Ladesäulen stehen in der Kritik. - Bildquelle: imago images/Sammy MinkoffLadesäulen stehen in der Kritik. © imago images/Sammy Minkoff

München – Das Ziel der Bundesregierung ist klar formuliert: Um die Elektromobilität zu stützen und zu fördern, muss die Lade-Infrastruktur in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden. 

Das Vorhaben kommt gut voran, wie der "Charging Radar" des Elektromobilitätsmagazins Edison zeigt: Gab es 2019 rund 21.100 öffentliche Ladepunkte in Deutschland, sind es aktuell über 40 000 Ladepunkte. Der Ausbau wuchs auch trotz der Corona-Krise weiter, weshalb die Experten für das Gesamtjahr ein Plus von nochmals 30 Prozent erwarten. 

Insgesamt geht die Bundesregierung von einem Bedarf von insgesamt 300.000 Ladepunkten in Deutschland aus, um die für 2030 anvisierte Zahl von sieben bis zehn Millionen Elektroautos mit Strom versorgen zu können. 

Rege Nutzung

Die Ladestationen werden nach dem Lockdown auch wieder rege genutzt. Im Juni wurden erstmals über 500.000 Ladevorgänge gezählt, das entspricht etwa zwei bis drei Ladevorgängen pro Auto und Monat. 

Dabei nutzen die meisten Autofahrer (87 Prozent) AC-Ladesäulen, Schnellladesäulen hingegen 13 Prozent. Die Ladeleistung lag dabei zum überwiegenden Teil unter 50 Kilowatt. 

"Öffentliches Laden ist längst kein Randthema mehr, sondern für viele E-Autofahrer inzwischen Alltag", sagt Ludwig Hohenlohe von Theon Data. 

Doch es gibt trotz des fortschreitenden Ausbaus ein Problem: Nutzerfreundlich sind die Ladestationen derzeit noch nicht. Fehlender Bedienkomfort und uneinheitliche Zahlungssysteme sind die größten Kritikpunkte. Auch bei der Sichtbarkeit der einzelnen Stationen herrscht Verbesserungsbedarf. Betrieben werden sie in der Regel von großen Energiekonzernen. 

Deshalb müssen sich Verbraucher noch durch ein Labyrinth an Anbietern und Tarifen kämpfen. Vom simplen Sprit-Zapfen wie mit Verbrennerautos an einer Tankstelle ist das Laden eines E-Autos noch weit entfernt. 

Zwar ist durch die Ladesäulenverordnung (LSV) grundsätzlich geregelt, dass Autofahrern punktuelles Aufladen ermöglicht werden muss, unabhängig von einer vorherigen Authentifizierung. Jeder soll seinen Strom beziehen und abrechnen können. In der LSV nennt sich das "diskriminierungsfreies Laden". Hier fängt die Problematik aber bereits an, da die Verordnung nicht überall umgesetzt wird. 

Denn neben der vertragsbasierten Abrechnung über den eigenen Anbieter müssen weitere Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Aber: Barzahlung oder Kartenzahlung ist vielfach nicht möglich, weil sich die Investition in den Aufbau oder die Sicherheitsanforderungen für die Betreiber sonst nicht rechnet. 

Bedeutet: Es kann bei den Zugangsvoraussetzungen kompliziert und unterschiedlich zugehen. In vielen Fällen kann das Auto nur mit einer vorherigen Authentifizierung oder einer bestimmten Ladekarte oder einer App aufgeladen werden.  

Hohe Preise im Tarifdschungel

Die Folge: hohe Preise, ein undurchschaubarer Tarifdschungel, eine noch stärkere Ausprägung lokaler Monopole. Der Verbraucher hat keine Wahlmöglichkeiten - ihm wird etwas vorgesetzt, womit er sich zufriedengeben muss.

Das Problem wird auch im Charging-Radar deutlich. Ende Juni wurde an AC-Ladern ein durchschnittlicher Preis von 41 Cent pro Kilowattstunde Wechselstrom aufgerufen. Bei Gleichstrom lag der Durchschnittspreis bei 50 Cent. Die preisliche Spannbreite ist jedoch enorm: Bei Wechselstrom lagen die Preise zwischen 21 und 65 Cent pro Kilowattstunde. Bei Gleichstrom musste man beim günstigsten Anbieter 26 Cent, beim teuersten 74 Cent zahlen. 

Nun hat sich das Bundeskartellamt – die ranghöchste deutsche Behörde zur Überprüfung wirtschaftlichen Wettbewerbs – eingeschaltet, um auf Beschwerden wegen unzureichender Konditionen, hoher Preise und Monopole zu reagieren.

Eine sogenannte "Sektoruntersuchung im Bereich öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge" wurde eingeleitet. Denn der Aufbau und Betrieb von Ladesäulen unterliegt nicht der für Stromnetze geltenden umfassenden Regulierung. Mögliche Wettbewerbsprobleme in diesem Bereich können aber mit Hilfe des Kartellrechts aufgegriffen werden. 

Bundeskartellamt schaltet sich ein

"Wir wollen in dieser frühen Marktphase der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge strukturelle Wettbewerbsprobleme identifizieren, um einen Beitrag zu einem erfolgreichen Ausbau zu leisten. Der Aufbau einer flächendeckenden E-Ladeinfrastruktur ist Voraussetzung für den Erfolg der Elektromobilität in Deutschland. Für die Entscheidung von Verbrauchern, auf Elektromobilität umzusteigen, sind die Bedingungen und Preise für das Laden im öffentlichen Raum von zentraler Bedeutung. Der Markt ist natürlich noch im Entstehen. Aber uns erreichen schon jetzt vermehrt Beschwerden über die Preise und Konditionen an den Ladesäulen", sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt.

Ein Sprecher des Bundeskartellamtes erklärt auf Nachfrage von Business Insider, dass diese Beschwerden "sowohl die Konditionen gegenüber dem Endkunden, als auch die Preise und Bedingungen des Zugangs zu einzelnen Ladesäulen für Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen" betreffen würden. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet. Weniger Dschungel und mehr Transparenz könnte der E-Mobilität weiter Auftrieb verleihen.

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