ran.de: Herr Daems, Sie mussten wegen einer Infektion am Bein im Spiel gegen Freiburg passen; wie geht es Ihnen nun?
Filip Daems: Gut. Ich kann wieder voll trainieren.
ran.de: In der letzten Saison fehlten Sie als einziger Borusse kein einziges Mal, trotzdem verpflichtete der Klub mit Oscar Wendt einen Topspieler für Ihre Position...
Daems: Das ist normal. Ich selbst war mit meinen Leistungen in der Hinrunde der vergangenen Saison in keiner Weise zufrieden. Damals konnte bei uns niemand mit sich zufrieden sein. Die Rückrunde lief dann bekanntlich wesentlich besser, für die Mannschaft, aber auch für mich. Wir alle haben uns stabilisiert. Und bisher hält das auch in dieser Saison an.
ran.de: Macht es Sie nicht nervös, wenn Ihnen ein Mann wie Wendt im Nacken sitzt?
Daems: Nein. Selbstverständlich nimmt man aber zur Kenntnis, dass die Konkurrenz deutlich größer geworden ist. Trotzdem habe ich in der Vorbereitung nichts anders gemacht, als in den Jahren zuvor. Und auch jetzt gebe ich in jedem Training Gas, um die guten Leistungen der letzten Monate zu bestätigen.
ran.de: Wenn es mal nicht rund läuft, wie zwischenzeitlich in der vergangenen Saison, neigen Sie dann zu Selbstzweifeln?
Daems: Nein, Selbstzweifel wäre das falsche Wort. Aber ich überprüfe mich selbst nach jedem Spiel und nach jedem Training sehr kritisch. Es reicht auch nicht, hin und wieder ein gutes Spiel zu machen, und sich dann darauf auszuruhen. Gerade dann, wenn es nicht so gut läuft, ist Stehvermögen gefragt. Anders kommt man aus solchen Situationen nicht heraus.
ran.de: Der Fußball der Borussia hat sich mit Trainer Lucien Favre ohne Frage verändert, hat sich Ihr persönliches Spiel auch geändert?
Daems: Der Trainer hat vom ersten Augenblick sein Augenmerk auch auf die noch so kleinen Details gelegt, und das hat uns allen gut getan. Auch wenn ich mittlerweile fast 33 Jahre alt bin und seit 13 Jahren als Profi spiele, ist es nicht zu spät, noch dazuzulernen. Und ich denke, dass es uns bis jetzt ganz gut gelingt, das, was der Trainer anspricht, auch umzusetzen.
ran.de: Ist Favre der Typ Trainer, der sich selbst, aber auch seine Spieler auf den nächsten Gegner mit stundenlangen Videoanalysen vorbereitet?
Daems: Ich glaube in der Tat, dass unser Trainer sehr viele DVDs schaut. Mit Hilfe seiner Erkenntnisse stellt er uns dann auf jeden Gegner sehr akribisch ein und zeigt uns die Stärken und Schwächen.
ran.de: Betont Favre die Stärken des eigenen Teams oder richtet er seine Taktik eher nach dem Gegner aus?
Daems: Wie gesagt, er zeigt uns die Stärken und Schwächen des Gegners durchaus kurz im Bild. Grundsätzlich aber liegt sein Fokus darauf, dass wir in der Lage sind unser Spiel unabhängig vom jeweiligen Gegner gestalten zu können.
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Wo landet Borussia Mönchengladbach in der Saison 2011/2012?
ran.de: Was zu gelingen scheint, wenn man Favres Bilanz mit der seines Vorgängers Michael Frontzeck vergleicht...
Daems: Ich möchte nicht alles schlecht reden, was vor Favre war, dazu besteht kein Grund. Aber es stimmt, dass es uns heute leichter fällt, das Spiel in die eigene Hand zu nehmen. Das hat sich zuletzt z. B. in den Partien gegen Kaiserslautern oder Nürnberg gezeigt. Gegen diese Gegner hatten wir in der Vergangenheit zuhause häufig Schwierigkeiten. Jetzt aber gelingt es uns, diesen Teams in unserem Stadion auch unser Spiel aufzuzwängen und, wenn nötig, auch die Geduld zu haben, auf die vielleicht nur einzige Chance im Spiel zu warten.
ran.de: Favre hat in "Bild" gesagt, dass die Mannschaft "schon lange über dem Maximum" spielen würde, und dass "ein Spitzenplatz unrealistisch" sei; spielen Sie persönlich zurzeit über Ihrem Maximum?
