Ein Schach-Großmeister sieht sich Sexismus-Vorwürfen ausgesetzt - Bildquelle: ImagoEin Schach-Großmeister sieht sich Sexismus-Vorwürfen ausgesetzt © Imago

Update vom 05.10.2022: Wie ein Bericht andeutet, soll US-Amerikaner Hans Niemann im Schach in mehr als 100 Spielen betrogen haben.

München - Erst die Betrugsvorwürfe von Magnus Carlsen gegen seinen Kontrahenten Hans Niemann, nun die verbalen Entgleisungen eines Großmeisters: Der Schachsport sorgt weiter für Negativ-Schlagzeilen.

Bei einem bedeutenden Frauenturnier in Kasachstan gab Ilya Smirin sein Debüt als englischsprachiger Kommentator für den Schachweltverband, wurde aber prompt wieder entlassen.

Was war passiert?

Großmeister: "Schach ist nichts für Frauen"

Bei der neunten Runde des Women's Grand Prix am Dienstag in Astana hat der in Belarus geborene Israeli zu seiner Co-Kommentatorin gesagt: "Ich denke, Schach ist nichts für Frauen."

Da in dem Moment offenbar sein Mikrofon ausgeschaltet war, wiederholte sie seine Worte on air noch einmal und konfrontierte ihn nun öffentlich mit seinen Worten: "Sie haben gesagt, Schach sei nichts für Frauen."

Er erwiderte: "Das habe ich nicht öffentlich gesagt, sondern nur in einer privaten Unterhaltung."

Es war allerdings nicht der einzige verbale Ausrutscher des ehemaligen Top-20-Spielers der Weltrangliste.

Als er über Aleksandra Goryachkin sagte, sie spiele wie ein Mann, wurde er von seiner Co-Kommentatorin erneut um eine Erklärung gebeten. "Wollen Sie damit sagen, dass nur Männer gut Schach spielen können?", fragte sie ihn.

"Nein, nein. Aber sie spielt einen guten Positionsstil und hat ein starkes Endgame", rechtfertigte er seine Aussagen.

Shitstorm im Netzt gegen Smirin

Doch zu dem Zeitpunkt hatte er bereits viele Schachspielerinnen gegen sich aufgebracht. In den sozialen Medien machten sie ihrem Ärger Luft.

"Ekelhaft, so viel Sexismus in der Übertragung zu hören, wenn es um eine Frauenveranstaltung geht", meinte US-Schachmeisterin Jennifer Shahade.

Großmeisterin Gulrukhbegim Tokhirjonova schrieb auf Twitter: "Ist das nicht eine echte Form von Diskriminierung? Wie kann so ein Mann für die FIDE bei einem wichtigen Turnier im Livestream kommentieren?"

Die ehemalige Frauen-Weltmeisterin Susan Polgar kritisierte Smirin und forderte den Weltverband auf, den Kommentator wegen "mehrerer sehr beleidigender und unangemessener Kommentare" bei dem Turnier aus dem Verkehr zu ziehen.

Schach-Verband feuert Smirin

Dies tat er dann auch und begründete Smirins Entlassung mit "komplett unangemessenen und widerwärtigen Aussagen, die nicht die Werte der FIDE widerspiegeln".

Smirin selbst erklärte sich mittlerweile in der BBC. Er sei "etwas verwirrt", da er "nichts wirklich Schlimmes gesagt habe, niemanden beleidigen oder verletzen wollte".

Außerdem klage er darüber, dass ihn die Leute seit dem Vorfall als "rassistisch, sexistisch und nationalistisch" bezeichnet hätten.

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