15.02.13Eljero Elia exklusiv

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Elia exklusiv: "Das sind Leute, die selbst nie Fußball gespielt haben"

Werder Bremen schwankt in dieser Saison bisher zwischen Verzweiflung wie bei der 0:5-Heimklatsche gegen Borussia Dortmund und starken Auftritten wie zuletzt beim 4:1-Sieg in Stuttgart. Auch Werder teuerster Einkauf dieser Saison, der Niederländer Eljero Elia, bewegt sich bisher zwischen diesen Extremen. Im Exklusiv-Interview mit ran.de spricht der Flügelflitzer über den Umgang mit überzogener Kritik, die Wechselgerüchte um seinen Teamkollegen Marko Arnautovic sowie die Perspektiven der jungen Werder-Elf.

Mag von Druck durch überzogene Kritik nichts wissen: Eljero Elia
Mag von Druck durch überzogene Kritik nichts wissen: Eljero Elia © dpa

ran.de: Herr Elia, am Donnerstag wurde mit Thomas Eichin der Nachfolger von Klaus Allofs vorgestellt; konnten Sie sich schon einen ersten Eindruck machen?

Eljero Elia: Wir haben anlässlich des Freundschaftsspiels in Osnabrück bereits kurz sprechen können und Thomas Eichin macht auf mich einen sehr angenehmen Eindruck. Ich bin sicher, dass er mit seiner unaufgeregten Art gut zu Werder passt.

ran.de: Wie nimmt es ein Spieler auf, wenn der Manager, der ihn im Sommer unbedingt haben wollte, plötzlich nicht mehr da ist?

Elia: Natürlich ist es schade, dass Klaus Allofs nach so vielen erfolgreichen Jahren Werder verlassen hat. Für mich persönlich ist das aber kein Problem. Denn Klaus Allofs könnte ohnehin nicht für mich Fußball spielen, das muss ich schon selbst erledigen. Klaus Allofs hat seine Karriere und ich habe meine.

ran.de: Sie sind zu einer Mannschaft gestoßen, die durch die Abgänge von Naldo, Pizarro, Wiese oder Rosenberg vor einem Neubeginn stand; hat es das grundsätzlich leichter gemacht, weil es keine Hierarchie mehr gab, der man sich hätte unterordnen müssen oder haben diese Orientierungspunkte gefehlt?

Elia: Wir haben ja immer noch ein gutes Team. Aber normalerweise hilft es schon, dass Spieler dieser Klasse da sind, wenn man neu zu einem Team stößt. Wenn es Schwierigkeiten gibt, egal welcher Art, können Dir diese Jungs helfen. So muss man mehr versuchen, nur auf seine eigene Leistung zu schauen. Man ist von Beginn an viel mehr gefordert und muss sich seines Status’ als Top-Einkauf immer bewusst sein.

ran.de: Ihr Status ist der eines Klasse-Flügelspielers, so dass Trainer Thomas Schaaf dem neuformierten Team mit dem 4-3-3 auch ein neues System verpasst hat; war das mehr Ehre oder doch eher Belastung?

Elia: In Holland habe ich immer 4-3-3-System gespielt, später beim HSV auch. Und wenn der Trainer denkt, dass meine Stärken so am besten für die Mannschaft zum Tragen kommen, dann ist das eine Ehre für mich, aber ganz sicher keine Belastung.

ran.de: Sie sind auch sehr ordentlich in die Saison gestartet, haben aber wie die gesamte Mannschaft diese Leistung im Laufe der Vorrunde nicht mehr bestätigen können, woran lag das?

Elia: Sie sagen selbst, dass wir eine neuformierte, auch eine sehr junge Mannschaft sind. Da gehören Ups, aber eben auch Downs einfach dazu. Nehmen Sie doch z. B. Borussia Dortmund: als Dortmund vor vier Jahren seinen neuen Weg begonnen hat, da funktionierte auch nicht alles von Beginn an und der BVB war ganz sicher noch nicht das Klasse-Team, das er heute stellt. Ich bin jedenfalls sicher, dass wir im nächsten Jahr schon ganz anders dastehen können, als noch in dieser Saison. Immer vorausgesetzt, jeder ist bereit diesen Weg auch mitzugehen. Spätestens dann sollte auch der Europapokal wieder machbar sein.

ran.de: Sie mussten in der Vorrunde viel Kritik aushalten, weniger vom Trainer als von den einigen Medien; schildern Sie doch einmal, was es mit einer Profi-Seele macht, wenn man über Wochen über sich lesen muss, dass man ein Fehleinkauf oder gar ein Versager ist...

Elia: Ganz ehrlich, das prallt an mir ab und bedeutet keinen Druck für mich. Es gibt Leute, die solche Geschichten schreiben, die selbst nie ernsthaft Fußball gespielt haben und nur schwer beurteilen können, welche Mechanismen im Profi-Fußball ablaufen. Ich sage nicht, dass diese Leute nicht auch Druck aushalten müssen, weil z. B. ihr Chefredakteur von ihnen Geschichten verlangt, die für Aufregung sorgen. Diese Geschichten lassen mich aber kalt.

ran.de: Schläft man nicht schlechter oder ist vielleicht auch gereizter?

