13.03.13Champions League

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"Dumm, unnötig, blöd" - knallharte Selbstkritik nach Champions-League-Aus

Schalke 04 ist trotz glänzender Ausgangsposition im Achtelfinale gegen Galatasaray Istanbul aus der Champions League ausgeschieden - und fragte sich danach: Warum?

Ratlose Schalke-Spieler nach dem bitteren Champions-League-Aus
Ratlose Schalke-Spieler nach dem bitteren Champions-League-Aus © Getty

Gelsenkirchen - Die Fans hatten sich längst sprachlos auf den Heimweg gemacht, die Champions-League-Utensilien wurden allmählich eingepackt. Da fragten sich die Profis von Schalke 04 noch immer: Wie konnte das passieren? "Unnötig", "dumm", "blöd" nannten sie das abrupte Ende ihrer Europa-Tour - und fanden doch keine befriedigende Antwort.

"Es ist unnötig, gegen so eine Mannschaft auszuscheiden. Wir waren in beiden Spielen die Besseren", meinte Torhüter Timo Hildebrand nach dem 2:3 (1:2)-Schock im Achtelfinal-Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul. "Das war nur unsere eigene Dummheit", urteilte Kapitän Benedikt Höwedes und nannte das entscheidende zweite Gegentor nach einer Kette von Fehlern "blöd".

Das 1:2 durch den achten Champions-League-Treffer des Galatasaray-Torjäger Burak Yilmaz (42.) komprimierte in der Tat alle Schalker Mängel auf wenige Sekunden. Roman Neustädters katastrophaler Fehlpass im Mittelfeld, Höwedes' ungeschicktes Zweikampfverhalten und Hildebrands zögerliches Herauslaufen - anders als beim 2:1-Derbytriumph gegen Borussia Dortmund drei Tage zuvor fehlte der letzte Biss. "Jeder hat gemeint, es geht mit fünf Prozent weniger", monierte Trainer Jens Keller.

Hildebrand, der zugab, "vielleicht ein Stück weit zu unentschlossen" gewesen zu sein, vermisste noch mehr. "Mannschaften wie Bayern oder Barcelona gehen mit einem 1:0 in die Halbzeit", merkte der Ex-Nationaltorwart an, "das müssen wir einfach noch lernen." Doch seinen Vorderleuten, im Schnitt gerade einmal 23,5 Jahre alt, fehlte diese Cleverness.

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Terim trickst Keller aus

Sie erlaubten nach der glücklichen Führung durch Neustädter (17. ), die nach dem 1:1 im Hinspiel alles in die richtigen Bahnen zu lenken schien, dem Ex-Schalker Hamit Altintop einen ungehinderten Distanzschuss (37.). Und dann folgte die Fehlerkette zum 1:2.

Erst in der zweiten Hälfte zeigten die Schalker das aggressive Pressing und schnelle Umschaltspiel, das sie zuletzt so erfolgreich gemacht hatte. Das lag auch daran, das Trainerfuchs Fatih Terim Schalke-Coach Keller ausgetrickst hatte. "Galatasaray hat im Mittelfeld mit Raute gespielt, das hat uns überrascht", gab Keller zu. Er habe seine Spieler in der gesamten ersten Halbzeit "schwer erreicht" und konnte deshalb erst in der Pause taktisch darauf reagieren, dass Mittelfeldstar Wesley Sneijder zentral hinter den Spitzen spielte.

Danach gingen die Außenverteidiger offensiver zu Werke, "und wir haben mehr Druck auf den Ball bekommen", sagte Keller. Doch es gelang nur noch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Michel Bastos (63.). Das 2:3 in der Nachspielzeit durch Umut Bulut (90.+5) besiegelte im achten Champions-League-Spiel in dieser Saison die erste Niederlage.

Heldt: "Wir haben es verbockt"

"Es war eine tolle, erfolgreiche Champions-League-Saison", bilanzierte Kapitän Höwedes, "mit einem bitteren Ende." Erstmals hatten die Königsblauen die Vorrunde ungeschlagen überstanden und Platz eins belegt, allein 16,6 Millionen Euro spielten sie an UEFA-Prämien ein. Doch aus den gut 30 Millionen Euro inklusive Zuschauereinnahmen und Marktpool-Anteilen hätten mit dem dritten Viertelfinaleinzug der Vereinsgeschichte fast 40 Millionen werden können. "Wir haben es verbockt", stellte Sportvorstand Horst Heldt ernüchtert fest.

Die Konzentration, betonten alle, gelte nun ganz der Bundesliga. "Es ist das Einzige, was uns bleibt", meinte Heldt. Und Hildebrand forderte: "Wir haben eine gute Ausgangsposition und müssen jetzt genug Punkte holen, um nächstes Jahr wieder Champions League zu spielen." Er hoffe, fügte der 33-Jährige an, "dass es nicht mein letztes Champions-League-Spiel war."

Ein Gelsenkirchener darf schon in dieser Saison weiter in der Königsklasse spielen: Hamit Altintop. Der 30-Jährige, dessen Mutter nur wenige Kilometer von der Schalker Arena entfernt wohnt, verspürte trotz des Weiterkommens und seines ersten Saisontores aber nicht nur pure Freude. "Ich bin immer noch ein Schalker", sagte der Mittelfeldspieler, der von 2003 bis 2007 für die Königsblauen spielte, und entschuldigte sich quasi für seinen Torjubel: "Ich hoffe, die Leute nehmen es mir nicht übel."

© SID

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