marin könnte von Chelsea ausgeliehen werden; dann würde es noch enger...
Hanke: Habe ich auch gelesen.
Frage: Benötigt dieser Kader tatsächlich einen weiteren Offensiven?
Hanke: Wie viele Leute haben wir denn, die vorne spielen können?! Das sind sechs oder sieben. Aber ich mache die Aufstellung nicht, und ich stelle auch den Kader nicht zusammen.
Frage: Keine ganz leichte Zeit hat momentan auch Marc-André ter Stegen, dem zum ersten Mal nach seinem kometenhaften Aufstieg der Wind ins Gesicht weht; wie können Sie ihm helfen?
Hanke: Ich glaube schon, dass es ihm ein bisschen nahe geht, dass er z.B. aktuell nicht zur Nationalmannschaft eingeladen worden ist. Aber die Mannschaft unterstützt ihn in jeder Hinsicht. Wir wissen, was Marc-André kann und wie oft er uns schon gerettet hat. Im Übrigen glaube ich, dass man einen fußballerisch so starken Keeper wie ihn in der Bundesliga kaum noch einmal findet.
Frage: Wie geht es jetzt mit der Borussia in den nächsten Wochen weiter?
Hanke: Nach den letzten Ergebnissen bin ich sehr positiv gestimmt. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir endlich mal wieder zu Null spielen und keine so dummen Gegentore bekommen. Dass bei uns aufgrund der individuellen Klasse nach vorne immer etwas geht, das haben die vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt.






















































