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Die ESL Meisterschaft ist wieder im Kommen

"Ich will die EPS zurück!" - dieses Mantra betet die deutsche eSport-Szene seit Jahren unermüdlich vor sich hin. Damit könnte bald Schluss sein.

13.04.2018 17:44 Uhr
ESL Meisterschaft
EURONICS gewinnt den Meistertitel in League of Legends © Freaks 4U Gaming

Düsseldorf - eSport-Nostalgie hat in Deutschland nur drei Buchstaben: EPS. Das steht für ESL Pro Series - früher Deutschlands höchste Spielklasse und das, was heute ESL Meisterschaft heißt. Die EPS repräsentiert die Anfänge von Profiturnieren beim deutschen Veranstalter ESL. Heute ist das Unternehmen einer der größten globalen eSport-Player und richtet Veranstaltungen auf fast jedem Kontinent aus. Damals war die Firma aber ein kleiner Veranstalter mit Fokus auf Deutschland.

Der Branchenprimus

Die EPS war das Vorzeigeprodukt der ESL und konnte alle damals nur erdenklichen Pluspunkte vorweisen: Ein fester Spielplan, regelmäßige Übertragung und sogar ein wöchentliches Magazin, dass sich mit der Liga auseinandersetzte. Das klingt nicht nach viel, war vor 15 Jahren aber noch revolutionär.

Die Fans waren begeistert: Durch die Übertragung der Matches konnten sie ihre Idole in fast jedem Spiel verfolgen. Doch nicht nur am Bildschirm kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Ein ausgewähltes Freitagsspiel wurde Offline ausgetragen, auf den sogenannten Intel Friday Night Games. Bei diesen Events wurden die Spieler plötzlich von bloßen Namen auf einem Bildschirm zu Idolen zum Anfassen. Die IFNGs wurden zusätzlich nicht immer in der gleichen Location ausgetragen, sondern tourten durch ganz Deutschland, sodass jeder die Chance hatte, seinem liebsten Mausakrobaten live zuzujubeln.

eSport in Deutschland

Durch die Spielprämien und das damals hohe Preisgeld konnten sich die eSport-Organisationen in Deutschland gut entwickeln. Große Namen wie mousesports und SK Gaming haben in dieser Phase den Schritt auf internationales Niveau gemacht - ganz ohne die großen Investoren von heute.

Der Vorsprung der deutschen Organisationen blieb auch den Spielern nicht verborgen. Plötzlich spielten internationale Stars in Deutschlands höchster Spielklasse, angezogen von den hohen Preisgeldern, Spielprämien und Gehältern. Zu diesem Zeitpunkt war die EPS die professionellste Liga in Europa - und Deutschland war der eSports-Dreh und Angelpunkt des Kontinents.

Auferstanden von den Toten

Als die gesamte Branche nach der Wirtschaftskrise vor ca. 10 Jahren in den Abgrund stürzte, stürzte langsam aber sicher auch irgendwann die EPS. Weniger Preisgeld, keine IFNGs, neues System - ihre glorreichen Zeiten hatte die Liga hinter sich. Wiedergeboren wurde sie 2015 als ESL Meisterschaft und seitdem kommt die Community aus dem Meckern nicht mehr raus. Nostalgische Rufe nach der Rückkehr der alten Tage füllen sämtliche eSport-Kommentarsektionen der Nation.

Dabei hat sich seitdem einiges getan: Seit dem Ende der ungeliebten Qualifier-Cups ist die ESL Meisterschaft endlich wieder eine echte Liga mit festen Spieltagen. Die Preisgelder gehen nach oben und die Meisterschaft gewinnt wieder an Stellenwert. Sponsoren wie McDonald's, Gilette, Pringles und Hauptsponsor Wüstenrot lockt man nicht ohne Grund.

Auch die Fans bekommen wieder mehr geboten. Die IFNGs sind zwar noch immer begraben, aber mit dem Match of the Season gibt es immerhin eine ähnliche Veranstaltung. Auch die Locations für die Offline-Finals am Ende jeder Saison werden Mal zu Mal größer: Von 300 in Duisburg zu 1000 in Stuttgart zu 1500 im Castello in Düsseldorf am vergangenen Wochenende.

Die tausenden Fans, die ihren Lieblingsteams bei eben jenen Finals in Düsseldorf zujubelten, waren der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung. Rufe nach der guten alten EPS waren in der Arena keine zu vernehmen.

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