Düsseldorf - Sollte Fabian Giefer gedacht haben, er könne sich als Pokal-Held feiern lassen, hatte er die Rechnung ohne den Trainer gemacht. "Der Typ kostet mich Nerven", sagte Norbert Meier in teils echter, teils gespielter Empörung, "die eine Szene, boah! Wäre er so klein wie ich, wäre das Ding drin gewesen."
Dass Meier seinem Torhüter nach dem Zweitrunden-Erfolg von Fortuna Düsseldorf gegen Borussia Mönchengladbach alles, wirklich aber auch alles zu verdanken hatte - unwichtig. "Er kann froh sein, dass er uns hat", sagte Meier in seiner knochentrockenen nordischen Art, die immer etwas unwirsch klingt, "man sollte ihn nicht auf den Sockel heben".
Vertändler der schlimmsten Sorte
Das war schwierig an einem Abend voller Glanzparaden, deren Zusammenschnitt schon Minuten füllen würde. Aber es gab ja auch noch die eine Szene, boah, die beinahe alles zerstört hätte, ein Vertändler der schlimmsten Sorte außerhalb des Strafraums. Es mag daran gelegen haben, dass Giefer inmitten der Gesänge, inmitten der tosenden Fans fast aussah wie ein Verlierer.
Erschöpft, ein bisschen bleich, keineswegs ein strahlender Matchwinner, so kommentierte der 22-Jährige sein bislang bestes Spiel, das selbst einem Nationaltorhüter zur Ehre gereicht hätte. Und die verflixte 75. Minute, in der er Gladbach den Sieg auf dem Silbertablett serviert hatte? Patrick Herrmann schlug die Einladung aus, den Lupfer schnappte sich Giefer. "Das sollte nicht passieren, es darf nicht passieren, aber es ist passiert. Zum Glück ist nichts passiert", sagte der 1,96-m-Hüne Giefer erleichtert.
Und so kam es, dass zwei Meter weiter rechts ein zweiter Matchwinner stand, die Arme verschränkt, die Schuhe ein Traum in knall-neon-türkis-orange: Nando Rafael. Nachdem der Ex-Gladbacher in der 97. Minute zum 1:0 (0:0, 0:0) n.V. getroffen hatte, durfte er mal kurz über das "geile Gefühl" sprechen - dann kam auch schon die Frage nach Giefer. Ein "Super-Torwart", sagte Rafael, ein ganz wichtiger Mann, "der viel Vertrauen gibt".
Gedächtnisverlust nach Gehirnerschütterung
Vertrauen braucht Giefer auch in seinen Körper. In den vergangenen Jahren musste er sehr hart im Nehmen sein. Eine schlimme Gehirnerschütterung, erlitten am 7. August 2011 beim 0:2 seines damaligen Klubs Bayer Leverkusen beim FSV Mainz 05, hatte dem talentierten Torwart einen Knacks verpasst. Giefer litt sogar unter Gedächtnisverlust, konnte lange nicht spielen. Nun, bei der Fortuna, stoppte ihn nicht einmal ein unappetitlicher Gaumenriss, von dem er Fotos bei Facebook veröffentlichte. Meier witzelte, es sei schon okay so, "solange er keine anderen Körperteile zeigt".
Am Sonntag erwartet Giefer eine Reise in die Vergangenheit. Leverkusen, die Stadt, in der er es nicht geschafft hat, ein Großer zu werden. Er hätte sich danach bei Bayern München auf die Bank setzen können, er entschied sich aber für Düsseldorf. "Das war richtig", sagt er knapp. "Sonst hätte ich es ja nicht gemacht."
Nicht gemacht, das war das Stichwort für Borussia Mönchengladbach. Sechsmal liefen Spieler des dreimaligen Pokalsiegers allein auf Giefer zu, sechsmal landete der Ball auf teilweise irrwitzige Weise sonstwo, aber nicht im Tor. Hinzu kam ein weiteres Dutzend guter Gelegenheiten.
"Tief, tief enttäuscht" zeigte sich deshalb Trainer Lucien Favre: "Wir haben unverdient verloren." Durch die Bank wurde das Spiel als Fortschritt gewertet - trotz der Niederlage. Schließlich habe es nur mit dem Toreschießen nicht geklappt. Und Fabian Giefer war auch nicht ganz unbeteiligt.





















