Die Stromversorger sind für den Umstieg größtenteils gerüstet. - Bildquelle: imago images/Eibner EuropaDie Stromversorger sind für den Umstieg größtenteils gerüstet. © imago images/Eibner Europa

München – Der Anteil ist eher mickrig. Rund 100.000 Elektroautos wurden in Deutschland 2019 neu zugelassen. Ein Anteil am gesamten Markt von überschaubaren drei Prozent. Was ist das schon? 

Nicht viel, zugegeben. Allerdings befindet sich die Elektromobilität hierzulande noch im Anfangsstadium. Ende 2019 hat die Bundesregierung beschlossen, mit diversen Hilfestellungen die E-Mobilität nochmals zu pushen, den Kauf von Elektroautos attraktiver zu machen, damit die Klimaziele eingehalten werden können. Dazu gehört zum Beispiel die sogenannte Umweltprämie, mit der die Autos beim Kauf bezuschusst werden. Alle wichtigen Infos zur Umweltprämie gibt es auf der entsprechenden Seite der Bundesregierung.

Konkret will Deutschland den Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent reduzieren im Vergleich zu 1990. Laut Umweltbundesamt soll im Verkehrssektor der Ausstoß um 40 bis 42 Prozent sinken. Ohne Zuwächse im Bereich der E-Autos ist die Reduzierung nicht zu erreichen.

Regierung pusht die Elektromobilität

Berechnungen zufolge sind dafür sieben bis zehn Millionen E-Autos in Deutschland notwendig. Immerhin gehört es zum Plan der Regierung, bis dahin rund eine Million Ladesäulen aufgebaut zu haben.

Doch was bedeutet das für die Stromversorgung, wenn es nicht mehr nur 100.000 E-Autos gibt, sondern das Hundertfache? Oder wenn alle umsteigen? Droht dann ein Zusammenbruch, ein Blackout?

Schließlich müssen die ganzen Autos auch regelmäßig geladen werden, und das erfolgt über das Stromnetz. Und da viele Menschen die Autos zu Hause laden - die Rede ist von aktuell rund 80 Prozent der Autobesitzer - finden die Ladungen zu einem großen Teil zu Stoßzeiten statt, nämlich dann, wenn Berufspendler nach der Arbeit zu Hause die Füße hochlegen. 

Die Folge ist ein drastischer Anstieg der Leistung, die nachgefragt wird. Eine vernünftige Wallbox in der heimischen Garage nutzt 11 Kilowatt für den Ladevorgang, je nach Ladegerät auch mehr.

Verbrauch steigt um vier bis fünf Prozent

Der Stromversorger Eon hat in einer Simulation verschiedene Szenarien durchgespielt. Das Ergebnis: Wenn im Jahr 2030 zehn Millionen Elektroautos unterwegs wären, dann würde im Stromnetz der Verbrauch um vier bis fünf Prozent zulegen. Machbar, sagt Eon. 

In dem sogenannten Stresstest wurden 2,9 Millionen 11-Kilowatt-Ladestationen in Ein- und Zweifamilienhäusern simuliert, hinzu kamen 200.000 öffentliche Ladesäulen mit je 50 Kilowatt und 25.000 Schnelladepunkte mit 150 Kilowatt. 

Keine Frage: Wird alles gleichzeitig genutzt, wäre das für das Netz eine hohe Belastung. Die Simulation hat aber auch gezeigt, dass genau das nicht passiert. "Je höher die Anzahl die Fahrzeuge ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die alle gleichzeitig ankommen und laden", sagt Vorstand Thomas König. "Es werden nie mehr als vier von zehn Fahrzeugen gleichzeitig die elf Kilowatt abrufen."

Doch selbst wenn es zehn Millionen Elektroautos gäbe: Zahlen zeigen, dass vereinfacht gesagt genug Strom da ist. Wenn man eine Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometer pro Auto sowie einen Energieverbrauch von 20 Kilowattstunden pro hundert Kilometer als Grundlage heranzieht, sind 3.000 Kilowattstunden pro Jahr erforderlich. 

Bedeutet: Für eine Million Elektro-Pkw in Deutschland bräuchte man rechnerisch also 3 Terawattstunden (TWh), für zehn Millionen Autos demnach 30. Ein Vergleich: In Deutschland werden pro Jahr mehr als 200 TWh Grünstrom in Netze eingespeist. Ein weiterer: 2018 mussten über 49 TWh Stromüberschuss exportiert werden. 

Intelligentes Lademanagement

Eon will die hohe Nachfrage zudem durch ein intelligentes Lademanagement automatisch steuern, indem das Laden zum Beispiel in die Nacht verschoben wird. 

Die Simulation hat auch eine komplette Umstellung durchgespielt bis 2045, dass in 25 Jahren nur noch E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sind. Ein Selbstläufer ist das nicht, E.On rechnet in diesem Zeitraum mit Investitionen von 2,5 Milliarden Euro für Elektromobilität, um das abfangen zu können. Zwei Drittel des Geldes wäre dann für neue Trafo-Stationen, ein Drittel für stärkere Leitungen.

Weitere Einschränkung: Der Stresstest wurde für das Eon-Versorgungsgebiet durchgeführt. Das umfasst zwar zehn Millionen Menschen, allerdings auch vor allem ländliche Räume, ganz im Gegensatz zu Ballungsgebieten oder Großstädten. Aber: Andere Versorger argumentieren in die gleiche Richtung. 

Mit der heutigen Netzstruktur seien etwa 13 Millionen Elektroautos machbar, erklärte der Versorger EnBW im Manager-Magazin. Das entspreche einem Anteil von 30 Prozent aller Autos in Deutschland. Allerdings seien in Ballungsgebieten bei konzentrierten Zuwächsen lokale Engpässe möglich. 

Engpässe hin oder her - von einem Blackout scheint Deutschland weit entfernt zu sein.

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