England

Das gibt's sonst nur in Hollywood

Cohen Bramall: Vom Fließband zum FC Arsenal

Hollywood hätte sich diese Geschichte kaum besser ausdenken können: Vor einigen Wochen spielte Cohen Bramall noch in der siebten englischen Liga. Nun wurde er vom FC Arsenal nach einem zweitägigen Probetraining mit einem Profivertrag ausgestattet.

13.01.2017 17:25 Uhr / ran.de/Andreas Reiners
Arsene Wenger - FC Arsenal London
Arsene Wenger ist für die Förderung junger Talente bekannt. © 2016 Getty Images

München/London - Es gibt Geschichten, die wären sogar für Hollywood zu kitschig. Beziehungsweise zu unrealistisch. Wie dieser Tellerwäscher-Traum, von ganz unten nach ganz oben. Eher zufällig als geplant.

Vor allem im Fußball, wo die Karrieren heutzutage wie am Reißbrett entworfen und minutiös aufgebaut werden und nichts dem Zufall überlassen wird, sind solche Geschichten eine Seltenheit. Doch selten bedeutet ja auch, dass es sie selbst im knallharten Profigeschäft noch gibt, die filmreifen Märchen.

Aktueller Hauptdarsteller ist Cohen Bramall. 20 Jahre jung. Linksverteidiger, der bislang die kleine Bühne betrat, beim englischen Siebtligisten Hednesford Town FC.

Maloche von 6.30 Uhr bis 17.15 Uhr

Was so gar nichts märchenhaftes an sich hatte, denn Bramall stand als Amateur die Woche über von 6.30 Uhr bis 17.15 Uhr am Fließband in der Fabrik des Autobauers Bentley. Training war Dienstag und Donnerstag, das Spiel am Samstag. Anstrengend war es vor allem, und natürlich so gar nicht glamourös. Ein Fußball-Internat? Intensive Förderung? Tägliche Einheiten auf hohem Niveau? Kannte Bramall nur vom Hörensagen.

Seit vergangenem Sommer kickte er in Hednesford. Seine vorherigen Stationen: Nantwich Town, Market Drayton, Newcastle Town. In Hednesford wurde er zum Linksverteidiger umgeschult, einer Agentur um den früheren Fußballprofi Lee Payne schloss er sich ebenfalls an. Die hatten ihn lange beobachtet, er erinnerte sie an den jungen Ashley Cole. Schnell, athletisch, dazu stark bei seinen Flankenläufen.

Seine Urlaubstage bei Bentley gingen immer wieder für Probetrainings drauf, er bot sich an, im November zum Beispiel bei einem Probetraining für Crystal Palace. Und es war auch nicht so, als sei er größeren Klubs nicht vorher schon aufgefallen, auch Arsenal hatte ihn irgendwann auf dem Zettel.

Hammer-Woche vor Weihnachten

Den vergangenen Dezember wird Bramall wohl so schnell nicht vergessen. Die Woche vor Weihnachten war dabei besonders speziell.

Montag: Testspiel im Rahmen eines Probetrainings bei Sheffield Wednesday gegen Birmingham City. Dienstag: Entlassung bei Bentley. Mittwoch: Das Arsenal-Angebot für ein Probetraining. Donnerstag und Freitag: Probetraining mit den Gunners. Danach: Das Angebot für Arsenals U23 und die Chance, sich für die erste Mannschaft um Mesut Özil zu empfehlen. Fertig ist das Märchen. "Ich habe die Chance mit beiden Händen ergriffen. Mir fiel zunächst die Kinnlade herunter. Ich konnte es nicht glauben", sagte Bramall.

Arsenals Chef-Scout ist mehr als beeindruckt

"Es ist eigentlich Wahnsinn, aber ich habe in den letzten 30 Jahren kein größeres Verteidigertalent gesehen", sagte Arsenals Chef-Scout Steve Rowley. Das Besondere daran: In der heutigen Zeit werden die Talente auf Herz und Nieren überprüft, über mehrere Monate beobachtet. "Zwei, drei verschiedene Scouts schauen sich die Spieler an und erstellen am Ende ein Profil, ob der Spieler sportlich und charakterlich zu uns passt", so Rowley.

Bramall überzeugte ohne den Großteil der Scouting-Maschinerie. "Cohens Geschichte ist filmreif. Es ist surreal, aber dieser Junge hat uns dermaßen überzeugt, dass wir ihn sofort verpflichten mussten", sagte Rowley. "Er ist ungeheuer schnell, hat einen guten linken Fuß und den Wunsch, es richtig zu machen. Eine spannende Perspektive", sagte Arsenals Coach Arsene Wenger.

"Das ist alles wie im Traum. Ich hoffe, dass ich nicht so schnell aufwachen werde", sagte Bramall, der beim Training Unterstützung durch einige Profis wie Alex Oxlade-Chamberlain erfuhr, der zuerst gar nicht wusste, wer da mittrainierte. "Ich habe ihn genau beobachtet und sah wirklich einige gute Dinge – man kann sehen, warum wir ihn verpflichten wollten", sagte Oxlade-Chamberlain und brachte den Weg Bramalls in den vergangenen Wochen auf den Punkt:

"Ich habe mir nur gedacht: 'Er muss sich wie im Traumland vorkommen.'" Hollywood. Inklusive dem ersten Happy End. Ob Bramall nun auch endgültig den Sprung nach ganz oben, sprich in die Premier League, schafft, liegt nun ganz an ihm selbst. Sicher ist: Er wird nichts mehr dem Zufall überlassen.

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