ran.de: Herr Zorc, Borussia Dortmund spielt in der dritten Saison in Folge auf höchstem Niveau, man ist Dritter in der Liga und in der Champions League als souveräner Tabellenerster in die nächste Runde eingezogen; trotzdem liest man Zeilen wie "Dortmund gelingt versöhnlicher Abschluss", so als wäre eine Versöhnung erforderlich gewesen...
Michael Zorc: Ich bin für die Schlagzeilen nicht zuständig. Wir selbst glauben, dass man ohne zu übertreiben von einem der erfolgreichsten Jahre der Vereinsgeschichte sprechen kann. Wir haben zwei Titel geholt, haben die sehr starke Champions League-Gruppe mit Bravour gemeistert und sind darüber hinaus auch wirtschaftlich erstklassig aufgestellt. Im Gesamtkontext war es also ein hervorragendes Jahr. Aber wir sind auch selbstkritisch genug einzuräumen, dass wir in der Bundesliga einige Punkte zu wenig geholt haben.
ran.de: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum diese Punkte vor allem zuhause liegen gelassen wurden?
Zorc: Zuletzt zu Hause, aber auch auswärts haben wir den einen oder anderen Punkt liegen lassen. In einigen Spielen haben wir es nicht geschafft, unsere Überlegenheit auch mit dem entsprechenden Ergebnis zu belohnen. Daher lautet der Auftrag für die Rückrunde, dass wir uns auch in Sachen Effektivität kontinuierlich verbessern. Denn unser Saisonziel bleibt die erneute Qualifikation für die Champions League.
ran.de: Muss man nicht Verständnis dafür haben, dass die Konzentration nach den hervorragenden Leistungen in der Champions League gegen vermeintlich schwächere Teams in der Liga schon mal abfällt?
Zorc: Wir sind weit davon entfernt, der Mannschaft große Vorwürfe zu machen. Vielmehr reden wir sachlich über Nuancen, die noch verbessert werden müssen. So haben wir z.B. in der Hinrunde das Gegenpressing, das uns sonst auszeichnet, nicht mehr so perfekt auf den Platz gebracht wie in den Jahren zuvor. Wir sind verpflichtet, das Maximale aus unseren Möglichkeiten herauszuholen. Und da besteht für die Rückrunde eben noch ein bisschen Spielraum.
ran.de: Kann das "Maximale" auch noch der Titel sein?
Zorc: Der Bundesligatitel?
ran.de: Ja.
Zorc: Nein. Den holen die Bayern. Ich war mir vom ersten Spieltag an darüber im Klaren, dass es sehr schwierig sein würde, die Bayern zum dritten Mal in Folge zu distanzieren, so wie uns das in den vergangenen beiden Jahren gelungen ist. Aber das ist auch nicht unser Thema. Unser Thema ist, wie gerade bereits erwähnt, die erneute Qualifikation für die Champions League. Was schwierig genug ist. Denn dass Bayern Meister werden dürfte, bedeutet ja nicht zwingend, dass wir auch Zweiter werden.
ran.de: Bei Borussia Dortmund scheint man mit sich im Reinen, lediglich die ständigen Gerüchte um einen Wechsel von Robert Lewandowski scheinen Ihren vorweihnachtlichen Frieden zu stören...
Zorc: Das ist nicht der Fall, weil das für uns nichts Neues ist. Im vergangenen Jahr war es Shinji Kagawa, davor Nuri Sahin...das bringt bei uns niemanden aus der Ruhe. Angesichts der Qualität dieser Mannschaft ist es normal, dass unsere Spieler im Fokus anderer Clubs stehen. Damit können und werden wir leben.
ran.de: Als Ersatz für Lewandowski wird von einigen Medien schon Edin Dzeko gehandelt...
Zorc: Wie gesagt, wir sind nicht für die Schlagzeilen oder Spekulationen verantwortlich. Im Internetzeitalter ist es leider so, dass gleich eine Meldung daraus entsteht, sobald irgendwo gehustet wird. Fakt ist, dass Robert bei uns einen Vertrag bis 2014 hat. Und nur das zählt.
ran.de: Werden Sie in der Winterpause nachbessern oder auch jemand abgeben, etwa Ivan Perisic?
Zorc: Aktuell liegt nichts auf dem Tisch. Die Transferperiode beginnt auch erst am 1. Januar. Grundsätzlich schließe ich aber nie etwas aus. Warum auch?! Damit würde ich unseren Handlungsspielraum doch limitieren.
ran.de: Mit Marco Reus und Mario Götze spielen zwei der aufregendsten jungen deutschen Spieler beim BVB; glauben Sie, dass die besten Zeiten dieser Elf noch kommen?
Zorc: Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass es schwierig wird, noch besser zu werden. Unser Auftrag ist, dass sich unser Niveau immer auch an unseren Rahmenbedingungen zu orientieren hat. Und das bedeutet, dass wir uns dauerhaft in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren und möglichst auch permanent in der Champions League vertreten sein wollen. Bereits das ist eine sehr große Herausforderung.
ran.de: Ist diese BVB-Elf vielleicht sogar talentierter als die, die 1997 die Champions League gewonnen hat?
Zorc: Ich halte es für schwierig, solche Epochen miteinander zu vergleichen. Es stimmt aber, dass wir über eine große Ansammlung von außergewöhnlichen Talenten und, das ist auch sehr wichtig, von echten Charakteren verfügen. Diesen Jungs macht es wirklich Spaß, miteinander zu arbeiten. Und das bedeutet auch eine gewisse Erfolgskomponente für uns.
ran.de: Kann man es so ausdrücken, dass Sie über Jahre wie bei einem Puzzle Teil für Teil dieser Mannschaft zusammen getragen haben?
Zorc: Das ist tatsächlich ein Puzzle, ein Mosaik, oder wie immer man das auch nennen mag. Aber dieser Erfolg ist ganz gewiss nicht mein Werk allein, sondern die Folge des Zusammenwirkens zahlreicher Kräfte und vieler richtiger Entscheidungen bei Borussia Dortmund.
ran.de: Zum Abschluss vielleicht noch ein paar Worte zur Personalie Roman Weidenfeller, der sich seit zehn Jahren unter den drei notenbesten Keepern der Liga hält, aber noch kein einziges Länderspiel bestritten hat...
Zorc: Rein sportlich betrachtet hat Roman schon lange die Qualität und das Zeug, das Nationaltrikot zu tragen. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass zu großen Turnieren stets drei Torhüter mitfahren. Warum er dennoch noch nie eingeladen wurde, kann ich mir inhaltlich nicht erklären und ich kann es auch nicht begründen. Umso weniger, als bei Klinsmann oder Löw der eine oder andere auch schon mal nach nur drei guten Monaten in der Liga Nationalspieler geworden ist. Da hätte es Roman längst einmal verdient gehabt, nominiert zu werden.












































