East Rutherford/Rio de Janeiro - Keine Riesenparty, kein Gegner mit klangvollem Namen, an einem Spielort ohne Fußballhistorie: Der 1000. Auftritt einer brasilianischen Selecao am Mittwoch (19.30 Uhr OZ/Donnerstag, 1.30 Uhr MEZ) gegen Kolumbien in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey hätte sicherlich einen würdigeren Rahmen verdient.
Dennoch verkündet Nationaltrainer Mano Menezes ungeachtet der Umstände: "Ohne jeden Zweifel ist dies etwas Spezielles für alle, die an diesem Moment teilhaben." Schließlich hatte sein Arbeitgeber, der brasilianische Verband CBF, die Partie überraschend Ende Oktober zum Jubiläumsspiel "Jogo 1000" erklärt.
"Die Engländer haben den Fußball erfunden, die Brasilianer haben ihn perfektioniert"
Die zugrunde liegenden Statistiken will die Dachorganisation des Rekord-Weltmeisters vorerst nicht veröffentlichen. Partien gegen regionale Auswahlmannschaften oder Klubteams wurden vermutlich ebenso mitgezählt, wie diejenigen der Olympiamannschaften.
Ob tausend Spiele oder ein paar weniger, die Südamerikaner können für sich den Anspruch erheben, den britischen Rasenkampf zur verspielten Kunstform, dem "Jogo Bonito", hochstilisiert zu haben. "Os ingleses o inventaram, mas os brasileiros o aperfeicoaram": Der Spruch, dass die Engländer den Fußball erfunden haben, aber die Brasilianer ihn perfektionierten, ist nicht nur am Zuckerhut gängige Meinung.
Alles begann am 21. Juli 1914 auf einem pittoresken Fußballgelände in Rio de Janeiro, umrahmt von Palmen und einem kolonialen Klubgebäude, vor 5000 Schaulustigen mit einem 2:0 einer Auswahl von damals noch Amateuren gegen den englischen Profiklub Exeter City. Der Weltruhm kam aber erst mit Jahrhundert-Fußballer Pele.
Große Namen sorgten für Titel: Pelé, Garrincha, Romario, Ronaldo
Edson Arantes do Nascimento feierte 1957 im Alter von 16 Jahren und 257 Tagen sein Debüt im kanariengelben Trikot und führte die Selecao bereits ein Jahr später zum ersten WM-Titel. Der Rekordtorschütze (77 Tore in 92 Länderspielen) krönte sich dann mit dem WM-Triumph 1970 endgültig zum "Rei" (König).
Der WM-Erfolg 1962 ist untrennbar mit dem Namen von Dribbelkünstler Garrincha verbunden. Romarios Tore sicherten 1994 Titel Nummer vier. Rekord-Nationalspieler Cafu (149 Länderspiel) nahm 2002 in Yokohama die WM-Trophäe entgegen, nachdem WM-Toptorjäger Ronaldo zwei seiner insgesamt 15 Endrunden-Treffer ausgerechnet im Finale gegen Deutschland (2:0) markiert hatte.
Die drei Titel des Rekordsiegers beim Confed Cup sowie acht kontinentale Meisterschaften vermehren Glanz und Gloria. Es gab aber auch "schwarze Stunden": Das verlorene WM-Finale 1998 gegen Frankreich (0:3) mit Ronaldos rätselhaftem Kollaps kurz vor dem Spiel sowie die 1:2-Schmach gegen Uruguay im entscheidenden Endrundenspiel bei der WM 1950 vor 200.000 entsetzten Fans im Maracana-Stadion.
Brasilien müht sich um Rehabilitation vor der Heim-WM
Und die Gegenwart? Nach gut eineinhalb Jahrzehnten im Spitzenfeld der Weltrangliste folgte der Absturz auf Platz 13 des FIFA-Rankings. Und so hat das Team um Supertalent Neymar und "Rückkehrer" Kaka sieben Monate vor dem Confederations Cup im eigenen Land, der Generalprobe für die WM 2014, selbst im eigenen Volk Aufholbedarf in Sachen Optimismus und Zuversicht.
Auch wenn das Mano Menezes nicht so sehen will. Trotz Pleiten bei der Copa America 2011 sowie mit dem Olympia-Team in London bemerkte der Coach in Anlehnung an den auch über New Jersey hinweggefegten Hurrikan "Sandy": "Sowohl hier als auch bei uns hat sich der Wirbelsturm verzogen." Ein Sieg im "Jogo 1000" gegen Kolumbien, das derzeit in der WM-Qualifikation für Furore sorgt, würde sicherlich für Aufwind sorgen.



































