Amsterdam/Niederlande - Borussia Dortmund ist endgültig in Europas Fußball-Beletage angekommen. Der deutsche Meister hat mit dem überraschend souveränen 4:1 bei Ajax Amsterdam in der "Wahnsinns-Gruppe" den Einzug ins Achtelfinale der Champions League vorzeitig perfekt gemacht.
Mario Götze brilliert
Mario Götze ignorierte zunächst sämtliche Interview-Wünsche, seine Blicke klebten an der Videowand der Amsterdam ArenA. Der Nationalspieler und Hauptdarsteller eines denkwürdigen Abends genoss noch einmal die Highlights einer Europacup-Sternstunde von Borussia Dortmund. Erschöpft, aber auch stolz und mit einem Gefühl der Genugtuung nach dem souveränen 4:1 (3:0) bei Ajax Amsterdam mit der vorzeitigen Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League bestätigte Götze schließlich mit einem breiten Lächeln: "Das ist ein unglaublich schönes Gefühl!"
Einmal Torschütze, dreimal Vorbereiter - so die statistischen Eckpunkte der Götze-Gala beim bislang höchsten Auswärtssieg des BVB in der Königsklasse.
"Das heute hat reingepasst. Das ist ein großartiger Moment, das ist ganz großes Tennis und war ein weiterer Meilenstein in der unglaublichen Entwicklung dieser Mannschaft", schwärmte Trainer Jürgen Klopp. "Nun kann niemand mehr kritisieren, wir hätten den deutschen Fußball nicht richtig repräsentiert."
Geheimfavorit auf den Champions-League-Titel
Gereift und mit gestiegenem Selbstwertgefühl nach dem blamablen Vorrunden-Aus im vergangenen Jahr haben sich die Westfalen nach neun Jahren endgültig wieder in Europas Fußball-Beletage zurückgemeldet. Bislang ungeschlagen, elf Punkte nach fünf Spielen, Platz eins lautet die Zwischenbilanz des bisherigen Husarenritts der Schwarz-Gelben durch die schwerste wie attraktivste Gruppe.
"Wenn man gesehen hat, wie wir dadurch marschiert sind - das hat bei der Auslosung wohl niemand so erwartet - wir selbst auch nicht, das muss man ganz ehrlich sagen", äußerte BVB-Sportdirektor Michael Zorc, zumal die letzte Partie am 4. Dezember gegen den englischen Champion Manchester City nunmehr sportlich sogar bedeutungslos geworden ist.
"Kaiser" Franz Beckenbauer ("Wer zweimal Real Madrid so an die Wand spielt, dem kann man den Champions-League-Sieg auf jeden Fall zutrauen. Ein Finale Bayern gegen Dortmund wäre doch schön") erhob die Borussen zugleich zum Geheimfavoriten auf den Titel wie auch Jose Mourinho, Trainer des Gruppenzweiten Real. Ajax-Coach Frank de Boer ist der Überzeugung, gegen einen potenziellen Halbfinal-Kandidaten verloren zu haben. "Doch daran denken wir noch nicht. Wir freuen uns zunächst auf das Achtelfinale. Man hat in dieser Saison gesehen, dass wir Lust auf die Champions League haben", ergänzte Götze.
Kevin Großkreutz: "Wir können stolz auf uns sein"
Die hatten die Borussen auch im vergangenen Jahr. Doch was läuft derzeit besser? "Es sind zwei Dinge. Erstens: Die Effizienz. Im letzten Jahr hatten wir mehr Chancen, haben aber weniger Tore erzielt. Zweitens: Wir haben viel zu leichte Tore kassiert", erklärte Nationalspieler Mats Hummels.
Nicht nur in Amsterdam habe man stets die Treffer im richtigen Moment erzielt, erläuterte Götze, Schütze zum vorentscheidenden 2:0 (36.). Zuvor hatte er für Marco Reus (8.), danach für Robert Lewandowski (41. und 67.) jeweils aufgelegt. "Wir machen die Chancen eiskalt weg, und das in dieser Wahnsinns-Gruppe. Wir können stolz auf uns sein", tönte Kevin Großkreutz nach dem ersten Auswärtssieg einer deutschen Mannschaft im 14. Anlauf beim niederländischen Rekordmeister.
Der Double-Gewinner demontierte Ajax im Stile einer europäischen Spitzenmannschaft und verblüffte abermals die Konkurrenz. "Nicht die Punkte, sondern, dass es eigentlich noch mehr hätten sein können, ist die eigentliche Überraschung", meinte Klopp in Erinnerung an die Auftritte in Madrid (2:2) und Manchester (1:1) mit ihren späten Gegentoren.
Die BVB-Fans träumen indes bereits vom zweiten Champions-League-Triumph nach 1997. Klopp sieht offenbar zumindest Chancen auf den Sprung in die Runde der letzten Acht. "Viele können fast jeden schlagen - so stellt sich die Champions League dar. Wir wollen uns aber durch Erwartungen nicht selbst limitieren", sagte der 45-Jährige. Doch wichtiger war ihm eine andere Botschaft: "Unser Einzug ins Achtelfinale ist ein wichtiger Fingerzeig für den deutschen Fußball, dass es auch auf diesem Weg gelingt, sich gesund zu entwickeln."































