"Magath hätte ich gerne erlebt"

Mike Büskens war 17 Jahre auf Schalke. Seit der Winterpause trainiert Mike Büskens nun den Zweitligisten Spielvereinigung Greuther Fürth. Vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern München spricht Büskens im Exklusiv-Interview mit ran.de über seine Beweggründe, sich für einen Zweitligisten zu entscheiden, über die Außenseiterrolle der Fürther im Pokal und über die Titelchancen der Schalker.

Fürths Trainer Mike Büskens
Quelle: imago
Fürths Trainer Mike Büskens

Frage: Herr Büskens, als ehemaliger Trainer von Schalke 04 und neuer Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth kennen Sie beide Ligen. Es heißt immer, man könne die zweite Liga nicht mit der ersten vergleichen; was sagen Sie nach fünf Wochen in Fürth?

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Mike Büskens: In der Tat lässt sich längst nicht alles miteinander vergleichen. Die eine Liga ist nun mal die höchste deutsche Spielklasse, die andere „nur“ die zweithöchste. Nichtsdestotrotz bin ich sehr froh und glücklich darüber, dass ich jetzt bei der Spielvereinigung Fürth arbeiten kann.

Frage: Fürth ist nicht nur geografisch eine andere Welt als Schalke; was hat für Sie den Ausschlag gegeben für den Zweitligisten, obwohl Sie z. B. auch ein Angebot des VfL Bochum gehabt haben sollen?

Büskens: Wir sollten jetzt nicht über Namen reden. Es stimmt, dass es durchaus einige Kontakte und Anfragen im letzten halben Jahr gab. Aber ich hatte in Bezug auf Schalke zunächst einiges abzuarbeiten, schließlich habe ich eine große Verbundenheit zum Klub und zur Region. Als mich kurz vor Weihnachten die Spielvereinigung kontaktiert hat, haben wir dann aber sehr schnell eine gemeinsame Basis gefunden. Fürth hat in den letzten Jahren in der zweiten Liga hervorragend gearbeitet, der Klub steht für solides Management und eine familiäre Umgebung. Und ich war mir sicher, dass ich mich hier wohl fühlen und vernünftig arbeiten kann.

Frage: Wollten Sie zwecks „Abarbeiten“ auch räumlich eine größere Distanz zwischen sich und Gelsenkirchen bringen, schließlich ist Felix Magath dort nicht ganz fair mit Ihnen umgesprungen?

Büskens: Es ging und geht mir darum, dass ich 17 Jahre für diesen Verein gearbeitet habe, ganz gewiss aber nicht darum, sich nur auf die letzten Wochen auf Schalke zu beschränken. Was damals, im letzten Sommer war oder eben auch nicht, das ist längst Vergangenheit und alles verarbeitet.

Frage: Sie haben während Ihrer bisherigen Laufbahn viele Trainer kennen gelernt, u. a. Stevens, Heynckes, Rutten, Slomka und beinahe auch Magath...

Büskens: Magath hätte ich gerne erlebt. Es war bekanntlich meine Absicht, die aktuelle Saison dafür zu nutzen, auch das „System Magath“ kennen zu lernen, was mir aber aus bekannten Gründen versagt geblieben ist. Neben den von Ihnen Genannten habe ich aber z. B. auch noch Jörg Berger, Helmut Schulte oder Udo Lattek oder während meiner Düsseldorfer Zeit Aleksandar Ristic, Josef Hickersberger oder Horst Köppel kennen lernen dürfen.

Frage: Wer hat Sie am meisten beeindruckt und in Ihrem Selbstverständnis als Trainer geprägt?

Büskens: „Geprägt“ wäre der falsche Ausdruck. Man muss seinen eigenen Weg finden und authentisch bleiben. Es macht keinen Sinn, einen Trainer zu kopieren, der vielleicht Hervorragendes geleistet hat, aber dessen Stil nicht zum eigenen Wesen passt. Mit zunehmendem Alter hat man aber durchaus sehr auf Details geachtet und darauf, wer welche Situation wie gelöst hat.

Frage: Wie haben Sie die Situation in Fürth gelöst bzw. was für eine Mannschaft haben Sie vorgefunden, als Sie das Team Anfang Januar übernommen haben?

Büskens: Eine junge, hochtalentierte, sehr arbeitseifrige Mannschaft, die aber in der Hinrunde eine Phase hatte, in der es nicht so gut lief. Und das dann zu verarbeiten, wird gerade für junge Spieler von Spiel zu Spiel immer schwerer. Es ging zunächst also vor allem darum, den Jungs wieder Vertrauen in ihre sportliche Qualität zu geben.

Frage: Haben Sie sich bei Ihrem Vorgänger, Benno Möhlmann über die Mannschaft informiert?

Büskens: Nein, ich wollte ganz unbefangen an den Job herangehen. Es steht aber außer Frage, dass Benno Möhlmann diesen Verein sehr geprägt hat. Er war hier dreimal Trainer, was eine Seltenheit im Profi-Fußball ist und ganz klar für seine Person, aber auch für den Verein spricht. Möhlmann hat diesem Klub seinen Stempel aufgedrückt. Und sollte man das irgendwann auch einmal über mich sagen können, dann weiß ich, dass ich einen guten Job gemacht habe.

Frage: Damit haben Sie bereits begonnen: Kaum sind Sie sechs Wochen da, zeigt Ihr Team starke Leistungen, schlägt z. B. den damaligen Tabellenführer Kaiserslautern mit 3:0 und hat zuletzt trotz der 1:2-Niederlage auch in Bielefeld überzeugt; gibt es für dieses Phänomen auch nur halbwegs eine logische Erklärung?

