Hans Niemann steht im Rampenlicht - Bildquelle: Instagram: @hans_niemannHans Niemann steht im Rampenlicht © Instagram: @hans_niemann

München - "Zu sehen, wie mein Kindheits-Held (Magnus Carlsen) auf solch frivole Art und Weise versucht, meine Karriere zu zerstören, ist sehr traurig", sagte Hans Niemann Anfang September in einem Interview mit dem "Saint Louis Chess Club". 

Fast 30 Minuten sprach der 19-jährige Lockenkopf über die Anschuldigungen, seine Geschichte und seine Perspektive. Ein cleverer Schachzug, das Herz auf der Zunge und kein Blatt vor den Mund nehmend. 

Zuvor hatte Niemann sein (ehemaliges) Idol Carlsen überraschend in einer Partie geschlagen. "Es muss peinlich für den Weltmeister sein, gegen einen Idioten wie mich zu verlieren", sagte Niemann nach der Partie mit einem verschmitzten Lächeln gegenüber dem "Saint Louis Chess Club".

Carlsen zieht sich aus Turnier zurück

Die Niederlage war dem auf Rosen gebetteten Superstar scheinbar ein Dorn im Auge. Wenig später zog sich Carlsen aus dem Turnier zurück, wortlos. Auf Twitter ließ er ein Zitat von Fußball-Trainer Jose Mourinho für sich sprechen: "Ich ziehe es vor, nichts zu sagen. Wenn ich etwas sage, gerate ich in große Schwierigkeiten, und ich möchte nicht in große Schwierigkeiten geraten."

Das Wort Betrug nahm Carlsen bis heute nicht öffentlich in den Mund, geredet wird nun aber viel über Niemann und mögliche Betrügereien.

Eric Hansen etwa, Großmeister aus Kanada, sprach öffentlich über die Möglichkeit, mithilfe von Analkugeln Vibrationssignale zu empfangen, um die nächsten Züge zu planen - das Thema entwickelte dann eine gewisse Eigendynamik.

Rückzug nach einem Spielzug

Am Montag trafen Carlsen und Niemann erneut aufeinander, der Schauplatz diesmal beim hochkarätig besetzten Onlineturnier "Julius Baer Generation Cup". Nach einem Zug beendete Carlsen das Spiel, offenbar aus Protest. Ein Rückzug, der Niemann weiter ins Rampenlicht drängt. 

Beide Kontrahenten umhüllt aktuell nicht nur ein wilder Gerüchte-Mix, sondern auch ein Mantel des Schweigens. Weder Carlsen noch Niemann äußerten sich seit dem Vorfall in der Öffentlichkeit.

"Hexenjagd" auf Niemann

Die Internationale Meisterin Jovanka Houska beschuldigte Carlsen, eine "Hexenjagd" auf Niemann zu provozieren. Der 19-Jährige räumte selbst bereits ein, dass er in der Vergangenheit in zwei Fällen betrogen hat. 

"Mit 12 Jahren habe ich in einem Online-Turnier betrogen und mit 16 Jahren in unbewerteten Spielen. Als 12-Jähriger hatte ich keinen Plan, was ich da überhaupt mache. Und der zweite Fall war der dümmste Fehler meiner Karriere. Ich bin seitdem aber stolz, dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe und ich würde nie mehr auf die Idee kommen, zu betrügen", sagte er gegenüber dem "Saint Louis Chess Club". 

Keine Beweise für Betrug 

Aktuell liegen rund um die Duelle mit Carlsen oder bei anderen Partien auf der großen Schachbühne keine Beweise für ein Vergehen von Niemann vor. 

Er opfere, laut eigener Aussage, seit einigen Jahren alles für das Schachspielen, verbringe jeden Tag Stunden damit, Gegner zu analysieren und die einzige Nebentätigkeit sei das Türöffnen für den Lieferdienst. Eine Leidenschaft, die sich ausgezahlt hat. 

Im Dezember 2020 gewann er das Blitzschach-Turnier im Rahmen des "VII Sunway Sitges International Chess Festival", erreichte so 2500 Elo und erhielt die Auszeichnung zum Grandmaster. Anfang 2022 knackte er erstmals die Top-100-Liste der Welt. 

Wie geht es weiter? 

Aktuell laufen noch die Duelle im Rahmen des "Julius Baer Generation Cup", an denen der 19-Jährige und Carlsen weiter aktiv teilnehmen. Ob sich die beiden Kontrahenten zu dem Vorfall äußern werden, ist aktuell nicht bekannt. So lange dies nicht geschieht, dürften die Diskussionen rund um Niemann und Carlsen nicht Schachmatt gelegt werden.

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