Alter Tatort, neue Rolle - beim Abschlusstraining im Mestalla-Stadion von Valencia kamen bei Tim Borowski die Erinnerungen an bessere Tage zurück. Vor gerade einmal fünf Jahren feierte er dort als Nationalspieler einen wichtigen 2:0-Sieg in der Champions League mit Werder Bremen, stand am Ende einer aufregenden Partie im Mittelpunkt der Emotionen. Diesmal ist nicht einmal sicher, ob er in der Europa League gegen den FC Valencia überhaupt zur Startformation beim deutschen Pokalsieger zählt.
Ein verlorenes Jahr bei Bayern München und ein anschließendes monatelanges Formtief haben den 29-Jährigen nicht nur den Platz im DFB-Team gekostet, sondern auch seine Position bei den Hanseaten in Frage gestellt. Immer öfter wird der Mittelfeldspieler ein- oder ausgewechselt. Mit nur drei Bundesligatoren in 21 Partien hat auch die einstige Torgefahr des Blondschopfs erheblich nachgelassen.
"Natürlich haben wir von Tim mehr erwartet"
"Natürlich haben wir von Tim mehr erwartet", räumt Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs ein. Und auch der Profi selbst, der im vergangenen Sommer in die Hansestadt zurückkehrte, um sich mit mehr Spielpraxis für die WM-Endrunde in Südafrika zu empfehlen, ist mit sich nicht zufrieden: "Wenn ich das behaupten würde, würde ich mich nur selbst belügen. Da ist noch Luft nach oben."
Dies fand immer öfter auch Trainer Thomas Schaaf, der Borowskis Rolle rückwärts von der Isar an die Weser selbst mit einem Telefonanruf im Urlaub initiiert hatte. Mehrfach musste der gebürtige Neubrandenburger auf seiner angestammten Position im Mittelfeld dem jungen Philipp Bargfrede den Vortritt lassen. Erst eine Knieverletzung des Nachwuchstalentes zu Beginn der Rückserie verschaffte Borowski mehr Einsatzzeiten.
"Tim ist unheimlich wichtig"
Dabei hat der Mittelfeldhüne im Team des Bundesliga-Sechsten durchaus noch Fürsprecher. "Tim ist unheimlich wichtig und eine ungemeine Stütze für uns. Schließlich haben wir einige Spieler, die offensiv wirbeln, aber manchmal einen Tick zu wenig nach hinten arbeiten", wirbt Mannschaftskapitän Torsten Frings für seinen langjährigen Mitstreiter.
Auch der langmähnige Spielführer leistete sich in seiner Karriere einen unbefriedigenden Transfer zum deutschen Rekordmeister, erarbeitete sich jedoch nach seiner Rückkehr nach Bremen sofort wieder eine Führungsposition, die bis zum heutigen Tag Bestand hat. Doch dafür ist "Boro" nicht der richtige Typ. Und so dürfte es für Borowski bei 33 Länderspielen bleiben, zuletzt kam er bei der EM-Endrunde 2008 in Österreich unter Joachim Löw zu einem Einsatz in der A-Nationalmannschaft.





