Alexander Walkenhorst gehört zu den besten Beachvolleyballern Deutschlands. ... - Bildquelle: imago/Beautiful SportsAlexander Walkenhorst gehört zu den besten Beachvolleyballern Deutschlands. Der Bruder von Olympia-Siegerin Kira Walkenhorst geht dabei trotzdem nicht immer den einfachen Weg. © imago/Beautiful Sports

München - Der Name Walkenhorst wird zwangsläufig mit Olympiasiegerin Kira in Verbindung gebracht. Doch auch ihr Bruder Alexander gehört zu den besten Beachvolleyballern Deutschlands. Zusammen mit seinem jungen Partner Sven Winter träumt der 29-Jährige von Olympia 2020 in Tokio. Auf der Techniker Beach Tour (live auf ProSieben MAXX und ran.de) wollen die Beiden zeigen, dass sie dafür bereit sind. 

Da Walkenhorst allerdings keinen Platz in einem Nationalteam erhalten hat, bleibt für ihn nur ein ungewöhnlicher Weg. Mit Hans Voigt (73) und Klaus-Martin Stuhlmann (61) hat sich der Düsseldorfer geballte Erfahrung in sein Trainerteam geholt. Die beiden Fachleute haben bereits die deutschen Olympia-Teams Julius Brink/Jonas Reckermann und Laura Ludwig/Kira Walkenhorst auf dem Weg zu ihrem Erfolg begleitet. 

Während nahezu alle deutschen Top-Teams in Hamburg trainieren, bereitet sich das Vierer-Gespann in Düsseldorf auf die Wettkämpfe vor. Doch nicht nur sportlich ist Alexander Walkenhorst ein besonderer Athlet. Auch fernab des Feldes vertritt der 2,06-Meter-Hüne eine klare Meinung. Für Gerechtigkeit, für den Sport, aber nicht immer einfach für die Verantwortlichen. 

ran.de: Herr Walkenhorst, wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison?

Alexander Walkenhorst: Wir sind ja etwas verspätet in die Saison gestartet, haben die Turniere in Münster und Dresden gemeinsam weggelassen. In Düsseldorf war es am Ende der fünfte Platz – obwohl wir schlecht gespielt haben. In Nürnberg haben wir dann gezeigt, was wir zu leisten imstande sind. Da haben wir das Finale ziemlich knapp verloren. Darauf können wir auf jeden Fall aufbauen.

ran.de: Wo sehen Sie Ihr Team im nationalen Vergleich?

Walkenhorst: Das ist schwierig. Es gab ja auch noch kein Turnier, wo alle Teams aufeinandergetroffen sind. Mit Böckermann/Flüggen ist ja auch noch ein Team verletzt. Thole/Wickler starten gerade international durch. Die sind aktuell sehr, sehr stark. Wir haben vier, fünf Teams, die sich auf Augenhöhe begegnen.

ran.de: Jetzt geht es bei der Techniker Beach Tour von der Stadt an den Strand nach Kühlungsborn (Samstag, 14. Juli, ab 16:30 Uhr live auf ran.de und Sonntag, 15. Juli, ab 12 Uhr live auf ProSieben MAXX). Wie groß ist die Umstellung?

Walkenhorst: Es ist eine riesige Umstellung. Am Strand zu spielen ist vor allem wunderschön, das ist auch bei den internationalen Serien nicht Standard. Es ist mehr Wind, dadurch wird das Spiel komplizierter und anspruchsvoller. Und der Sand ist tiefer, wodurch die Bewegungen noch schwieriger werden.

ran.de: Beim ersten Turnier der Techniker Beach Tour in Münster war der Spielmodus noch ein Reizthema. Die Top-Teams waren automatisch für das Viertelfinale gesetzt. Sogar ein Spielerstreik drohte. Sie waren Sprecher der Spielerseite. 

Walkenhorst: Unser Sport steht für absolute Fairness und Ausgeglichenheit. Daher habe ich mich da so vehement gegen eingesetzt. Wir haben schon immer die gleichen Preisgelder für Männer und Frauen. Es gibt kein Doping, keine Aggressivität, kein Rassismus. Meine Schwester ist Olympiasiegerin und hat letztes Jahr ihre Frau geheiratet. Ich hätte im Übrigen von dem angedachten System profitiert, weil ich ja immer an eins bis vier gesetzt wäre. Aber ich habe einfach aus meinen Gerechtigkeitssinn heraus diese Revolution angezettelt.

ran.de: Mit Erfolg, der Modus wurde daraufhin geändert. Sie sind zehn Jahre älter als Ihr Partner. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit?

