Sportmediziner: Große Zuschauermengen "nicht realistisch" - Bildquelle: FIRO SportphotoFIRO SportphotoSIDSportmediziner: Große Zuschauermengen "nicht realistisch" © FIRO SportphotoFIRO SportphotoSID

Köln (SID) - Für den Sportmediziner Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Leiter der Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln, steht der gesamte Sport trotz der zeitlichen Befristung der neuen Corona-Maßnahmen vor einem harten Winter. "Jetzt haben wir erstmal in den nächsten vier Wochen so ziemlich alles dicht. Danach brauchen wir nicht zu denken, dass wir 'business as usual' haben, und wir alles wieder machen können. Ich glaube, wir werden den ganzen Winter damit zu tun haben. Bis ins Frühjahr und den Sommer hinein", sagte Bloch dem SID: "Ich glaube, es ist nicht realistisch, im Laufe des Winters Sport mit großen Zuschauermengen zu machen. Es wird das wohl draußen wie drinnen nicht geben."

Er könne den Ärger derjenigen verstehen, die jetzt versuchen müssten, den Betrieb aufrechtzuerhalten. "Das gilt für den Sport und andere Bereiche der Gesellschaft. Die sich sehr viele Gedanken gemacht haben, die Hygienekonzepte gemacht haben. Und dann sagen, wir sind die Leidtragenden. Ganz klar: Im Sport sind die Vereine die Leidtragenden", sagte Bloch. Allerdings betonte er auch deutlich: "Wir haben momentan keine Alternativen. Der Appell sollte sein, dass sich jeder seiner Verantwortung bewusst wird." 

Bloch äußerte auch Verständnis dafür, dass im Gegensatz zum Amateursport, der Profisport ohne Zuschauer weiterlaufe. Dies sei mit den bestehenden Hygienemaßnahmen verantwortbar. "Im Amateursport ist die Sicherheit nicht finanzierbar, logistisch auch nicht machbar. Da ist das Risiko bei gleichem Spielbetrieb und der gleichen Frequenz wesentlich höher", sagte er.  

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) habe beispielsweise ein "gutes Konzept" gemacht. "Es ist nicht komplett sicher, aber es ist soweit wie möglich sicher", sagte Bloch. Wenn die Spieler sich an die Regeln hielten, dann werde man auch vernünftig durchkommen. Die Situation bei den anderen Sportarten sei dagegen wesentlich schwieriger.

"Viele Hallen sind nicht auf diese Pandemie-Situation ausgelegt. Eine Halle ohne aktive Lüftung, die nicht sehr groß ist, in der über eine längere Zeit eine bestimmte Menge an Menschen drin ist, die auch Sport treiben, die wird irgendwann mit Aerosolen angesättigt sein", sagte er: "Und das ist kritisch, das muss man einfach sehen. Deswegen ist die Gefahr bei den Hallensportarten, und bei Sportarten in geschlossen Räumen - wenn nicht die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind - wesentlich höher."

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