Der FC Bayern könnte so was von entspannt in die Partie gegen Borussia Dortmund gehen. Lässt man Leverkusen außer Acht, die ja bekanntlich nie Meister werden, kann man den größten Konkurrenten um den Titel fast schon uneinholbar distanzieren (14 Punkte). Alles spricht für die Münchner.
Bajuwarischer Entspannungsfaktor: der beste Kader weit und breit
Der Rekordmeister verfügt in der Mischung aus Qualität und Breite über den zweifelsfrei besten Kader des Landes. Auch in Europa rangiert er in den Top-Drei. Mit Dante, Martinez, Shaq-Attack, Mandzukic und Pizarro hat man jeden Mannschaftsteil deutlich verbessert und sich außerdem fehlenden Titelhunger ins Team geholt.
Die regelmäßigen Pausen von Robben fallen nicht mehr ins Gewicht – zumindest nicht negativ. Wenn Lahm oder Alaba nicht mitmischen können, helfen Badstuber bzw. Boateng auf den Außenpositionen aus, ohne dass in der Mitte ein belgisches Stabilitätsvakuum entsteht. Im defensiven Mittelfeld wird Schweinsteiger (wie gegen Freiburg) auch mal geschont, ohne dass gleich Timoschtschuk in der Startelf stehen muss und im Sturm ist das Duo Mandzukic-Pizarro doch ein anderer Gomez-Ersatz als dieser … äääähhh … Petersen.
Entspannung? Vielleicht mit Nerlinger
Der wichtigste Transfer des FC Bayern war allerdings Matthias Sammer. Der personifizierte Titelhunger hat nach Start-Reibereien inzwischen seine Rolle innerhalb der Bayern-Familie gefunden. Er überwacht Trainingsinhalte, die Einstellung seiner Stars auf und neben dem Spielfeld und wahrscheinlich auch die fusbook-Aktivitäten von Uli Hoeneß. Seine notorische Unzufriedenheit steckt mittlerweile sogar die Führungs-Ebene an.
Wie sonst kommt Karl-Heinz Rummenigge nach zwei Unentschieden in Folge plötzlich auf die Idee, den großen Mahner zu spielen? War es die reflexartige Erinnerung an den schwarzen November 2011? War es ein Signal, dass die bayerische Gemütlichkeit unter bzw. mit Matthias Sammer ein Ende hat? Sicher. Aber es war vor allem ein Zeichen des riesigen Respekts vor Borussia Dortmund. Oder der Angst.
Borussia Dortmund: Die Rotzlöffel werden erwachsen
Aber warum diese Reaktion? OK, die vergangenen zwei Jahre waren demütigend. Staunend schaute der FCB auf Klopps Rasselbande: Ein Kader aus Halbwüchsigen, der qualitativ mindestens auf Augenhöhe agierte, und dazu einfach Bock auf jedes noch so unwichtige Spiel hatte. Während sich die Bayern auf die Champions League und ihr "Finale Dahoam" konzentrierten, rannten Piszcek, Schmelzer und Co. sogar in Berlin, Nürnberg oder Augsburg um ihr Leben.
Das Ergebnis: Zwei Meisterschaften in Folge, eine davon garniert mit neuem Punkterekord und einem DFB-Pokalsieg. Außerdem gab es in fünf Duellen in Folge eine saftige Watsch'n für den FC Bayern.
OK, aber das ist Vergangenheit. Der FC Bayern müsste doch froh sein, die Kräfteverhältnisse wieder umgekehrt zu haben. Aber irgendwie schleicht sich ein Gefühl ein, dass das den Dortmundern relativ egal ist.
Die Rasselbande ist reifer geworden, spart sich in Düsseldorf auch mal einen Meter und wird mit einem Punktverlust bestraft. Dann wird man halt Zweiter – Leverkusen bricht sowieso noch ein. Der BVB konzetriert sich in dieser Saison auf die großen Spiele und bringt dann Leistungen auf den Platz, die in ganz Europa für Aufsehen sorgen. Einen Spieltag vor Schluss der CL-Gruppenphase steht Dortmund schon als Gruppensieger fest – und das in einer Gruppe mit Real Madrid (spanischer Meister), Manchester City (englischer Meister) und Ajax Amsterdam (holländischer Meister).
Borussia Dortmund: Bock auf die Top-Teams
Der Kader ist in der Breite nicht mit dem der Bayern zu vergleichen. Ausfälle von Gündogan, Götze, Reus, Kuba oder Lewandowski wiegen schwer. Aber der BVB spielt 2012 gegen die besten europäischen Mannschaft nicht nur hervorragenden Fußball, sondern belohnt sich auch noch effektiv dafür.
Dortmund wird von Arsene Wenger gar als ein Top-Favorit in der Königsklasse genannt. Der BVB zeigt 2012 gegen europäische Top-Klubs, zu welchen grandiosen Leistungen er in der Lage ist, wenn man nicht mehr in jedem Spiel um sein Leben rennt, sondern in den wichtigen. Und dass der FC Bayern zu den europäischen Top-Klubs gehört hatten wir ja schon.
Falls Dortmund am Samstag mit der gleichen Konzentration und Leidenschaft aufläuft wie in den Partien gegen Real Madrid, spricht viel für den sechsten Borussen-Sieg gegen die Bayern in Folge. Und in der Königsklasse könnte man erstmals seit 1997 weiter kommen als der große Rivale.
Wie entspannt es dann in München zugehen wird, kann man sich hier anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=KDX5PCDY5wU
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