18.08.09

"ran" steht für Innovation

Die Kultsendung „ran“ ist zurück! Fußball-Fans dürfen sich auf eine Europapokal-Saison freuen, in der alle Spiele im Free-TV endlich auch bei einem einzigen Sender zu sehen sein werden. Für geballte Kompetenz am Mikro sorgen dann die erfahrenen Kommentatoren Wolf-Christoph Fuss, Hansi Küpper, Erich Laaser und Holger Pfandt.

Erich Laaser kommentiert die UEFA Champions League.
Quelle: Sat.1
Erich Laaser kommentiert die UEFA Champions League.

Im ersten Teil des Exklusiv-Interviews sprechen die vier Fußball-Experten mit Andreas Kötter über die Champions League-Partie des VfB Stuttgart gegen den rumänischen Vize-Meister FC Timisoara, die über den Einzug in die Gruppenphase entscheidet, über die Chancen von Bayern und Wolfsburg und auch über die ersten Auftritte der drei deutschen Europa League-Starter Hertha BSC Berlin, Werder Bremen und Hamburger SV.

 

Frage: Herr Fuss, Herr Küpper, Herr Pfandt: Was bedeutet die Rückkehr der Marke „ran“ für den Fußball?

Hansi Küpper: 1992 war ich Hörfunk-Reporter beim WDR und erinnere mich, dass mit dem Start von „ran“ damals zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Bundesliga auch über Fernsehen und nicht nur über den Sport gesprochen wurde. Jeder über 25 weiß, wofür diese drei Buchstaben stehen, und ein größeres Kompliment kann man kaum machen.

Holger Pfandt: Dass der Fußball heute ganz anders wahrgenommen wird, als zu den verstaubten Zeiten der „Sportschau“, das hat ursächlich ohne Frage mit „ran“ zu tun. Und wenn man ganz ehrlich ist, dann ist die „Sportschau“ heute ein Abziehbild dessen, was „ran“ in Sachen Bundesliga-Berichterstattung schon vor mehr als anderthalb Jahrzehnten geleistet hat.

Wolf-Christoph Fuss: „ran“ hat die Fußball-Berichterstattung im Fernsehen ohne Frage revolutioniert. Und ich glaube, dass es der Fernseh-Landschaft auch heute wieder gut tut, wenn eine solche Marke zurückkehrt.

Erich Laaser: „ran“ stand immer für Innovation und dafür, ganz nah am Geschehen zu sein. Und das erwarte ich nun natürlich auch bei der Rückkehr von „ran“.

 

Frage: Ob Premiere, DSF, Arena etc. - Sie alle blicken bereits auf langjährige Erfahrung bei den zu ihrer Zeit jeweiligen Marktführern zurück; wie ordnen Sie jetzt „ran“ in Ihr persönliches Portfolio ein?

Erich Laaser: Ich habe bekanntlich unter der Marke „ran“ schon elf Jahre gearbeitet, das unterscheidet mich von den Kollegen. Da kann man schon von einem zweiten Frühling und von Frühlingsgefühlen sprechen.

Küpper: Ich habe zwar auch schon eine Menge erlebt, dennoch ist dieses Engagement für mich etwas ganz Besonderes, weil ich zum ersten Mal seit meiner Zeit bei TM3 nun wieder fürs Free-TV arbeite.

Pfandt: Ich war unheimlich stolz, als der Anruf von „ran“ kam. Wenn man lange im Pay-TV gearbeitet hat, lockt das Free-TV mit einer Reichweite, die einem das Pay-TV niemals bescheren kann. Ich freue mich wahnsinnig auf die Arbeit mit einem klasse Team.

Fuss: Ein klasse und auch ein kleines Team, aber hochkreativ. Natürlich können und wollen wir den Fußball nicht neu erfinden. Es werden immer 90 Minuten und immer elf gegen elf sein. Aber wir haben den Anspruch, die Berichterstattung so unterhaltsam wie möglich zu machen.

