06.03.13Europa League

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Berthold: "Lazio ist der klare Favorit"

Vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Europa League zwischen dem VfB Stuttgart und Lazio Rom (ab 18:30 Uhr im Livestream auf ran.de und im TV bei kabel eins) spricht der ehemalige VfB-Abwehrrecke Thomas Berthold im Exklusiv-Interview mit ran.de über die Chancen auf das Weiterkommen seines Ex-Klubs, die Stärken von Lazio Rom und kritisiert das Urteil der UEFA bezüglich des Geisterspiels scharf.

Sieht den VfB Stuttgart gegen Lazio Rom in der Außenseiter-Rolle: Thomas Berthold
Sieht den VfB Stuttgart gegen Lazio Rom in der Außenseiter-Rolle: Thomas Berthold © imago

ran.de: Herr Berthold, sowohl im DFB-Pokal als auch in der Europa-League ist der VfB in dieser Saison voll im Geschäft. Warum ist das Team gerade in K.o.-Spielen zur Stelle, obwohl es in der Bundesliga nicht wirklich rund läuft?

Thomas Berthold: Man muss das immer in Relation setzen und darf nicht vergessen, dass der VfB im DFB-Pokal drei Heimspiele gegen Zweitligisten hatte. Auch in der Europa League waren bisher keine großen Kaliber dabei. Die Gegner waren, bei allem Respekt vor Genk, Kopenhagen oder Molde, recht bescheiden und gehören beileibe nicht zu den Spitzenteams der Europa League. Erst am Donnerstag erwartet den VfB mit Lazio Rom (ab 18:30 Uhr im Livestream auf ran.de und im TV bei kabel eins) ein erster, echter Gradmesser.

ran.de: Was glauben Sie sind die Gründe dafür, warum der VfB Stuttgart in der Bundesliga seinen Ansprüchen bisher so deutlich hinterher hinkt?

Berthold: Die Mannschaft wirkt sehr inkonstant und hat Höhen und Tiefen. Die Leistungen sind sehr schwankend, wobei qualitativ auch die Alternativen fehlen. Im Angriff haben die Stuttgarter in der Winterpause zwar etwas nachgebessert, doch ist man noch viel zu sehr von Vedad Ibisevic abhängig, der zurzeit wie auch Martin Harnik nicht auf dem Leistungsniveau agiert wie zu Beginn der Saison. Und wenn man keine Alternativen schafft, dann stimmen irgendwann die Ergebnisse nicht mehr und dann befindet man sich dort, wo sich der VfB eben gerade befindet - im grauen Mittelfeld!

ran.de: Sie selbst haben einst in Rom gespielt, allerdings beim Stadtrivalen AS Rom. Wie haben Sie die fanatischen Lazio-Fans damals erlebt?

Berthold: Das muss man einfach mal erlebt haben. AS Rom gegen Lazio Rom ist das brisanteste Derby in Italien, da ist eine ganz andere Dynamik drin, auch weil es dort vielmehr organisierte Ultras gibt als bei uns in Deutschland. Wobei sich das in den vergangenen Jahren auch gewandelt hat, die Stadien sind im Gegensatz zu früher ja bei weitem nicht mehr so oft ausverkauft.

ran.de: Welchen Stellenwert hat Lazio Rom in Italien?

Berthold: Lazio hat eine Mannschaft, die in der Liga um die Spitzenplätze mitspielt. Das haben die Römer vor allem dem Präsidenten Claudio Lautito zu verdanken, der in den vergangenen Jahren einen riesigen Schuldenberg abgearbeitet hat. Das kann man gar nicht hoch genug anrechnen. Und auch international kann Lazio eine gute Rolle spielen. Das hat zuletzt ja auch Borussia Mönchengladbach zu spüren bekommen.

ran.de: Wo sehen Sie die Stärken des Gladbach-Bezwingers?

Berthold: Lazio spielt, wie generell alle italienischen Mannschaften, taktisch sehr diszipliniert. In der Defensive machen sie kaum individuelle Fehler. Doch auch vorne sind die Italiener gefährlich. Die Angreifer lassen kaum eine Chance aus und sind eiskalt vor dem Tor.

ran.de: Abgesehen von Miroslav Klose, der gegen Stuttgart ja nicht spielen kann, welche Spieler der Römer sind Ihrer Meinung nach besonders gefährlich?

Berthold: Da muss man sicherlich Hernanes nennen. Er zieht die Fäden und ist der herausragende Spieler im Mittelfeld der Römer.

ran.de: In der Liga läuft es bei den Italienern allerdings momentan nicht rund. Ist das möglicherweise ein Vorteil für den VfB?

Berthold: Nein, das glaube ich nicht. Im Laufe einer Saison gibt es immer mal wieder Phasen, in denen es mal nicht so läuft. Zudem hat Lazio nicht die personellen Möglichkeiten wie zum Beispiel Juventus Turin. Dennoch wird Lazio um die Champions-League-Plätze mitspielen und auch in der Europa League ein gehöriges Wörtchen mitreden.

ran.de: Was wird entscheidend sein für die Schwaben, um sich für das Rückspiel eine gute Ausgangsposition zu verschaffen?

Berthold: Entscheidend wird sein, dass der VfB zu Null spielt. Ein 1:0 wäre eigentlich ein Traumergebnis, aber das wird sehr schwer werden.

ran.de: Blicken wir noch kurz ein wenig voraus. Das Rückspiel in Rom wird ein "Geisterspiel" ohne Zuschauer werden…

Berthold: Das ist sehr schade für alle Fans. Man sollte sich in solchen Fällen einen gewissen Handlungsspielraum offen lassen. Denn ein Fußballspiel ohne Zuschauer, was soll das?!

ran.de: Halten Sie diese Strafe der UEFA nicht für angemessen?

Berthold: Ich finde generell, dass der Fußball gerade bei internationalen Spielen vom Publikum lebt. Geldstrafen sind absolut okay, aber ich glaube nicht, dass sich die Leute von "Geisterspielen" abschrecken lassen. Bei solchen drastischen Maßnahmen gibt es eigentlich nur Verlierer. Und vor allem der Fußball verliert auf der ganzen Strecke!

ran.de: Für den VfB ist das "Geisterspiel" also kein Vorteil?

Berthold: Nein, das ist für kein Team ein Vorteil, da beide Mannschaften es nicht gewohnt sind, vor leeren Rängen aufzutreten.

ran.de: Wie sieht abschließend Ihr persönlicher Tipp aus: Welche Mannschaft zieht ins Viertelfinale ein?

Berthold: Lazio ist der ganz klare Favorit in diesem Duell. Ich drücke dem VfB aus alter Verbundenheit natürlich ganz fest die Daumen, allerdings werden das ganz schwere Spiele werden.

© ran.de / Robin Schmidt

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