Fordert Tyson Fury heraus: Tom Schwarz. - Bildquelle: imago images / opokupixFordert Tyson Fury heraus: Tom Schwarz. © imago images / opokupix

München – Als er den Anruf erhielt, dachte Tom Schwarz zunächst an einen Scherz. Einen schlechten.

Ja klar, er hatte kurz zuvor Kristijan Krstacic im Magdeburger Maritim-Hotel besiegt. Der Kampf stand unter dem Motto "Las Vegas in Magdeburg". Aber dass er jetzt tatsächlich in der Zockerstadt im US-Staat Nevada in den Ring steigen sollte? Und dann auch noch gegen Tyson Fury?

 

Das war letztendlich kein Witz. Sondern ist nichts weniger als die bislang größte Chance seiner noch jungen Karriere.

Wie reagiert ein 24-Jähriger, dem so eine Möglichkeit präsentiert wird? 

Er musste eine Nacht drüber schlafen. Dann gab er grünes Licht. Um das ganze Ausmaß, die Größenordnung richtig zu begreifen, hat es aber noch paar Tage länger gedauert.

Inzwischen ist das Ganze gesackt, die Vorfreude steigt auf den Kampf am 15. Juni gegen den Ex-Champion, der einst Wladimir Klitschko entthronte. Fury, die Skandalnudel. Und Schwarz, der WBO-Interconti-Champion, mittendrin. 1,97 Meter groß, beim Kampf geplante 110 Kilogramm schwer. Magdeburger. 24 Kämpfe, 24 Siege. Die deutsche Hoffnung im Schwergewicht.

"Ich stehe im Ring, wenn die Boxwelt nach Las Vegas schaut. Absolut verrückt. Da geht ein Traum in Erfüllung. Fury ist für mich aktuell im Schwergewicht der beste Boxer der Welt. Aber ich fliege nicht dorthin, um für Fury ein Aufbaugegner zu sein, sondern will den Kampf gewinnen", kündigte der SES-Schwergewichtler an.

Nun ist Schwarz für Fury natürlich genau das: ein Aufbaugegner. Der 30-Jährige ließ einen Rückkampf gegen WBC-Titelträger Deontay Wilder platzen, nachdem er mit ESPN einen dicken TV-Deal aushandelte. Das Ziel: Fury will seine Marke in den USA weiter aufbauen. Da helfen vermeintlich kleinere Gegner ungemein. Mittelfristig soll es dann wieder ein Titelkampf sein.

Akribische Vorbereitung

Schwarz bereitet sich akribisch auf seinen großen Gegner vor. Drei Trainingseinheiten absolvierte er seit Ende März in der Sportschule Kinema im Bayerischen Wald, in aller Abgeschiedenheit, schindete sich, um auf den Punkt topfit und bereit zu sein. Fitnesstrainer Sepp Maurer lobt: "Beim Krafttraining haben wir viel Wert auf Schnelligkeit und Spritzigkeit gelegt. Da hat sich Tom von Woche zu Woche deutlich verbessert."

Außerdem gehören SES-Coach Rene Friese und Robert Norris zum Team. Norris lebt und arbeitet in Las Vegas und soll Schwarz speziell auf die USA vorbereiten, wo es am Montag hingeht.

Las Vegas. MGM Grand Hotel. Schwergewichtsboxen. War da nicht was? Genau, Axel Schulz stand 1995 gegen Legende George Foreman im Ring, verpasste die Chance seines Lebens nur knapp: Schwarz benötige einen K.o., wenn er gewinnen wolle, so Schulz in der Bild. "Aber, dass er Fury umhaut, würde an einen Wahnsinn grenzen. Der Größenunterschied ist einfach zu brutal."

Auch mit Niederlage eine Zukunft

Schulz: "Geht er gegen Fury in Runde eins oder zwei zu Boden, ist seine Karriere vorbei. Aber steht er lange, kann sich gut verkaufen, dann hat er auch mit Niederlage eine Zukunft. Tom ist jung, gerät jetzt zum ersten Mal richtig unter Druck. Ich bin gespannt, wie er damit umgeht."

Der Schwarz-Plan für den US-Trip seines Lebens: "Ich denke, mit Punkten ist das schwer zu gewinnen. Es wird schon einen K.o. geben müssen, um zu gewinnen. Man muss einfach gegen ihn kämpfen. Boxen reicht nicht, man muss wirklich kämpfen."

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