ran.de: Herr Buschmann, Herr Killing, Herr Stecker, wenn man den Super Bowl (5. Februar live in SAT.1 und auf ran.de) einmal in Bezug zum Fußball setzen würde, mit welchem Fußball-Event ließe sich dieses Event vergleichen?
GALERIE: Das SAT.1-Super-Bowl-Team stellt sich vor
Frank Buschmann: Schlicht und ergreifend mit dem, was wir in Europa im Sommer erleben dürfen, also das Champions-League- oder sogar das EM-Finale. In den USA ist der Super Bowl das Ereignis überhaupt. Im letzten Jahr schalteten 140 Millionen Zuschauer ein, in den Werbepausen steigt der Wasserverbrauch ins Unermessliche, weil alle gleichzeitig Pipi machen gehen. Als Einzelsportereignis gibt es kein größeres Spektakel.
ran.de: Beschreiben Sie bitte die Faszination von American Football...
Matthias Killing: Es ist die Verbindung dieses größten Einzelsportereignisses der Welt mit einer Wahnsinns-Show, bei der zum Beispiel Madonna im Rahmenprogramm auftritt, die dem Super Bowl eine unverwechselbare Aura verleiht. In der Woche zuvor rückt eigentlich jedes andere Thema, nicht nur aus dem Sportbereich, in den Hintergrund. Jeder spricht jetzt nur noch über die Giants und die Patriots, über Tom Brady und Eli Manning. Ich glaube fast, dass man die Euphorie mit der vergleichen kann, die wir hierzulande beim "Sommermärchen" der WM 2006 erlebt haben. Mit dem Unterschied, dass die Amerikaner dieses Märchen jedes Jahr erleben dürfen.
ran.de: Warum ist es trotz dieser Faszination nie gelungen, American Football auch hierzulande zu etablieren?
Buschmann: Das liegt sicherlich an der Tradition beziehungsweise an der fehlenden Tradition hierzulande. In den USA wachsen die Kinder mit American Football auf. Football ist die Topsportart unter den drei, vier ganz großen Sportarten in Amerika. In Deutschland dagegen ist American Football noch immer ein Exot, ähnlich wie unser Fußball in den USA. Was hat man dort nicht alles unternommen, um den Soccer gesellschaftsfähig zu machen, der dennoch bis heute nicht an den Stellenwert von Football, Basketball oder Baseball herankommt.
VIDEO: Das SAT.1-Team beim Super-Bowl-Medientag
ran.de: Wie lässt sich das Spiel per se mit wenigen Worten charakterisieren?
Buschmann: Es geht darum, über Lauf- und Passspiel möglichst viele Yards zurückzulegen, um so in die Endzone zu kommen, in der man das Ei platzieren will. Besonders spektakulär wird es, wenn das dank weiter Pässe gelingt, die von den so genannten Wide Receivern in den aberwitzigsten Positionen gefangen werden.
Jan Stecker: Außerordentlich attraktiv macht dieses Spiel, dass jede zweite Szene wahnsinnig spektakulär ist. Football lebt wie kaum eine andere Sportart von sich aneinander reihenden Höhepunkten.
ran.de: Typisch amerikanisch?
Killing: Ja, nirgendwo sonst werden so schnell Helden geboren oder wird man so schnell zum Versager gemacht.
Stecker: Von dem Team, das verliert, redet keiner mehr. In der Fußball-Bundesliga bist du als Vizemeister gut im Geschäft und kannst Champions League spielen. Über die Verlierer beim Super Bowl spotten selbst die, die vorher gegen dieses Team ausgeschieden sind. Hier gibt es nur einen strahlenden Sieger, der Zweite ist der totale Looser.
ran.de: Die New England Patriots treffen auf die New York Giants. Gibt es einen Favoriten?
Stecker: Vor vier Jahren gab es diese Paarung schon einmal. Damals waren die Patriots absoluter Favorit. Ich habe trotzdem 100 Dollar auf die Giants gesetzt und vierhundert rausbekommen. Das wird dieses Jahr kaum passieren, denn die Wetten sind ähnlich ausgeglichen wie die Chancen beider Teams. Was ein sehr enges und damit sehr interessantes Spiel verspricht.