 

Frage: Mit welchen Mitteln?

Fuss: Man könnte z. B. auch während des Spiels einen Experten einbinden, der irgendwo im Stadion auf der Tribüne sitzt. Möglicherweise werden wir das mit Franz Beckenbauer schon beim Champions League-Spiel des VfB Stuttgart gegen den FC Timisoara umsetzen.

 

Frage: VfB Stuttgart gegen FC Timisoara: Glauben Sie, dass die Schwaben gegen die Rumänen den Einzug in die Gruppenphase klar machen?

Küpper: Davon bin ich überzeugt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass der VfB über sich selbst stolpert.

Pfandt: Man darf sich im Fußball nie zu sicher sein. Immerhin steht hinter Timisoara ein millionenschwerer Ölmagnat. Ruft der VfB aber sein geballtes Potenzial ab, dann sollte er diese Hürde locker überspringen.

 

Frage: Immerhin hat Timisoara Schachtjor Donezk ausgeschaltet und damit den UEFA-Cup-Sieger von 2009...

Laaser: Das ist in der Tat eine beachtliche Leistung von Timisoara. Dennoch bin ich überzeugt, dass der VfB diese Hürde in den beiden Partien überspringen wird.

Fuss: In Deutschland neigt man dazu, mehr oder weniger unbekannte Gegner zu überhöhen. Respekt ist schön und gut. Aber der VfB hat einen Etat irgendwo zwischen 40 und 50 Millionen Euro, Timisoara liegt vielleicht bei 15, 20 Millionen, also auf dem Niveau eines guten deutschen Zweitligisten. Das darf für den VfB einfach kein Stolperstein sein.

Pfandt: Wenn doch, dann hätte man in der Königsklasse auch nichts verloren.

 

Frage: Was trauen Sie den drei deutschen Vertretern, Wolfsburg, Bayern München und eben Stuttgart, dann ab der Gruppenphase zu?

Fuss: Keiner der drei wird nach der Gruppenphase ausscheiden, sondern als Dritter mindestens die Europa League erreichen.

Laaser: Die Bayern haben aufgrund ihrer Europapokal-Historie die besten Voraussetzungen in den Lostopf der gesetzten Mannschaften zu kommen. Das würde „leichtere“ Gegner mit sich bringen. Im Frühjahr werden sie daher auf jeden Fall noch dabei sein. Und bei Stuttgart und Wolfsburg hängt wohl viel an der Auslosung und daran, wie man die Doppelbelastung aus Liga und Königsklasse verkraftet.

Küpper: Ich glaube, dass wir noch damit leben müssen, dass wir uns im europäischen Ranking irgendwo zwischen Platz sieben und fünfzehn bewegen. Wenn alles gut läuft, dann kann es auch mal ein Halbfinale werden, ansonsten Viertel- oder auch nur Achtelfinale. Aber die Zeit arbeitet für uns. Die Bundesliga ist gesund, während viele der anderen europäischen Topligen durchaus Probleme haben.

 

Frage: Wenn Sie „Halbfinale“ sagen, dann meinen Sie in erster Linie die Bayern?

Küpper: Ja. Allerdings ist Wolfsburg ein hoch verdienter deutscher Meister mit einer überragenden Rückrunde gewesen. Der Kader ist zusammen geblieben und man hat ihn mit 20 Millionen noch einmal verstärkt. Mit dem VfL ist ohne Frage eine ganz neue Qualität in den deutschen Fußball gekommen.

Pfandt: Vom deutschen Meister und vom deutschen Rekordmeister erwarte ich auf jeden Fall weit mehr, als von Stuttgart. Für Wolfsburg und Bayern sollte das Achtelfinale daher machbar sein. Und bei optimalem Verlauf traue ich den Münchnern auch das Halbfinale zu, immer vorausgesetzt, dass sich die Mannschaft von Louis van Gaal im Laufe der Saison findet.

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