München/Dortmund - Der riesige Andrang im kleinen Presseraum an der Säbener Straße erinnerte an das Champions-League-Finale im vergangenen Mai. Wieder einmal stellt das Spiel der Giganten zwischen dem designierten Meister Bayern München und Double-Gewinner Borussia Dortmund alles in den Schatten.
Doch wer vor dem DFB-Pokalschlager das sonst übliche Ballyhoo erwartet hatte, sah sich getäuscht. Sachlich und unaufgeregt analysierte nicht nur Bayern-Trainer Jupp Heynckes die Lage vor dem Viertelfinale am Mittwoch (ab 20.15 im Liveticker). Auch Jürgen Klopp war nicht bereit, mit markigen Sprüchen die Stimmung anzuheizen.
Dabei ist der Druck auf beiden Seiten riesig: Beim FC Bayern, der am Spieltag seinen 113. Geburtstag feiert, würde eine erneute Niederlage gegen den Rivalen einen dicken schwarz-gelben Flecken auf seiner bisher fast makellosen Saisonbilanz hinterlassen. Für den BVB bietet der nationale Pokal trotz der guten Aussichten in der Champions League die wohl größte Chance auf einen Titel in diesem Jahr.
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Kampfansagen? Fehlanzeige!
Doch trotz aller Brisanz, die durch die anhaltenden Transfergerüchte um Stürmerstar Robert Lewandowski noch zusätzlich verschärft wird, hielten sich beide Seiten mit Kampfansagen zurück - auch wenn klar ist: Die Rekord-Bayern wollen auf ihrem eingeschlagenen Weg zum Triple mit Nachdruck zeigen, dass sie nach zwei Jahren, in denen sie sich vom BVB oft haben vorführen lassen müssen, wieder die unumstrittene Nummer eins in Deutschland sind.
Vor allem das blamable 2:5 im Pokalfinale 2012 gegen Dortmund sitzt immer noch tief bei den Münchnern, die in den vergangenen sieben Pflichtspielen gegen die Borussia nur im relativ unbedeutenden Supercup (2:1) gewannen, ansonsten aber fünfmal verloren. "Das hat schon ein bisschen den Charakter einer Revanche. Das erhöht unsere Motivation zusätzlich", betonte Millionen-Mann Javi Martinez. Der FC Bayern sei "hochmotiviert. Wir haben so viel Selbstvertrauen, dass wir das Spiel gewinnen", fügte Heynckes an.
Der aktuelle Münchner Höhenflug hängt sogar eng mit dem BVB zusammen, wie Nationalspieler Toni Kroos einräumte: "Unterbewusst macht jeder ein Stück mehr, gerade wenn man zwei Jahre keinen Titel hat. Vielleicht hat uns der BVB dorthin getrieben." Eine Sicht, die auch BVB-Coach Jürgen Klopp teilt: "Wir haben die Bayern zwei Jahre extrem gereizt. Wir haben dafür gesorgt, dass sie komplett unter Strom stehen."
Enges Duell trotz Abstand in der Liga
Mit 17 Punkten vor der Borussia führen die Bayern derzeit die Liga an, die 23. Meisterschaft ist den Münchnern kaum mehr zu nehmen. Dass die Bayern derzeit überragend spielen würden, stehe außer Frage, unterstrich Klopp, aber "deshalb ist das Spiel noch nicht entschieden". Es reiche seiner Mannschaft um die Jungstars Mario Götze und Marco Reus schon die Gewissheit, "dass sie zu den wenigen Mannschaften auf dem Planeten gehört, die die Bayern schlagen können".
Doch genau das wollen die Bayern mit aller Macht verhindern, um trotz der bisher starken Leistungen etwaige Unruhe erst gar nicht aufkommen zu lassen. "Es geht um einen Titel, deswegen müssen wir gewinnen", betonte Kapitän Philipp Lahm vor dem so Heynckes "riesigen Duell auf Augenhöhe".
Laut Superstar Arjen Robben, der den gesperrten Franck Ribery ersetzt, werden "kleine Details" entscheiden. "Mit 98 Prozent können wir die Bayern nicht schlagen", ergänzte Klopp, der die Partie mit "einem Auswärtsspiel in der Champions League" verglich. Und in der Königsklasse, so der 45-Jährige, seien bisher einige Gegner nicht schlechter gewesen als die Bayern, und diese "hatten auch schon mehr Spaß als gegen uns".
Hummels fällt aus
Während bei den Bayern Ribery ("Ich habe volles Vertrauen in meine Mitspieler") und der erkrankte Rafinha fehlen, kann Dortmund auf den in der Bundesliga rotgesperrten Lewandowski und dessen genesenen Landsmann Jakub Blaszczykowski zurückgreifen. Dagegen fällt Mats Hummels nach Informationen der "Bild" aus. Der 24-Jährige fehlte nach Sport1-Informationen beim Abschlusstraining der Borussia. Grund: ein grippaler Infekt. Angeblich wurde der BVB-Abwehrboss deswegen auch im Klinikum Bogenhausen in München behandelt.
Torjäger Lewandowski ist vor dem Duell gegen seinen möglichen künftigen Arbeitgeber besonders heiß. "Ich glaube mittlerweile, dass ich unter Druck noch besser bin. Von daher gehe ich völlig befreit in diese Partie und will Tore zum Weiterkommen beisteuern. Wir wollen Bayern noch mal schlagen", sagte der Pole der Sport Bild.
Es könnten in dieser Saison noch weitere Spiele zwischen Bayern und dem BVB folgen. Die Rückrundenpartie in der Liga gibt es sicher, doch auch in der Königsklasse ist ein Wiedersehen nicht ausgeschlossen - am liebsten im Finale am 25 Mai in Wembley. "Das wäre traumhaft", meinte Heynckes, "dann wäre nämlich eine deutsche Mannschaft Champions-League-Sieger."
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
München: Neuer - Lahm, van Buyten, Dante, Alaba - Schweinsteiger, Martinez - Robben, Kroos, Müller - Mandzukic.
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Santana, Schmelzer - Gündogan, Bender - Blaszczykowski, Götze, Reus - Lewandowski.
Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)





