Büskens: Wenn man als Trainer zu einem neuen Verein kommt, dann sucht man natürlich nach Ansatzpunkten, um die Probleme zu beheben. Und so entwickelt sich nach und nach ein Prozess.

Frage: Wo haben Sie diese Ansatzpunkte entdeckt?

Büskens: Wir haben in der ersten Halbserie eindeutig zu viele Tore kassiert. Und es ist heutzutage sehr schwierig und gelingt nur wenigen Mannschaften, aus einem Rückstand noch einen Sieg zu machen. Also mussten wir an der Kompaktheit des gesamten Teams, nicht nur der Abwehr arbeiten. Das haben wir sehr nachhaltig gemacht und schon im ersten Spiel gegen Kaiserslautern zum Glück auch umsetzen können.

Frage: Sie haben bei Amtsantritt gesagt „Ich will mit der Mannschaft schnellstmöglich in die Regionen, in die der Verein gehört“; nach neun Punkten Siegen aus vier Spielen sind es plötzlich wieder „nur“ noch zehn Punkte bis zu einem Aufstiegsplatz, gehört die Mannschaft dort hin?

Büskens: In dieser Region, unter den ersten fünf, sechs hat sich die Mannschaft in den letzten Jahren stets eingefunden. Wir müssen aber realistisch bleiben. Noch vor wenigen Wochen haben wir davon gesprochen, dass es ganz schnell auch in die andere Richtung gehen kann. Es hat also gar keinen Sinn, herum zu spinnen und zu träumen. Vielmehr sind wir froh, dass es uns erst einmal gelungen ist, den Abstand zu den drei unteren Plätzen zu vergrößern.

Frage: Ihr Präsident Helmut Hack soll nach den drei Siegen aber durchaus noch von einer Möglichkeit, aufzusteigen gesprochen haben...

Büskens: Zu mir hat er das nicht gesagt. Ich muss mich an der Tabelle orientieren. Und danach ist es für uns bis zum dritten Platz ein sehr, sehr weiter Weg, der durch die Niederlage in Bielefeld noch ein Stückchen weiter geworden ist. Und es wäre nicht normal, wenn wir diesen Platz in der dieser Saison noch erreichen würden. Vor uns stehen Vereine wie Augsburg, Duisburg, Bielefeld oder Düsseldorf, die allein schon aufgrund ihrer Etats ganz andere Ansprüche haben, als wir.

Frage: Diese Klubs aber sind im Pokal längst ausgeschieden, während Ihr Team am Mittwoch gegen die Bayern antreten muss, die sich mittlerweile in Topform befinden; was sagt man dem eigenen Team vor einem solchen Himmelfahrtskommando?

Büskens: Wenn wir davon ausgehen würden, dass wir dort keine Chance hätten, dann könnten wir uns die Reise nach München sparen. Wir wissen selbstverständlich, dass unsere Chance nicht riesengroß ist und dass wir Außenseiter sind. Aber viele Vereine in Deutschland beneiden uns auch um dieses Spiel. Und obwohl der Bayern-Express ins Rollen gekommen ist, wir werden alles versuchen, das Beste daraus zu machen.

Frage: Passt es Ihnen vielleicht ganz gut ins Konzept, dass der Bayern-Express rollt, weil man den Außenseiter jetzt vielleicht unterschätzt?

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Büskens: Nein, wir kennen unsere Situation sehr genau und wissen, dass wir auch dann klarer Außenseiter wären, wenn die Bayern nicht diesen Lauf hätten. Ein Ribéry oder ein Robben haben jeder für sich einen um ein Vielfaches höheren Transferwert, wie unser kompletter Kader. Das zeigt die Kräfteverhältnisse sehr gut. Wir haben hohen Respekt vor der Leistung der Bayern, aber wir werden auch nicht vor Ehrfurcht erstarren.

Frage: Ihr Ex-Klub Schalke 04 muss beim Drittligisten VfL Osnabrück antreten; wenn Sie die Wahl gehabt hätten, wäre Ihnen dann Schalke lieber gewesen als der FC Bayern?

Büskens: Als Pokal-Los wäre Schalke für mich selbstverständlich noch eine Spur emotionaler. Schließlich habe ich dort mehr als die Hälfte meiner Karriere verbracht. Für die Spielvereinigung als fränkischen Klub aber ist der FC Bayern München das attraktivere Los.

Frage: Verwundert es Sie eigentlich, dass Schalke bisher eine so überzeugende Saison spielt?

Büskens: Wenn ich mir die 37 Spieler dieses Kaders anschaue, dann ist der noch immer gespickt mit hochkarätigen Nationalspielern. Und Felix Magath hat in den letzten Jahren beweisen, dass er zurzeit der erfolgreichste Trainer Deutschlands ist. Ihm ist – gerade auch mit den emotionalen Fans im Rücken, die nach Erfolgen lechzen - einiges zuzutrauen. Es freut mich für die Mannschaft und die Fans jedenfalls sehr, dass Schalke eine so tolle Saison spielt.

Frage: Trauen Sie Schalke sogar den Titel zu?

Büskens: Ich habe es 2001 selbst erlebt, dass es manchmal nur an Winzigkeiten hängt. Die Leute in der Region, deren Herz für diesen Verein schlägt, hätten es auf jeden Fall verdient und ich würde es ihnen sehr wünschen.

Sat.1/Kötter
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