Gelsenkirchen - Huub Stevens steht bei Schalke 04 als Trainer vor dem Aus: Die Königsblauen schlitterten zum Hinrundenabschluss der Fußball-Bundesliga durch ein 1:3 (1:2) gegen den SC Freiburg noch weiter in die Krise und ließen die Zukunft des Niederländers beim Champions-League-Achtelfinalisten äußerst fraglich erscheinen.
Horst Heldt: "Ich muss meine Gedanken sammeln"
"Ich muss meine Gedanken sammeln. Dann müssen wir sehen, wie wir das Pokalspiel am Dienstag gewinnen", sagte Sportvorstand Horst Heldt nach dem sechsten Ligaspiel der Knappen in Folge ohne Sieg (zwei Punkte). Ob Stevens im Cup-Spiel gegen den FSV Mainz 05 noch auf der Bank sitzen wird, ließ Heldt am Samstagabend offen: "Wir müssen das in Ruhe analysieren." Stevens denkt allerdings nicht an einen freiwilligen Rückzug: "Ich habe einen Vertrag bis zum Ende der Saison und will diesen auch erfüllen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich bei den Spielern nicht mehr ankomme."
Sein Team rutschte durch die Pleite allerdings aus den Europapokalrängen. Freiburg hingegen, das auswärts seit fünf Spielen ungeschlagen ist, überholte die Gelsenkirchener und schob sich auf den fünften Platz.
"Es ist keine Frage der Qualität, sondern des Kopfes. Das alles geht nicht spurlos an der Mannschaft vorbei", kommentierte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes den neuerlichen Rückschlag und sagte weiter: "Es gibt viele Faktoren, die zusammenkommen und es derzeit nicht einfach machen, Fußball zu spielen." Der eingewechselte Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder ergänzte: "Man merkt, dass wir in einer Scheißphase sind. Wir müssen uns zusammenreißen, damit wir dieses Kalenderjahr vernünftig zu Ende bringen." Schalkes letzte Chance auf ein Erfolgserlebnis in diesem Jahr bietet sich am Dienstag im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Mainz.
Sorgenfreier SC Freiburg
Beinahe sorgenfrei ist Freiburg momentan. "Interessant ist die Art und Weise, wie die Mannschaft arbeitet und Fußball spielt und immer wieder Kreativität entwickelt. Da freuen wir uns schon ein bisschen. Die Frage nach der Europa League ist für mich ohne Belang", sagte Trainer Christian Streich.
Der Champions-League-Achtelfinalist ging durch ein Tor von Jefferson Farfan (20.) in Führung, lud dann allerdings die Gäste durch katastrophale Abwehrfehler zu Toren ein: Zunächst glich Jan Rosenthal völlig unbedrängt aus (26.). Dann nutzte Jonathan Schmid einen Aussetzer von Joel Matip, der über den Ball säbelte, zum Freiburger 2:1 (32.). Rosenthals zweiten Treffer leitete der eingewechselte Christoph Metzelder mit einem Fehlpass ein (61.). In der Schlussphase sah Rosenthal wegen wiederholten Foulspiels ebenso die Gelb-Rote Karte (81.) wie eine Minute später Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar.
Atsuto Uchida verletzt raus
Die Gelsenkirchener begannen nach den Enttäuschungen der letzten Wochen sehr engagiert und bemühten sich, schnell Druck aufzubauen. Zunächst scheiterte Julian Draxler noch mit zwei Weitschüssen (6. und 19.) an Freiburgs Torhüter Oliver Baumann. Dann wurden die Angriffsbemühungen belohnt: Nach einem Pass von Atsuto Uchida liefen plötzlich Lewis Holtby und Farfan allein auf das Gästetor zu. Holtby legte quer, Farfan traf zur verdienten Führung.
Erst danach suchten die Gäste den Weg nach vorne. Zunächst verfehlte Rosenthal mit einem Kopfball noch das Schalker Gehäuse (25.). Dann traf der 26-Jährige nach einer Flanke von Max Kruse per Direktabnahme zum etwas überraschenden Ausgleich. Danach war bei den Schalkern plötzlich der Faden gerissen, Uchida musste verletzt raus, die Abwehr produzierte Fehler im Minutentakt. Schmid nutzte Matips zum Freiburger 2:1. Sekunden vor der Halbzeit musste schließlich Holtby auf der Linie klären.
"Wir haben gut angefangen und sind verdient in Führung gegangen. Danach haben wir aufgehört, nach vorne zu spielen. Das ist uns schon häufiger in dieser Saison passiert. Wir müssen jetzt sehen, dass wir den Bock umgestoßen bekommen", sagte Sportvorstand Horst Heldt in der Pause.
Verbale Auseinandersetzungen zwischen Schalker Fans
Doch Schalke geriet in der zweiten Hälfte völlig aus der Bahn. Nach vorne gelang nur noch sehr wenig, bei den Freiburger Kontern liefen die Gelsenkirchener hinterher. Einzig der engagierte Draxler verdiente sich bei den Gastgebern eine gute Note. Stärkste Freiburger waren Rosenthal und Kruse.
Hitzig waren die verbalen Auseinandersetzungen der Schalker Fans. Etwa 300 Ultras in der Nordkurve setzten wegen des beschlossenen Sicherheitskonzepts ihren Stimmungsboykott fort und und forderten in Richtung des Schalker Vorstands und Ligaverbands-Vize Peter Peters: "Peters raus!" Die deutliche Mehrzahl der Anhänger unterstützte die Königsblauen von Beginn an lautstark und reagierte mit Pfiffen und "Ultras raus!"-Rufen auf die Proteste.











