Elia: Solange meine Familie, meine Freunde und ich selbst gesund sind, spüre ich jedenfalls keine Belastung. Wenn ich merke, dass es sportlich nicht so gut läuft, arbeite ich einfach härter. Und wenn das dann immer noch nicht reicht, dann eben noch härter. Ich weiß, was ich kann. Ich spüre, dass die Fans hinter mir stehen. Und wenn es mir gelingt, alles abzurufen, dann weiß ich, es stehen hier alle auf den Bänken.

ran.de: Tatsächlich sollen Sie in der Winterpause knallhart gearbeitet haben, im Rahmen eines Kampfsporttrainings...

Elia: Aber ich habe kein Kampfsporttraining absolviert, sondern ein sehr hartes Konditionsprogramm, das ich unter Anleitung eines Mixed Martial Arts-Trainers ausgeführt habe. Es ging also nicht darum zu kämpfen, sondern "nur" um die knallharte Fitness.

ran.de: Mit sehr gutem Erfolg: nach einem bitteren Saisonstart mit den Niederlagen gegen Dortmund und den HSV gab es zuletzt auch dank Ihnen zwei sehr überzeugende Siege...

Elia: Ja, aber das reicht noch nicht. Ich gehe jeden Tag nach dem Training noch in den Kraftraum, um meine Rumpfstabilität weiter zu verbessern. Ich möchte mir später nie vorwerfen lassen müssen, dass ich nicht alles für Werder und für meine Karriere gegeben habe.

ran.de: Ihr Flügelzangen-Pendant, Marko Arnautovic, kennen Sie schon aus Ihrer gemeinsamen Zeit in Enschede; auch Arnautovic hatte es zunächst schwer in Bremen, scheint mittlerweile aber angekommen; hilft Ihnen das?

Elia: Marko hat sich früher oft zu schnell zu etwas hinreißen lassen, wenn er provoziert wurde. Heute denkt er erst einmal nach und bleibt ruhig. Das hat seinem Spiel ohne Frage gut getan.

ran.de: Elia und Arnautovic in Topform, das wäre ohne Frage eine der besten Flügelzangen der Liga; ausgerechnet jetzt aber zeigt Dynamo Kiew großes Interesse an Arnautovic...

Elia: Man wird sehen, was passiert. Werder Bremen ist ein Verein, der gute Spieler kauft und sie irgendwann gewinnbringend weiterverkauft, wenn diese Spieler noch besser geworden sind. Das ist Werders Philosophie, und wenn so etwas passiert, dann müssten wir das akzeptieren.

ran.de: Wäre das neben dem sportlichen auch ein persönlicher Verlust für Sie?

Elia: Auf jeden Fall! Marko und ich sind mehr als nur Freunde. Marko und sein Bruder sind für mich beinahe schon Familie.

ran.de: Im Gegensatz zu Arnautovic kannten Sie die Liga bereits durch Ihre Zeit beim HSV; war es dennoch schwer sich wieder an die Bundesliga zu gewöhnen?

Elia: Ganz einfach war das in der Tat nicht. Schon deshalb nicht, weil ich zuvor bei Juventus Turin beinahe ein Jahr lang meist nur auf der Bank gesessen und allenfalls mal ein Freundschaftsspiel absolviert hatte. Da braucht man dann einfach etwas Zeit.

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ran.de: Sie kennen die Eredivisie, die Serie A und die Bundesliga - wie ordnen Sie die deutsche Liga im internationalen Vergleich ein?

Elia: Ich glaube, dass die Premier League, die Primera Division und auch die Bundesliga die drei besten Ligen der Welt sind und sich alle drei in etwa auf Augenhöhe bewegen.

ran.de: Die Bundesliga gilt als die vielleicht ausgeglichenste, in der jeder jeden schlagen kann...

Elia: Das stimmt, gerade das spricht auch für die Klasse der Bundesliga.

ran.de: Bestes Beispiel ist der SC Freiburg, Werders nächster Gegner: die Freiburger sind aktuell Fünfter und stehen damit dort, wo Werder eigentlich gerne stehen würde...

Elia: Freiburg ist tatsächlich ein gutes Beispiel für das, was ich vorhin schon gesagt habe. Wie in Dortmund ist auch in Freiburg die Mannschaft seit einigen Jahren kontinuierlich gewachsen. Dieses Team hat sicherlich nicht ganz dieselbe individuelle Klasse über die wir z. B. bei Werder verfügen. Aber diese Jungs arbeiten als Gruppe sehr, sehr hart. Und haben sich diesen fünften Platz damit im Moment auch absolut verdient. Wenn wir aber ebenso denken und arbeiten, dann ist mir vor unserer Zukunft nicht bange.

© ran.de / Andreas Kötter

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