Frankfurt/Main - Im Falle eines Sieges gegen "den ganz großen Bruder" würde Armin Veh erst mal untertauchen. Für ein paar Tage "werdet ihr mich hier nicht sehen", sagte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt vielsagend - wohl auch, um sich in Ruhe Gedanken über seine Zukunft machen zu können. Denn mit drei Punkten im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund am Samstag (ab 18 Uhr im Liveticker) winkt dem Aufsteiger mehr denn je die Champions League. Es wäre wohl die Garantie für den Verbleib des Trainers.
Bislang zierte sich der 52-Jährige, mit der Eintracht-Chefetage über seine Zukunft am Main zu verhandeln. Trotz einer bislang überragenden Saison sollte seine Mannschaft erst 40 Punkte erreichen. Ausgerechnet gegen Meister Dortmund wäre das "eine Befreiung", sagte Veh. Vom Europapokal oder gar dem Kunststück, sich als erster Aufsteiger seit dem 1. FC Kaiserslautern (1998) direkt in die Königsklasse zu spielen, will der Coach nichts wissen.
"Es bringt mir auch nichts, wenn ich 100 Meter laufe und die ersten 99 der Schnellste der Welt bin, aber den letzten dann nicht mehr laufe", sagte Veh: "Dann gewinnen auch die anderen." Das war den Gegnern der Eintracht zuletzt kaum noch gelungen.
Veh: "Versuchen, unser Spiel durchzuziehen"
Nachdem das 3:3 im Hinspiel noch eine kleine Sensation war, ist Frankfurt ein halbes Jahr später (fast) auf Augenhöhe mit dem BVB. "Das ist neben den Bayern die überragende Mannschaft der Bundesliga", sagte Veh: "Ich bin ein Fan ihrer Spielweise, das ist eine Top-Mannschaft." Natürlich wolle sein Team, das von rund 6000 Fans in den Ruhrpott begleitet wird, dennoch "versuchen, unser Spiel durchzuziehen", sagte er: "Mit der Gefahr, dass wir dort auf die Mütze bekommen."
Akribisch vorbereitet ist Veh ohnehin. Die Champions-League-Partie des BVB in Donezk (2:2) verfolgte er auf dem Sofa. "In der Halbzeit bin ich rumgefahren und habe bei jedem geguckt, ob der Fernseher läuft", sagte Veh augenzwinkernd. Zudem sei es "reine Hypothese", dass die englische Woche für seine Mannschaft ein Vorteil sei.
Viel zu tun hat Frankfurts Manager Bruno Hübner indes auch, wenn sein Trainer ein paar Tage Urlaub macht. "Der Verein muss jetzt die Weichen für die neue Saison stellen", forderte Veh in der Bild-Zeitung: "Ich will nicht noch mal so lang auf eine Innenverteidigung warten wie letzten Sommer."
Fast wichtiger als die nötigen Verstärkungen ist für den Aufsteiger der langfristige Verbleib der eigenen Rohdiamanten. Sebastian Jung etwa, Außenverteidiger auf dem Sprung in die Nationalmannschaft, könnte die Eintracht im Sommer aufgrund einer Ausstiegsklausel für 2,3 Millionen Euro vorzeitig verlassen.
Auch Sebastian Rode wird nach seinen starken Auftritten im Mittelfeld von der halben Liga gejagt. "Leistungsträger zu halten, ist immer teuer", sagte Hübner: "Und die Qualität der Mannschaft zu erhöhen, wird auch teurer." Ein Sieg gegen den BVB und die Aussicht auf Europapokal-Millionen würden helfen.
Klopp mit großem Respekt
Da hat Borussia Dortmund natürlich noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Nach der bitteren 1:4-Heimpleite gegen den Hamburger SV am vergangenen Bundesligaspieltag wollen die Schwarz-Gelben zurück in die Erfolgsspur. Allerdings warnt BVB-Trainer Jürgen Klopp warnt sein Team vor dem kommenden Gegner: "Das Umschaltspiel der Eintracht ist richtig gut, die Mannschaft ist spielerisch stark, und Alex Meier erlebt den 47. Frühling in seiner Karriere." Klopp verlangt von seiner Elf, "auch zu Hause mal wieder ein unangenehmer Gegner zu sein".
Verzichten muss Klopp gegen den kessen Aufsteiger auf Top-Torjäger Robert Lewandowski, der gegen Hamburger SV die Rote Karte gesehen hatte. Julian Schieber und auch Marco Reus stehen als Alternativen parat. Fraglich ist zudem das Mitwirken von Ilkay Gündogan. Der Einsatz des Mittelfeldmotors steht wegen einer Nagelbettentzündung, einer Oberschenkelblessur und einer Erkältung auf der Kippe.
Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt (Samstag, ab 18 Uhr im Liveticker)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Blaszczykowski, Götze, Reus - Schieber
Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner, Meier, Inui – Lakic
Schiedsrichter: Brych (München)
























