Tyson Fury: Nach seinem Sieg gegen Klitschko begannen die Depressionen. - Bildquelle: imago/Norbert SchmidtTyson Fury: Nach seinem Sieg gegen Klitschko begannen die Depressionen. © imago/Norbert Schmidt

München – Tyson Fury hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Der Brite mag ein Großmaul sein, doch ganz sicher ist der 30-Jährige auch ehrlich. Unverstellt. 

Genauso ehrlich, wie man ihn kennt, sprach er nun im Podcast von UFC-Kommentator Joe Rogan über das schwierige Thema Depressionen. Wie er verriet, fiel er nach dem größten sportlichen Triumph seiner Karriere in das wohl tiefste Loch seines Lebens.

Es war der sensationelle Sieg am 28. November 2015 gegen den bis dato über elf Jahre lang ungeschlagenen Wladimir Klitschko. Fury gewann einstimmig nach Punkten, beendete eine Ära und schnappte sich Klitschkos WM-Gürtel der Verbände WBA, WBO, IBF und IBO.

Nach dem Rausch kam der Kater

"Als ich Amateur war, habe ich Wladimir Klitschko immer im Fernsehen bewundert, er war mein Ziel. Und als ich ihn schlug, war das mein Mount Everest", sagte er. Das Problem: "Ich war verloren, ich wusste nicht, was ich danach tun sollte. Wenn der Rausch vorüber ist, dann ist da nur noch dieser miese Kater – und: noch schlimmere Depressionen."

Fury hatte versucht, sich abzulenken, ob nun mit Golf oder Tontaubenschießen. Die Leere im Inneren war aber stets da. Dann kamen die Drogen, sein Absturz. 2016 wurde er mit Kokain erwischt und trat zurück. Der britische Boxverband hatte ihm 2016 die Lizenz entzogen und gesperrt, ein Rückkampf gegen Klitschko war damit geplatzt. Es war wieder ein Kampf, den er kämpfte, diesmal aber keiner im Ring, sondern gegen die Dämonen in seinem Kopf. "Ich bin aufgewacht und wollte nicht länger am Leben sein. Niemand konnte mir irgendeinen Sinn vermitteln."

"Wollte nur noch sterben"

Den absoluten Tiefpunkt gab es im Sommer 2016, als er mit einem Ferrari Cabrio auf der Autobahn unterwegs war. "Ich habe das Auto bis zu 190 Meilen beschleunigt und auf eine Brücke zugehalten. Mir war nichts mehr wichtig, ich wollte nur noch sterben." Eine Stimme riss ihn aber aus dem Vorhaben: "Tu das nicht Tyson, denk an deine Kinder, deine Familie, deine Söhne und deine Tochter, die ohne Vater aufwachsen würden", soll sie ihm geraten haben. Er hörte.

Inzwischen hat er den wohl wichtigsten Kampf seines Lebens für sich entschieden, die Depressionen besiegt. 

Nun will Fury (27-0, 19 KOs) im Ring wieder zurück an die Weltspitze, nach zwei Comeback-Siegen gegen Sefer Seferi und Francesco Pianeta ist am 1. Dezember in Los Angeles WBC-Weltmeister Deontay Wilder (40-0, 39 KOs) der Gegner. 

Für Fury ist es der erste WM-Kampf seit seinem sensationellen Sieg 2015 gegen Klitschko.

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