GALERIE: Die Stars der New York Giants und New England Patriots
Killing: Ich denke, es läuft auch auf ein Duell der beiden Quarterbacks Tom Brady und Eli Manning hinaus. Es könnte entscheidend sein, wer von den beiden den besseren Tag erwischt.
Tom Brady und Eli Manning im Vergleich
Buschmann: Beide Teams sind extrem Quarterback orientiert. Ich glaube aber, dass das berühmt-berüchtigte Momentum für die Giants spricht. Denn das Team hat nach einer eher mittelmäßigen Saison in den Playoffs noch die Kurve bekommen und vor allem auswärts aufgetrumpft. Wer die Green Bay Packers und damit den Titelverteidiger ausschaltet, wer sich gegen San Francisco für den Super Bowl qualifiziert, der hat dieses Momentum vielleicht auf seiner Seite.
ran.de: Eli Manning gilt als Spieler von besonders hoher Intelligenz...
Stecker: Eli ist der Sohn von Archie Manning und der Bruder von Peyton Manning, die auch beide den Super Bowl gewinnen konnten. Bis zum Sieg der Giants 2008 galt Eli daher immer nur als der kleine Bruder. Das aber hat sich durch den Triumph 2008 geändert. Gerade in entscheidenden Spielen versteht Manning es, noch einmal eine Schippe draufzulegen. Dagegen glaube ich, dass Tom Brady wackeln wird, weil der Rush der Giants so gut ist, dass ein Quarterback schnell zu Fehlern verleitet wird. Manning wiederum wird mehr Zeit für seine Würfe haben, weil die Patriots nicht über diesen Rush verfügen.
Killing: Ob Manning hier oder Tom Brady dort – beide sind in Amerika absolute Megastars, die einen ähnlichen Status genießen wie bei uns ein Cristiano Ronaldo oder ein Lionel Messi. Zudem ist Tom Brady mit Supermodel Gisele Bündchen liiert, und das Paar ist ein gern gesehener Gast auf jedem roten Teppich.
ran.de: Mit Sebastian Vollmer steht möglicherweise auch ein Deutscher in diesem Endspiel...
Killing: Vollmer ist in Düsseldorf geboren und hat den Sport dort bei den Panthers erlernt. Er ist der einzige Deutsche, der in der NFL spielt und sich auch durchgesetzt hat. Bei Tom Nütten verhält es sich etwas anders. Er hat zwar eine deutsche Mutter und wuchs in Deutschland auf, verfügt aber über die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ob Vollmer nach seiner zweimonatigen Verletzungspause spielen kann, ist noch offen. Sein Coach hat ihn aber in der Pressekonferenz schon einmal gelobt.
VIDEO: Sebastian Vollmer im Exklusiv-Interview mit SAT.1
ran.de: Was ist Vollmers Aufgabe?
Buschmann: Vollmer ist einer, der seinem Quarterback den Weg frei räumt und ihm die vom Leib hält, die ihm etwas Böses wollen.
Stecker: Ein Hilfsarbeiter, aber ein sehr guter. Auch Tom Brady hat ihn schon gelobt (VIDEO).
ran.de: Herr Stecker, Sie selbst konnten sich diesen Traum nicht erfüllen...
Stecker: Ich habe von 1981 bis 1992 gespielt. Mein Problem war, dass ich leider nicht zur Zeit der NFL Europe aktiv war.
ran.de: Welche Position haben Sie gespielt?
Stecker: Ich war Quarterback. Aber wenn man nicht schon mit sechs Jahren mit diesem Sport beginnt, dann wird es ganz schwer sich durchzusetzen. Ich überlege aber, ob ich mit meiner Familie nach Amerika auswandere, damit meine Söhne diesbezüglich eine Chance bekommen. Das Werfen habe ich ihnen auf jeden Fall schon einmal beigebracht.


















