ran.de: Herr Djourou, 2:2 bei einem starken 1. FC Nürnberg: eigentlich wäre das eine durchaus gelungene Generalprobe für das Europa League-Rückspiel gegen Anschi Machatschkala; wenn man den Ausgleich aber in der zweiten Minute der Nachspielzeit bekommt, dürfte das doch aufs Gemüt drücken...
Johan Djourou: Klar! Das war sehr ärgerlich. Wir wollten den Sieg unbedingt und haben auch viel investiert. Aber Nürnberg hat eben noch dieses eine Tor erzielt.
ran.de: 96 hat in dieser Saison bereits mehrfach in den letzten Minuten Punkte abgegeben; warum reicht die Konzentration nicht über die gesamte Distanz?
Djourou: Andererseits hat die Mannschaft in der Hinrunde aber auch schon Spiele in den letzten Augenblicken gewonnen: 3:2 gegen Werder Bremen durch ein Tor von Huszti. Und auch in der Europa League in Helsingborg gelang der Sieg noch in der Nachspielzeit, obwohl der Gegner in der letzten Minute gerade erst den Ausgleich erzielt hatte.
ran.de: Macht sich möglicherweise auch der Kräfteverschleiß durch das große Pensum in dieser Saison bemerkbar?
Djourou: Nein, das ist kein Problem.
ran.de: In einem Ihrer ersten Interviews haben Sie gesagt, 96 habe die Qualität sich für die Champions League zu qualifizieren; momentan sieht es aber eher so aus, als sei es eine Herkules-Aufgabe, auch "nur" die Europa League zu erreichen...
Djourou: Erneut einen internationalen Wettbewerb zu erreichen, wäre für den Klub fantastisch. Man sollte sich stets hohe Ziele setzen und ambitioniert bleiben. Das halte ich für sehr wichtig im Sport. Es geht darum, immer nach dem Maximum zu streben und alles dafür zu tun, um erfolgreich zu sein. In der Bundesliga kommen für uns jetzt die entscheidenden Spiele gegen die direkten Konkurrenten im Kampf um die Teilnahme am internationalen Wettbewerb, wie zum Beispiel Hamburg, Frankfurt und Mönchengladbach.
ran.de: Nach dem 1:3 in Machatschkala muss für ein etwaiges Weiterkommen in der Europa League auf jeden Fall eine deutliche Leistungssteigerung her; ist 96 aktuell dazu in der Lage (ab 19.45 Uhr im Livestream bei ranON und ab 20.15 Uhr live bei kabeleins)?
Djourou: Ja! Zu Hause, vor unseren Fans, die ein toller Rückhalt für uns sind, ist alles möglich. In 90 Minuten, in 120 Minuten oder möglicherweise sogar in einem Elfmeterschießen.
ran.de: Machatschkala kann einerseits in der Winterpause für 35 Millionen Euro den Brasilianer Willian verpflichten, spielt aber andererseits vor gerade einmal 7.000 Zuschauern; kommt man da bisweilen ins Grübeln, ob sich der Profi-Fußball in eine falsche Richtung entwickelt?
Djourou: Jeder Klub hat seine eigene Strategie. Und wie die aussieht, das sollte man auch demjenigen Klub überlassen. Mein Thema ist das jedenfalls nicht.
ran.de: Russische Mannschaften scheinen grundsätzlich auf dem Vormarsch, Rubin Kasan etwa hat bei Titelverteidiger Atletico Madrid 2:0, Zenit St. Petersburg gegen Liverpool mit demselben Ergebnis gewonnen; ist die russische Liga ein schlafender Riese?
