Manuel Charr macht sich Hoffnungen auf den Kampf gegen Anthony Joshua - Bildquelle: imago sportfotoManuel Charr macht sich Hoffnungen auf den Kampf gegen Anthony Joshua © imago sportfoto

München – Wie geht es mit Anthony Joshua weiter? Seit Donnerstag steht sein Kampf am 1. Juni im Madison Square Garden auf der Kippe, der geplante Gegner Jarrell Miller erhielt nach einem positiven Dopingtest keine Lizenz.

Doch Joshua trainiert weiter und hat seinem Manager Eddie Hearn bereits mitgeteilt, dass er bereit sei, gegen jeden Boxer zu kämpfen: "Der Kampf findet statt, besorg mir einfach einen Gegner!" Diese Aufgabe muss Hearn nun unter Zeitdruck bewältigen, denn nicht jeder eignet sich als Gegner für Joshua.

Der reguläre Weltmeister: Manuel Charr

Als einer der ersten warf der Kölner Manuel Charr seinen Hut in den Ring, um gegen Joshua anzutreten. Und der Kampf wäre auch sportlich in den USA vermarktbar, immerhin hält Charr seit anderthalb Jahren den regulären Weltmeistertitel der WBA.

"Ich will der Welt zeigen, wer der wahre WBA-Weltmeister ist", wird Charr in der englischen "Sun" zitiert. "Ich habe die Erfahrung und will AJ eine Lehrstunde erteilen. Ich habe vor niemandem Angst."

Problematisch wäre in diesem Fall jedoch, dass Charr in der jüngeren Vergangenheit so seine Probleme mit den Anti-Doping-Behörden hatte, einen positiven Test abgab und vor allem durch Verfahrensfehler seinen Weltmeistertitel behalten konnte.

Der Interimsweltmeister: Trevor Bryan

Will man einen Kampf zweier Weltmeister, wäre ein Duell gegen den Amerikaner Trevor Bryan interessant. Der 29-Jährige ist in zwanzig Kämpfen noch ungeschlagen, gewann 14 davon durch Knockout und sicherte sich erst im August den Interims-Titel der WBA im Schwergewicht.

Der New Yorker würde theoretisch Heimvorteil genießen, hätte Hearn nicht bereits angekündigt, dass der Madison Square Garden ganz in der Hand der Engländer sein wird. 

"In einer perfekten Welt würden wir einen amerikanischen Gegner präferieren", sagte Hearn dem englischen Telegraph. "Aber 17.000 Karten wurden verkauft, 10.000 Briten fliegen nach New York. Wie viele von denen wollten Miller sehen?"

Die Engländer: Dillian Whyte und Joe Joyce

Möglich wäre daher auch ein englisches Duell in New York und vielleicht sogar ein Rückkampf gegen Dillian Whyte. Der gebürtige Jamaikaner hat seine bisher einzige Niederlage vor drei Jahren gegen Joshua kassiert und sich seitdem mit neun Siegen in Serie wieder ins Titelrennen vorgekämpft, wobei er zuletzt Joseph Parker auspunktete und Dereck Chisora K.o. schlug.

"Ich würde an sieben Tagen in der Woche gegen Joshua kämpfen", sagte Whyte in einem Interview. "Ich würde sofort gegen ihn antreten. Wenn sie es wollen, können sie es haben. So einfach ist das. Wenn sich einem solche Gelegenheiten bieten, muss man zugreifen."

Ein weiterer alter Bekannter könnte Joe Joyce sein. Der 33-Jährige kennt Joshua noch aus gemeinsamen Tagen als Amateur und ist erst seit kurzem Box-Profi, nachdem er 2016 in Rio de Janeiro die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen holte. Joyce stand acht Mal als Profi im Ring, acht Mal feierte er einen Knockout. Im Februar schickte er Bermane Stiverne in der sechsten Runde auf die Bretter.

Der Matchroom-Kollege: Michael Hunter

Wenn alle Stricke reißen, bleibt Joshuas Management immer noch Michael Hunter. Der Amerikaner wurde erst vor wenigen Wochen von Eddie Hearn unter Vertrag genommen, ist ein einstiger Sparringspartner von Wladimir Klitschko und nahm 2012 an den Olympischen Spielen teil.

Bei den Profis konnte Hunter 16 seiner 17 Kämpfe gewinnen und wurde nur von Cruisergewichts-Weltmeister Oleksandr Usyk bezwungen. Der 30-Jährige ist neu im Schwergewicht und hat erst vier Kämpfe in der Königsklasse bestritten. Doch Hearn ist bereits voll des Lobes für seinen neuen Schützling.

"Michael Hunter ist keine einfache Aufgabe für Anthony", sagte Hearn. "Er ist ein wenig kleiner, aber ein guter Kämpfer mit zwei sehr guten Siegen im Rücken."

Die Absagen: Ortiz, Pulev und Kownacki fallen aus

Denn Hearn muss sich sputen, die Zeit drängt. So sagte der Kubaner Luis Ortiz, der im vergangenen Jahr noch Deontay Wilder um die WBC-WM forderte und die wohl größte Herausforderung für Joshua wäre, den Kampf aufgrund mangelnder Vorbereitungszeit ab.

Der 40-Jährige will seine potenziell einzige Chance auf Joshua nicht mit einem zu kurzen Camp unnötig erschweren. Oder eine höhere Börse für sich herausschlagen. Jarrell Miller hätte mit dem Kampf eine Börse von fünf Millionen Dollar verdient, Joshua soll mindestens 32 Millionen Dollar erhalten.

Auch der Pole Adam Kownacki hat bereits einen Kampf gegen Joshua am 1. Juni ausgeschlossen und will erst im Verlauf des Sommers wieder kämpfen. Und Pflichtherausforderer Kubrat Pulev ist noch vorläufig suspendiert, nachdem er nach seinem letzten Sieg ungefragt eine Journalistin küsste.

43 Tage hat Eddie Hearn noch, um einen Gegner für den dreifachen Weltmeister aus dem Hut zu zaubern. Es bleibt spannend.

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