Amsterdam - Der Klassiker gegen die Niederlande verkommt zur Farce - und zum ungewollten Test für eine B-Elf. Nachdem am Montag auch noch kurzfristig Mesut Özil und Miroslav Klose für das Prestigeduell am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) gegen den Erzrivalen abgesagt und die Zahl der Ausfälle auf neun erhöht hatten, war Bundestrainer Joachim Löw mehr denn je als Improvisationskünstler und Krisenmanager gefragt - zumal immer noch das historische 4:4 gegen Schweden nachwirkt.
Oliver Bierhoff: "Ein wichtiger Test"
Das "einmalige Negativerlebnis" der deutschen Fußball-Nationalmannschaft rückte bei Löw angesichts des heftigen Personalwirbels aber erst einmal völlig in den Hintergrund. Innerhalb von wenigen Stunden waren die Planungen des 52-Jährigen für die brisante Partie gegen Oranje mit Bondscoach Louis van Gaal ad absurdum geführt worden. Anstatt die DFB-Auswahl wie geplant in Bestbesetzung in die AmsterdamArena schicken zu können, um zum Jahresabschluss Wiedergutmachung zu betreiben und erneute Diskussionen im Keim zu ersticken, muss Löw nun den Mangel verwalten.
Teammanager Oliver Bierhoff war nach der Ankunft in Amsterdam trotz der großen Not bemüht, die selten erlebte Absagenflut nicht überzubewerten. "Dass es bei der Nominierung ein paar Probleme gegeben hat, ist nicht optimal. Das ist aber ein wichtiger Test und die Möglichkeit für die Trainer, den ein oder anderen Spieler zu testen. Trotz aller Lamentis ist so ein Spiel machbar", sagte Bierhoff im Mariott-Hotel, wo die stark dezimierte DFB-Auswahl bis Donnerstagmorgen ihr Quartier aufgeschlagen hat.
Lews Holtby nachnominiert
In Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Marcel Schmelzer und Jerome Boateng hatten am Sonntag bereits vier Spieler ihre Teilnahme abgesagt. Am Montag zogen Real Madrids Spielmacher Özil wegen muskulärer Probleme und Torjäger Klose wegen einer Grippe nach. Holger Badstuber und Sami Khedira sowie Mario Gomez standen ohnehin wegen Verletzungen nicht zur Verfügung.
Löw nominierte bereits am Sonntagabend Sven Bender von Borussia Dortmund und Sebastian Jung von Eintracht Frankfurt, neben Roman Neustädter zweiter Neuling im nunmehr noch 19-köpfigen DFB-Kader, nach. Am Montag lud er dann noch den Schalker Lewis Holtby (22), Kapitän der deutschen U21, ein.
Bierhoff widersprach aber Vermutungen, dass möglicherweise die Gründe für die Absagen bei einigen Spielern nur vorgeschoben sein könnten. "Uns ärgert, dass wir die Spieler nicht hier haben. Aber wir haben so viel Vertrauen in die Spieler und die Vereine. Wir haben klare Rückmeldungen", betonte der 44-Jährige.
Joachim Löw gehen die Stürmer aus
Die Probleme von Löw sind abgesehen von der Torwart-Position, auf der Rückkehrer Rene Adler nach zweijähriger Abstinenz auf sein Comeback hofft, in allen Mannschaftsteilen riesig. Vor allem in der Defensive muss er improvisieren.
So wird voraussichtlich Kapitän Philipp Lahm wieder auf die linke Seite rücken. Benedikt Höwedes, aber auch Jung wären die Kandidaten für rechts. Im defensiven Mittelfeld werden wohl Lars Bender und Ilkay Gündogan die abwesenden Khedira, Schweinsteiger und Kroos vertreten.
Aber auch der Sturm wird für den Bundestrainer nach der Absage des 126-maligen Nationalspielers Klose, am Sonntag unter den Augen von Löw noch Torschütze im römischen Derby, zur Baustelle. Der 34-Jährige war der einzige echte Stürmer im Aufgebot, da der Münchner Gomez immer noch ausfällt und Stefan Kießling von Bayer Leverkusen weiter keine Rolle spielt. Er sei vor dem Abschlusstraining am Dienstag "hoffnungsfroh, dass Hansi Flick mich noch anruft", witzelte Bierhoff.
Um die Belastung für die Profis zwischen Liga, Pokal und Europacup möglichst gering zu halten, verzichtete Löw am Montag auch auf das geplante Training. Stattdessen fand eine Regenerationseinheit im Hotel statt. Zudem waren noch einige Gespräche mit Blick auf das peinliche 4:4 gegen Schweden angesetzt.
Mats Hummels: "Haben trotzdem eine Supermannschaft"
Allzu lange will sich Löw aber damit nicht mehr aufhalten. Das wäre "pädagogisch ein falscher Ansatz". Klar sei aber, "dass die Aufarbeitung dieser 30 Minuten ein ständiger Prozess ist. Das wird uns auch im nächsten Jahr begleiten." Die Mannschaft müsse lernen, "den Spagat zwischen attraktivem und effizientem Fußball" zu schaffen, ergänzte Bierhoff. Schon gegen die Niederlande soll dies gelingen.
"Wir wollen gegen eine hochmotivierte holländische Mannschaft gewinnen. Das ist ein Klassiker mit besonderer Brisanz", betonte der Teammanager. Auch Innenverteidiger Mats Hummels unterstrich, dass die Partie "keinen Freundschaftsspielcharakter besitzt. Dazu ist die Rivalität zu groß".
Ausreden will der Dortmunder trotz der vielen Ausfälle nicht gelten lassen: "Es wird nicht an der fehlenden Qualität scheitern. Wir haben trotzdem eine Supermannschaft auf dem Platz."
Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung:
Neuer - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Lahm - Lars Bender, Gündogan - Müller, Schürrle, Reus - Podolski










