Daems: Ich möchte die Frage lieber allgemein verstanden wissen. Ich sehe unsere bisherigen Leistungen und unseren aktuellen Tabellenstand als reine Momentaufnahme. Zwischen Platz Zwei und Platz Neun liegen gerade einmal drei Punkte und damit ein einziger Sieg. Deshalb wäre fatal, diese Tabellenkonstellation zu überbewerten. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir unsere Position nicht solange wie eben möglich verteidigen möchten. Und wenn ich unsere bisherigen Spiele noch einmal Revue passieren lasse, dann kann ich nicht erkennen, dass wir auch nur einen einzigen unserer 16 Punkte nicht verdient hätten. Es ist gewiss kein Zufall, dass wir zurzeit Dritter in der Tabelle sind.
ran.de: Dynamo Moskaus Andrey Voronin ist vor zwei Jahren unter Favre mit Hertha nur knapp am Titel gescheitert; Voronin glaubt, dass Borussia eine ähnliche Entwicklung nehmen könnte...
Daems: Es gibt auch immer wieder Stimmen, die sagen, dass wir eine ähnliche Entwicklung nehmen könnten wie Hannover 96 in der vergangenen Saison. Das ehrt uns natürlich. Trotzdem denke ich, dass es viel zu früh ist, über so etwas zu reden. Wichtig ist jetzt erst einmal, dass wir weiterhin stabil bleiben. Ein verlorenes Spiel, wie das am letzten Samstag in Freiburg, wo man eigentlich zwingend etwas hätte mitnehmen müssen, darf uns nicht umwerfen.
ran.de: Niederlagen sind nie willkommen, aber glauben Sie, dass dem Trainer die in Freiburg ganz Recht kommt, um die Euphorie etwas zu dämpfen?
Daems: Wir waren die bessere Mannschaft und wir wollten auch dieses Spiel unbedingt gewinnen. Aber die knappe Niederlage zeigt ebenso wie unsere Siege, dass viele Spiele sehr eng sind, und alles sehr nah beisammen liegt. Es sind oft die Kleinigkeiten, die entscheiden, wie ein abgefälschter Schuss etc. Das hat der Trainer immer betont, und das weiß auch jeder Spieler. Möglicherweise aber hilft es uns, wenn die Erwartungen im Umfeld nicht allzu sehr ausufern.
ran.de: Nach der Länderspielpause empfängt die Borussia Bayer Leverkusen, dann folgen mit Hoffenheim, Hannover, Bremen und Dortmund weitere harte Brocken; machen Sie sich Sorgen, dass Freiburg der Beginn einer Negativ-Serie sein könnte?
Daems: Nein. Aber nach diesen Spielen und wenn erst einmal 14, 15 Spieltage absolviert sind, wird man schon eher beurteilen können, wohin die Reise geht. Zunächst aber zählt ohnehin nur Leverkusen. Bayer ist eine richtig gute Truppe, mit großer Qualität vor allem im Spiel nach vorne. Leicht wird das also nicht. Trotzdem ist es etwas ganz anderes, in eine solche Partie ohne den enormen Druck gehen zu können, den man hat, wenn man ganz unten und einem das Wasser bis zum Hals steht.
ran.de: Ganz so schlimm sieht es für Belgien in der EM-Qualifikation nicht aus; was trauen Sie der belgischen Nationalmannschaft am kommenden Dienstag gegen Deutschland zu?
Daems: Ich denke, dass Belgien gar nicht allzu bescheiden sein muss, denn der belgische Fußball steht mittlerweile wieder ganz ordentlich da. Wenn man z. B. die Resultate in der Europa League sieht, dann liest sich das richtig gut. Standard Lüttich, der FC Brügge und auch der RSC Anderlecht sind in ihrer jeweiligen Gruppe Tabellenführer. Und was die Nationalmannschaft betrifft: Noch ist das Team zwar nicht so zusammengewachsen wie z. B. die deutsche Elf. Aber es gibt viele junge Spieler wie Vertonghen von Ajax Amsterdam, wie Witsel von Benfica Lissabon oder Hazard vom OSC Lille, die schon bei großen internationalen Klubs spielen und sich dort weiter entwickeln können.
















