23.02.13Bundesliga

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Freud und Leid im Abstiegskampf

1899 Hoffenheim erhielt beim 1:2 in Augsburg Anschauungsunterricht in Sachen Abstiegskampf. Trainer Marco Kurz gab hinterher zu, dass seine Mannschaft der Situation im Moment nicht gewachsen sei.

Die Lage für 1899 Hoffenheim und Trainer Marco Kurz wird immer prekärer
Die Lage für 1899 Hoffenheim und Trainer Marco Kurz wird immer prekärer © DPA

Augsburg - Als Sascha Mölders kurz vor dem Spielende blutend und unter Standing Ovations den Platz verließ, stand er bildhaft für seine Mannschaft. Mit einem tiefen Cut auf der Nase und nimmermüde kämpfend hatte der Stürmer den FC Augsburg zu einem 2:1 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim geführt, das ein vollkommen gegensätzliches Bild bot. Leidenschaftslos und willenlos - die Kraichgauer ließen alles vermissen, was im Abstiegskampf gefordert ist.

Für Trainer Marco Kurz war dieser Nachmittag, dieses Schlüsselspiel, diese von Manager Andreas Müller als "Schlacht" bezeichnete Partie eine Bankrotterklärung. "Es war keine Mannschaft auf dem Platz", sagte er. Keine Mannschaft? Also kein Teamgeist? Bei dieser Brisanz? Hoffenheim und Abstiegskampf, das passt wohl nicht zusammen und könnte ins Desaster führen.

Müller wollte nicht wie zuletzt mit markigen Sprüchen auffallen. Er habe die Spieler "hart kritisiert" in den letzten Wochen, sagte er, aber jetzt, "jetzt liegt die Mannschaft am Boden". Und da will der Manager wohl nicht noch drauftreten - oder er hat seine Patronen bereits verschossen.

Dafür übernahm Kurz diesmal die Aufgabe des Chefkritikers. Roberto Firmino, den er nach dem 0:1 von Ji Dong-Won (45.) praktisch mit dem Pausenpfiff auswechselte, attestierte der Coach, "dass er mit der Situation nicht umgehen kann. Aber nicht nur er. Es hilft nicht, jetzt auf ihn einzuhauen." Er wolle keinem der Spieler "Boshaftigkeit und Vorsatz unterstellen". Die Gründe für das Versagen sind demnach Versagensängste, der Kopf lähmt also die Beine.

Mölders die Figur des Spiels

Und doch stellte Kurz noch recht fassungslos fest, dass "das Augsburger Kollektiv stärker, wuchtiger, entschlossener und herzhafter war". Noch so eine Bankrotterklärung, ein Fiasko im Abstiegs-Showdown. "Es ist enttäuschend und ernüchternd - zum jetzigen Zeitpunkt. Aber wir werden den Teufel tun, uns zu ergeben", sagte Kurz.

Auch für ihn war Mölders beispielhaft. Dieser habe mehr Aktionen gehabt als Hoffenheims drei Offensivspieler zusammen, stellte der Coach fest. Mit einer entschied Mölders (79.) das Spiel, der Anschluss von Igor de Camargo (90.+2) hatte nur statistischen Wert.

Dieser Mölders war einfach die Figur des Spiels. Wie er nach einem Zusammenprall im Luftkampf lädiert und mit Pflaster auf der Nase zurückkam, die Fans antrieb, seine Mitspieler puschte, einfach alles unternahm, um zu gewinnen - das war beeindruckend. Ob er denn daran gedacht habe, sich wegen der Verletzung auswechseln zu lassen, wurde er gefragt. "Keine Sekunde", sagte er: "Ich hab ja was an der Nase, nicht an den Füßen."

"Unsere Körpersprache war sensationell"

Die Augsburger spielten eigentlich alle wie Mölders: mit dem letzten Einsatz. "Wir waren dominant, zweikampfstärker. Alle haben alles für den FCA gegeben", sagte Trainer Markus Weinzierl. Und Mölders unterstrich: "Wir haben gezeigt, was Abstiegskampf bedeutet". Die Sätze von Jan-Ingwer Callsen-Bracker waren eine weitere Ohrfeige für die Gäste. "Unsere Körpersprache war sensationell", sagte der, und weiter: "Vor dem Spiel war es in unserer Kabine lauter als bei Hoffenheim."

Aus Sicht der Kraichgauer müssten die Alarmglocken nun so laut schrillen, dass es bis zu Mäzen Dietmar Hopp zu hören ist. Doch das Gros der Spieler scheint dafür taub zu sein. "Du kommst nicht raus, wenn du denkst, wir sind eine Übermannschaft und können Tiki-Taka machen."

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