Walkenhorst: Im Training vertrauen wir da voll auf unser Trainerteam, mit dem wir wirklich gesegnet sind. Auf dem Feld ist die Hauptarbeit natürlich bei mir. Da bin ich Kindermädchen, Erzieher, Mentor, Spielpartner, Motivator und Beruhiger in einem. Und parallel muss ich auch selber noch gut Beachvolleyball spielen. Das wusste ich natürlich vorher. Aber es ist definitiv eine Herausforderung, an der ich manchmal auch noch scheitere. Aber es wird besser (lacht).

ran.de: Das übergeordnete Ziele ist Olympia 2020 in Tokio. Wie realistisch schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Walkenhorst: Wenn ich mir die Entwicklungen im internationalen Herrenvolleyball und des deutschen Männer-Beachvolleyballs anschaue, dann muss man sagen, dass es sehr unrealistisch ist, dass wir uns direkt für Olympia qualifizieren. Deutschland kann froh sein, wenn wir ein Team qualifiziert bekommen.

ran.de: Seit Julius Brink und Jonas Reckermann ist es im Männer-Beachvolleyball in Deutschland bergab gegangen. Was wurden für Fehler gemacht?

Walkenhorst: Es wurde vor allem verpasst, die Jugend heranzuführen. Bis 2012 hatte man die Luxussituation, dass man mit Brink/Reckermann ein Team hatte, das Medaillen gewonnen hat und mit Klemperer/Koreng und Erdmann/Matysik zwei weitere Teams in den Top-Ten. Man hat also kein Bedarf gesehen. Und beim Beachvolleyball hapert es natürlich auch am Geld, um beispielsweise gute Trainer in Deutschland zu halten oder Strukturen aufzubauen. Wir sind international in die Drittklassigkeit abgerutscht.

ran.de: Es gab seitdem Veränderungen. Die Nationalteams trainieren zentralisiert in Hamburg. Sie wurden für diese Auswahl nicht berücksichtigt. Wie groß war die Enttäuschung?

Walkenhorst: Das sind natürlich auch immer politische Entscheidungen. Ich bin kein Mitschwimmer. Ich bin jemand, der eine eigene Meinung hat. Und wir wissen ja, dass sowas im deutschen Leistungssport eher ungern gesehen wird. Ich glaube, das war keine Entscheidung gegen meine sportlichen Fähigkeiten, sondern eher gegen meine Persönlichkeit.

ran.de: Ist diese Entscheidung ein Nachteil für Sie?

Walkenhorst: So schlimm trifft mich das persönlich gar nicht, denn ich habe ein unfassbar gutes Trainerteam hier vor Ort. Ich habe zwei Leute, die sich um ein Team kümmern. Das wird in Hamburg so nicht abgedeckt. Aber natürlich kriegen wir keine finanzielle Unterstützung, die fließt komplett nach Hamburg. Was das Finanzielle angeht, ist es ein wenig so, als wenn wir mit einem Messer zu einer Schießerei rennen würden.

ran.de: Was sagen Sie zu den bisherigen Ergebnissen Ihrer Schwester Kira? Sie stand schon zwei Mal im Finale der Techniker Beach Tour.

Walkenhorst: Dass sie bis ins Finale kommt und um den Titel spielt, ist aller Ehren wert. Ich freu mich riesig für Kira. Sie hat wieder Freude am Beachvolleyball. Aber für mich ist auch unverständlich, dass die Gegnerinnen nicht wissen, wie sie mit einer Spielerin umgehen sollen, die ein ärztliches Verbot hat, voll zu spielen.

ran.de: Sie war durch ihre zwei Operationen neun Monate weg. Wie haben Sie ihre Schwester in dieser Zeit erlebt?

Walkenhorst: Es gibt ja fast kein Jahr, wo sie nicht verletzt ist. Sie hatte schon über zehn Operationen. Sie hat schon viel durchgemacht. Daher habe ich den Winter jetzt gar nicht so extrem bei ihr wahrgenommen. Mir war klar, dass sie zurückkommt und wieder auf ihrem Leistungsniveau spielen kann. Sie war eigentlich immer positiv.

ran.de: Auch Ihre Schwester wird Mutter. Ihre Partnerin Maria ist schwanger durch einen anonymen Spender.

Walkenhorst: Ja, ich freue mich riesig für sie und Maria. Die Beiden haben sich das natürlich gut überlegt und werden das toll hinbekommen. Beide Familien stehen komplett hinter den Beiden.

ran.de: Am 30. Juli werden Sie 30. Wie feiern Sie eigentlich ihren Geburtstag?

Walkenhorst: Das Thema habe ich lustiger Weise gestern mit meiner Freundin besprochen (lacht). Ich habe einen Flug aus Tokio so gebucht, dass ich am 29. Juli abends spät zurückkomme. Das heißt mit der Zeitverschiebung und der 20-Stunden-Reise werde ich mich an meinem Geburtstag auch wie 30 fühlen. Vielleicht wird ein bisschen mit der Familie gegrillt, viel geplant ist da nicht. Der fällt ja immer mitten in die Saison. Leistungssport bedeutet eben Kompromisse und Verzicht.

Das Interview führte Julian Reusch

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