ranOn-Blogger Raphael Honigstein
S.S. Lazio Rom - Wo, wie, was?
Die Società Sportiva Lazio ist nach der römischen Region benannt, den Zusatz "Rom" kennt man in Italien nicht, genau wie man an der Themse noch nie etwas von "Arsenal London" gehört hat. Lazio war der Lieblingsverein von Faschisten-Fettsau Benito Mussolini und hat noch heute ab und an Probleme mit rechten Fans. Vor dem Spiel gegen die Spurs wurden englische Fans von italienischen Rechtsradikalen überfallen und zum Teil übel verletzt.
Präsident Claudio Lotito, der sein Geld mit Krankenhaus-Reinigungskräften verdiente, ist auch ein eher spezieller Fall. 2005, als Paolo Di Canio im Derby gegen Roma die Hand zum "römischen Gruß" erhob, einer in Deutschland zwischen 1933 und 45 ebenfalls sehr beliebten Geste, behauptete der Vereinsboss, der Spieler habe "nur den Fans gewunken". Wenn er mit Spielern unzufrieden ist, zahlt er schon mal ein paar Monate keine Gehälter. Und vor einem Jahr wäre Lazio beinahe ein Mini-Anschi geworden. Lotito drohte nach einem Streit um ausstehende Mietgebühren für das Olympiastadion, mit Lazio in 297km entfernte Florenz umzuziehen.
Stärken: Miro Klose ist mit zehn Toren in 16 Ligaspielen nicht nur der Star bei den Laziali, sondern einer der besten Stürmer Italiens. Unterstützt wird er vom brasilianischen Spielmacher Hernanes, der wegen seiner präzisen Freistöße den Spitznamen "Profeta", der Prophet, trägt. Er weiß nämlich vorher schon, wo es gleich klingeln wird.
Schwächen: Lazio ist zu stark von Klose abhängig. Wenn der Nationalspieler nicht spielt - oder in der Europa League gar geschont wird, fehlen den Römern im Vergleich mit der nationalen Konkurrenz ein paar Treffer.
Kleines Detail am Rande: Der Lazio-Adler, der vor Heimspielen seine Runden im Stadion dreht, hört auf den schönen Namen Olimpia.
KRC Genk - Wo, wie, was?
Der Koninklijke (Königliche) Racing Club Genk wurde erst 1988 gegründet. Sein Spitzname lautet "The Coal Boys" (die Kohle-Jungs), was insofern passt, als dass sie beim KRC regelmäßig neue Edelsteine zu Tage fördern. Mit Christian Benteke (Aston Villa) und Chelseas Kevin De Bruyne gingen Anfang des Jahres mal wieder zwei Leistungsträger; Thibaut Cortouis (Keeper von Atletico Madrid) und Koen Casteels (Hoffenheim) lernten ebenfalls in der Cristal Arena das kicken beziehungsweise halten.
Stärken: Stürmer Jelle Vossen, 23, ist mit 14 Saisontoren eines der begehrtesten Talente Europas. Er hat bisher drei Mal in der Europa League getroffen, Kollege Benjamin De Ceulaer kommt international auf ebenso viele Treffer. Rechtsverteidiger Anele Ngcongca aus Südafrika wird regelmäßig von mehreren Bundesligisten beobachtet.
Schwächen: Die Innenverteidigung ist, um es vorsichtig auszudrücken, nicht so der Hit bei den Belgiern. Im Vorjahr setzte es in der Champions League unter anderem ein 0:5 gegen Chelsea und ein 0:7 gegen Valencia. Wirklich stabliler ist die Hintermannschaft seitdem nicht geworden.
Kleines Detail am Rande: Genk ist der Lieblingsklub von Tennispielerin Kim Clijsters, von DJ Pat Krimson (nie gehört) und von der belgischen Euro-Trash-Combo 2 Fabiola (leider schon mal gehört) http://www.youtube.com/watch?v=_DFQm-Ux6Tg
SL Benfica - Wo, wie, was?
"Die Adler" sind nicht nur Portugals erfolgreichster Verein - 32 Meisterschaften - sondern gemessen an den zahlenden Anhängern auch der Klub mit den meisten Fans auf der Welt: Man hat aktuell 224 000 Mitglieder. Ins Stadion des Lichts vor den Toren der Stadt passen zwar nur gut 65 000 Zuschauer. Dafür hat die Mitgliedschaft andere, gar ewig währende Vorteile. Registrierte Benfica-Supporter erhalten beim größten Bestattungsunternehmen des Landes (Servilusa) beachtliche 12,5 Prozent Ermäßigung für die letzte Ölung.
Stärken: Die Truppe des langmähnigen Zampanos Jorge Jesus setzt vorwiegend auf die Tore von Óscar Cardozo, der Paraguayer hat in der bisherigen Spielzeit zwölf Mal getroffen. Benfica ist zudem eine sehr erfahrene Mannschaft und stark in Druck-Situationen.
Schwächen: Nach dem Abgang von Axel Witsel (35 Millionen Euro, Zenit) und Javi Garcia (17,5 Millionen Euro, Manchester City) fehlt ein wenig das Überraschungsmoment beziehungsweise der Rhythmus: Benfica kann international Spiele selten über 90 Minuten beherrschen.
Kleines Detail am Rande: Der Adler, der vor den Spielen im Estadio Da Luz seine Runden dreht, hört auf den schönen Namen Vitoria.
Anschi Machatschkala - Wo, wie, was?
Der Klub aus der russischen Unruhe-Provinz Dagestan ist nicht mit gleichnamigen aus der beliebten Kinderserie "Anschi und Karl-Heinz" zu verwechseln. Oligarch Sulejman Kerimow, der es mit einem Vermögen von knapp sechs Milliarden Euro nicht ganz in die Top 100 der reichsten Männer der Welt schafft (Platz 118, aktuell) unterstützt den sympathisch-bodenständigen Verein - es gibt nur ab und zu Gerüchte um unlautere Methoden - mit kleineren Zuschüssen aus der Privatschatulle. Unter anderem engagierte er Trainer Guus "der Vertrag ist gut dotiert, aber mich interessiert die Perspektive, in der Region etwas zu bewegen" Hiddink und Samuel Eto’o, der bei Anschi zum bestbezahltesten Fußballprofi der Welt wurde und ein 1000 Quadratmeter großes Penthouse in Moskau bewohnt. Der Kameruner verdient 20 Millionen im Jahr. Ob in Pfund, Euro oder Dollar, da gehen die Meinungen auseinander.
Stärken: Eto’o ist natürlich der Schlüsselspieler, der Ivorer Lacina Traoré weiß aber ebenfalls wie ein Tor aussieht. Etwas tiefer zieht Mbark Boussouffa, ein Marokkaner mit niederländischem Pass die Fäden. Im zentralen Mittelfeld sorgen der Brasilianer Jucilei und Lassana Diarra, der frühere Real-Madrid-Profi, für die nötige Absicherung.
Schwächen: Anschi darf wegen der unsicheren Lage in Dagestan keine Heimspiele in der Europa League austragen und muss ins Lokomotiv-Stadion von Moskau ausweichen. Dort blieben die Ränge fast immer leer. Klarer Fall von Heimnachteil.
Kleines Detail am Rande: Boussoufa wurde im August 2012 bei einem Match gegen ZSKA Moskau unfreiwillig zum Warmduscher - ein Fan bespritzte ihn mit Urin.
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