Djourou: Die Spitzenklubs haben tolle Möglichkeiten, es ist viel Kapital vorhanden. Für den nachhaltigen Erfolg sind aber auch Titel notwendig, und St. Petersburg hat mit dem Gewinn des UEFA-Pokals 2008 bereits ein Zeichen gesetzt. Anschi Machatschkala ist mit der ersten internationalen Teilnahme gewissermaßen noch ein Newcomer. Aber diese Klubs werden ihren Weg machen, und vielleicht kommt ein russisches Team sogar ins Finale. Allerdings hoffe ich sehr, dass Anschi ab Donnerstagabend nicht mehr zu den möglichen Anwärtern gehört (lacht).
ran.de: Sie selbst haben für Arsenal London in der Premier League gespielt. Im Achtelfinale der Champions League muss sich Ihr Ex-Team mit dem FC Bayern auseinandersetzen; wer ist Ihr Favorit?
Djourou: Bayern hat eine super Mannschaft, aber ich hoffe natürlich auf ein Weiterkommen von Arsenal. Das ist mein Klub, und ich fiebere mit den Jungs. Neben Barcelona ist Bayern aber ohne Frage die schwierigste Aufgabe, die Arsenal zugelost werden konnte.
ran.de: Haben Sie aktuell Kontakt zu Ihren ehemaligen „Gunners“-Mannschaftskameraden Lukas Podolski und Per Mertesacker?
Djourou: Ja, natürlich! Beide haben mir vor meinem Wechsel auch viel über die Bundesliga erzählt. Und mit Per, der bekanntlich selbst in Hannover gespielt hat, ist der Kontakt besonders eng.
ran.de: Während Ihrer Zeit bei Arsenal haben Sie es in der Liga oder in der Champions League auch mit Topstürmern wie Lionel Messi oder Didier Drogba zu tun bekommen; gegen Machatschkala müssen Sie sich nun mit Samuel Eto’o auseinandersetzen; hat Eto’o noch die Klasse wie zu seiner Zeit beim FC Barcelona?
Djourou: Eto’o ist noch immer ein großer Stürmer und für Anschi extrem wertvoll. Gegen ihn, wie auch die ganze Mannschaft, müssen wir am Donnerstag sehr aufmerksam agieren.
ran.de: Sehen Sie Stürmer von annähernd ähnlicher Güte auch in der Bundesliga?
Djourou: Man sollte nicht ständig Vergleiche anstellen, aber Kießling, Lewandowski, Mandzukic oder auch Reus sind tolle Stürmer mit individueller Klasse. Zudem finde ich auch, dass wir bei 96 mit Mame Diouf, Moa Abdellaoue, Artur Sobiech, Didier Ya Konan und Jan Schlaudraff hervorragende Angreifer haben. Und ich hoffe, dass sie am Donnerstag die entscheidenden Tore erzielen, die uns doch noch in die nächste Runde bringen.
ran.de: Wie schätzen Sie die Bundesliga grundsätzlich im internationalen Vergleich ein?
Djourou: Ehrlich gesagt war ich sogar etwas überrascht, nachdem ich die ersten Spiele bestritten hatte. Technik, Tempo und Taktik sind absolutes Top-Niveau, und es gibt keine großen Unterschiede zur Premier League. In der Bundesliga wirst Du jede Woche voll gefordert. Und auch ein Team aus dem Tabellenkeller verlangt dir alles ab und kann dir das Leben wirklich schwer machen. Ich mag diese Liga.
ran.de: Was beeindruckt Sie sonst noch?
Djourou: Die Fans sind super. In jedem Stadion herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Die Fans sind leidenschaftlich, erscheinen schon lange vor dem Anpfiff und pushen ihr Team. Großartig!
ran.de: Würden Sie im Sommer gerne bei 96 bleiben, vielleicht auch dann, wenn es nicht für eine erneute Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb reichen sollte?
Djourou: Diese Frage stellt sich aktuell nicht. Wir werden das zum Sommer hin entscheiden und ich werde mit beiden Klubs sprechen: Was will Arsenal, wo ich ja noch Vertrag habe; was plant Hannover 96? Wie gesagt, wir werden das bereden, wenn es an der Zeit ist. Aber erst im Sommer, jetzt ist noch Winter.
Hannover 96 vs. Anschi im Livestream auf ran.de




























