Laura Ludwig (l.) und Maggie Kozuch grübeln nach der Olympia-Absage. - Bildquelle: imago images/Beautiful SportsLaura Ludwig (l.) und Maggie Kozuch grübeln nach der Olympia-Absage. © imago images/Beautiful Sports

München - Die Olympischen Spiele sind zweifelsohne das Highlight einer jeden Sportlerkarriere. Umso schmerzhafter ist es, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird.

Eine verpasste Norm oder eine Verletzung betreffen nur einzelne Athleten, doch diesmal ist alles anders. Denn nach langem Ringen hat sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu entschieden, die Olympia 2020 in Tokio in das kommende Jahr zu verschieben - eine Folge der Ausbreitung des Coronavirus.

So zweifelsfrei richtig diese Entscheidung generell ist, so schwierig ist es für die Sportler diese zu verarbeiten. Denn sämtliche Karriereplanungen sind im Normalfall auf Olympia ausgerichtet, wenn die ganze Welt sogar auf Sportarten wie Kanuslalom, Taekwando oder Tontaubenschießen blickt.

Ludwig/Kozuch: Olympia-Absage "hinterlässt ein großes Loch"

Bereits zwei Jahre vor Olympia richtet sich der Fokus auf das Mega-Event. Trainings- und Wettkampfplanung werden komplett danach ausgerichtet, doch nun ist alles vorbei. Und jetzt?

Deutschlands Beachvolleyball-Duo Laura Ludwig/Maggie Kozuch schrieb bei Facebook: "Wir haben zwei Jahre lang alles auf dieses eine Turnier ausgerichtet, alles hinten angestellt, um im Sommer in Tokio unser bestes Beachvolleyball zeigen zu können. Die Absage der Olympischen Spiele finden wir zwar zu 100% richtig - sie hinterlässt bei uns trotzdem ein großes Loch."

Beachvolleyball-Duo lässt Olympia-Teilnahme 2021 offen

Im weiteren Verlauf dieser Mitteilung lassen sie sogar eine Teilnahme im kommenden Jahr offen, denn "ein Projekt Tokio 2021 soll kein einfaches Lippenbekenntnis sein". Das Duo wolle sich "ganz bewusst" für das Projekt Tokio 2021 entscheiden, "um dann wieder einen Weg gehen zu können, dem wir alles andere unterordnen. Das braucht noch ein wenig Zeit."

Das Beachvolleyball-Duo ist nicht allein mit seinen Gedanken. Ringer Frank Stäbler wollte in Tokio einen letzten Angriff auf Edelmetall starten. Diesen Traum kann sich der 30-Jährige nun erst ein Jahr später erfüllen.

Der dreimalige Weltmeister sagte bei "t-online.de", dass die Absage im ersten Moment "ein Schlag ins Gesicht" gewesen sei. Ob Stäbler auch 2021 dabei ist? "Die Spiele sind nur verschoben und ich werde jetzt mit meinem Körper in Verhandlungen treten. Für den großen Traum muss es einfach noch ein Jahr weitergehen."

Und dies sind nur zwei Beispiele von Sportlern, die sich über die persönlichen Folgen der Olympia-Verschiebung noch nicht im Klaren sind.

Sportpsychologe: "Was mache ich denn jetzt und wofür?"

"Die Sportler suchen Orientierung. Sie sind sonst in ein System eingebunden, das sehr strukturiert und organisiert ist. Das ist ein Uhrwerk, das läuft. Und wenn das Uhrwerk nicht mehr läuft, ist die Frage ganz groß: Was mache ich denn jetzt und wofür?", erklärte Sportpsychologe Thorsten Weidig der "Deutschen Presse-Agentur".

Weidig ergänzte, auf die Frage, was in den Athleten nun vorgehe: "Unsicherheit, und das kann ich sehr gut verstehen. Das geht auch einher mit einem entsprechenden Gefühlschaos von Hilflosigkeit und vielleicht auch Ängstlichkeit, aber auch Ärger, weil man sich vorbereitet hat und jetzt nicht kann." Aber die Athleten seien sich bewusst, dass es aktuell Wichtigeres als Olympia gebe.

Athleten sollen jetzt abschalten

Der Sportpsychologe rät den Athleten nun zum Abschalten. "Auf Durchzug schalten, um dann den Blick frei zu bekommen für Fragen wie: Was möchte ich jetzt? Mach' ich weiter und bau' ich meine Form neu auf?"

Diese Frage werden sich in den kommenden Wochen sicherlich nicht nur Ludwig/Kozuch oder Stäbler stellen.  

Das Coronavirus wird die Sportwelt gehörig durcheinanderwirblen - soviel ist schon jetzt klar.

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