ranOn-Blogger Raphael Honigstein
Die berühmte Rapid-Viertelstunde (http://www.rapidarchiv.at/spezial/rapidviertelstunde.html) wurde 2011 als UNESCO Weltkulturerbe nominiert, am Ende aber nicht akzeptiert. Unbedingt in die Liste der weltbesten Fußball-Anekdoten gehören dagegen mindestens diese fünf irrwitzigen Hütteldorfer-Geschichten:
Happel bezwingt den Panther
1954 bestritt die österreichische Nationalmannschaft mit den zwei Rapidlern Ernst Happel und Torhüter Walter Zeman ein Testspiel gegen eine Auswahl aus Vorarlberg. Beim Stand von 14:0 drehte sich Libero Happel mit dem Ball am Fuß plötzlich um, und zog aus 20 Metern aufs eigene Tor ab. Der verdutzte Zeman, der seit einem 1:0 Sieg der Österreicher in Schottland 1950 den Kampfnamen "Der Panther von Glasgow" trug, reagierte nicht mehr rechtzeitig: Vorarlberg kam so zum einzigen Torerfolg des Tages. Happel rief der Legende nach seinem Kumpel noch ein herzhaftes "Was willst du sein, der Panther von Glasgow? Des Orschloch von Hütteldorf bist!" hinterher. Gegenüber der Presse erklärte der spätere Weltklassetrainer allerdings, ihm sei der Ball beim Versuch eines langen Balles aus der Drehung leider unglücklich abgerutscht.
"Laufende" Vertragsverhandlungen
Happel bewies auch während eines Rapid-Freundschaftsspiels gegen die dänische Nationalmannschaft in Kopenhagen sein Talent für außergewöhnliche Aktionen. Rapid führte 4:0, als Happel auf einmal an der Seitenlinie auftauchte, um mit Klubsekretär Rudolf Schick die Prämien für die Spieler zu verhandeln. Die Dänen nutzten die Gunst der Stunde für eine hinterlistige Ergebniskorrektur, doch das störte - so heißt es - niemand.
Football Champ x 2
Anton “Toni” Fritsch hat ein einmaliges Double geschafft: das Eigengewächs gewann drei österreichische Meisterschaften (1964, 1967, 1968) - und 1972 auch noch den NFL-Super-Bowl mit den Dallas Cowboys. Der Trainer der Cowboys hatte den Flügelstürmer während eines Scouting-Trips in Europa als Kicker entdeckt. Fritsch kam 1976 noch einmal ins NFL-Finale und spielte später noch für die San Diego Chargers, die Houston Oilers und die New Orleans Saints.
Heiße Flirts in Dubai
Mitte der Neunziger Jahre firmierten Didi Kühbauer, Zoki Barisic, Stefan Marasek und Sergej Mandreko in Anlehnung an die "Lucky Luke"-Comics als "die Daltons" - die Viererbande war in der Rapid-Kabine für ihre anarchistischen Scherze berüchtigt. Oft zogen sie sich auch gegenseitig auf. Während eines Trainingslagers in Dubai entwickelte ein Deutsch sprechender Taxifahrer plötzlich Gefühle für Kühbauer. "Ich würde gerne zu dir kommen, würde alles für dich tun, würde einkaufen und bügeln, du müsstest dich um nichts mehr kümmern, ich bin so ein Typ", sagte er. Mandreko lachte auf dem Nebensitz, Kühbauer spielte mit: "Ja, eine Superidee, das würde mich interessieren!" Als Kühbauer ausstieg, lief ihm der Taxifahrer nach. Kühbauer ließ ihm seine Adresse und Telefonnummer, gab aber heimlich Mandrekos Daten weiter. Eine Woche später, als das Team wieder in Wien war, beschwerte sich der völlig entnervte Russe, dass ihn pausenlos ein Verehrer anrief, der - was ein Zufall!- "genau wie der Taxifahrer in Dubai" andauernd "Ich komme zu dir, ich tue alles!" in den Hörer schmachtete. Kühbauer klärte den Armen schließlich auf.
Das Angebot aus Rotterdam
1995 riefen Kühbauer und Barisic bei ihrem Stürmer-Kollegen Toni Polster an. Barisic gab sich als Feyenoord Rotterdams Präsident Jorien van den Herik aus und unterbreitete Polster mit niederländischem Zungenschlag ein höchst verlockendes Angebot. "Hier spricht Jorien van den Herik. Feyenoord will den großen Spieler Toni Polster verpflichten. Hätten Sie Interesse?" fragte Barisic. "Es ehrt mich, dass ich bei einem Klub wie Feyenoord im Gespräch bin", antwortete Polster, verwies den falschen Holländer aber an seinen Berater. Barisic ließ jedoch nicht locker. "Haben Sie Interesse?" "Ja, das könnte ich mir schon vorstellen. Aber rufen Sie meinen Berater an." Nach ein paar Minuten übernahm Kühbauer den Hörer, um die Sache mit einem "Servas, Toni" aufzulösen. Polster aber war total perplex. Am anderen Ende der Leitung wurde es still. Dann fragte er: "Was Didi, du gehst auch zu Feyenoord?"
PS: Mehr wunderbare Anekdoten finden sich in dem Buch "Rapid Wuchteln" vom ehemaligen Rapid-Torhüter Herbert Feurer und Journalist Peter Linden.
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