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Die Fußball-Games im Vergleich

FIFA 18 vs. PES 2018: Kein Sieg für EA Sports!

Seit Jahren scheint die Vorherrschaft von "FIFA" auf dem Markt der Fußball-Games unumstößlich. Doch der ewige Konkurrent "Pro Evolution Soccer" holt dieses Jahr mächtig auf und greift die Schwachstellen des Klassenprimus an.

13.10.2017 21:21 Uhr / ran.de / Dominik Kaiser

Von Dominik Kaiser

München – Es ist die Glaubensfrage, die sich Fußballfans mit einer Leidenschaft für Videospiele Jahr für Jahr stellen: "FIFA" oder "Pro Evolution Soccer"? Mit "FIFA 18" und "PES 2018" sind nun seit einiger Zeit die neusten Teile der Fußball-Simulationen auf dem Markt und stellen sich dem Konkurrenzkampf.

Während das "KONAMI"-Produkt vor allem auf Realismus setzt, hat "EA Sports" mehr an den Spielmodi und Möglichkeiten gearbeitet. ran.de vergleicht die Games in fünf Kategorien! 

Kategorie 1: Präsentation/Aufmachung

Madrid-Derby, Real gegen Atletico! Ein Foul kurz vor der Strafraumgrenze, Cristiano Ronaldo tritt an - genau an dieser Stelle übernimmt der Spieler in "FIFA 18" erstmals die Kontrolle. Was für ein Einstieg! Sonst hält das kanadische Entwicklerstudio an Altbewährtem fest, hat die gewohnte Kacheloptik im Menü nur etwas aufgefrischt. Besonders schön: Im Start-Screen laufen inzwischen echte Fußball-Highlights, unter anderem aus der Premier League. So sollte ein modernes Game 2017 präsentiert werden.

"KONAMI" setzt in "PES 2018" ebenfalls auf eine Kacheloptik der Menüs. Allerdings sehen Schriften, Icons und Zeichen noch immer aus, als wären sie per "Copy and Paste" aus "International Superstar Soccer" aus den Neunzigern genommen worden. Dazu ist die Menüführung verschachtelt und zum Teil unlogisch. Für Anfänger leider komplett unübersichtlich. Der Punkt geht verdient an "FIFA 18". "FIFA 18" vs. "PES 2018" 1:0.

Kategorie 2: Grafik

Nahaufnahme von Lionel Messi. Dem Superstar des FC Barcelona läuft eine Schweißperle über das Gesicht. Spiegelungen deuten sich darin an. Es ist erneut beeindruckend, wie detailgetreu "KONAMI" seine Fußballer digital nachbaut. Die Farben sind satt, die Schatten fallen realistisch. Kleiner Wermutstropfen: Die Fans auf den Tribünen sehen leider noch immer mehr wie Pappaufsteller als echte Menschen aus. Zaun- und Schwenkfahnen kommen selten vor. 

Die "Frotsbite"-Engine von EA zeigt im zweiten Jahr, was sie leisten kann. Zwar sehen Spieler nicht so detailliert wie in "PES 2018" aus, dafür ist die gesamte Stadionatmosphäre fantastisch. Fußball-Tempel wie das La Bombonera in Buenos Aires erwachen zum Leben. Insgesamt müssen aber beide Titel grafisch noch nachlegen. Die Punkte werden geteilt. "FIFA 18" vs. "PES 2018" 2:1.

Kategorie 3: Taktische Möglichkeiten

"FIFA 18" bietet gewohnte Kost. Einzelne Spieler können verschoben und deren Position angepasst werden. Das Team kann auf Abseitsfalle spekulieren. Dem Gamer ist es möglich, taktische Anpassungen wie Pressing oder die Position der Abwehrreihe vorzunehmen. Taktische Formationen, offensive oder defensive Ausrichtung – "FIFA 18" versorgt auch Zocker-Einsteiger mit einem rundum Sorglos-Paket im Baukasten-Prinzip. Die Einstellungen gehen schnell von der Hand, die Spieler setzen diese schnell um. Taktik-Fetischisten werden mit dem EA-Titel aber wenige Höhepunkte erleben.

Dagegen grenzt die taktische Tiefe von "PES 2018" an Unendlichkeit. Welches System soll das Team am Anstoßpunkt haben? Ein offensives 4-2-3-1 im Ballbesitz und ein kompaktes 4-5-1 ohne den Ball? Alles ist möglich, selbst die Laufrichtungen einzelner Spieler können bestimmt werden. Der Gamer hat die Möglichkeit, "falsche Außenverteidiger" spielen zu lassen. Heißt, dass die Flügelspieler und die Außenverteidiger intuitiv die Positionen wechseln oder in die Mitte ziehen. Trainerherzen werden hier ganz hochschlagen! Der Punkt geht klar an "KONAMI". "FIFA 18" vs. "PES 18" 2:2.

Kategorie 4: Spielmodi und Lizenzen

Ultimate Team, ein Story-Modus, ein ausgebauter Karrieremodus, unzählige Profiligen mit Originallizenzen. "FIFA 18" geizt nicht mit Zeitfressern, jeder Fußball-Fan findet sich mit seinem Modus im Spiel wieder. Nur die Fans der brasilianischen Liga schauen wegen eines Lizenzstreits aktuell noch in die Röhre. Gerade "The Journey – Hunter Returns" bietet mit dem zweiten Teil des aufstrebenden Stars "Alex Hunter" allein schon 14 Story-Spielstunden. Der Karrieremodus mit neuen Verhandlungssequenzen- und Möglichkeiten holt das Fußball-Manager-Gefühl zurück an die Konsole. Das von "EA Sports" geschnürte Paket ist so gut wie unschlagbar. 

Da hilft es "PES 2018" auch nicht, dass die UEFA die Lizenzen für die Champions League und Europa League an "KONAMI" gab. Wer dort mit dem FC Bayern oder Real Madrid auf Titeljagd gehen will, muss auch in den UEFA-Wettbewerben auf Fantasie-Teams zurückgreifen. Natürlich hat "KONAMI" sein Lizenzpaket immer wieder erweitert, kann aber trotzdem nicht mit "FIFA 18" mithalten. Immerhin: Mit Fan-Patches der Community kann man sich die Bundesliga doch noch ins Spiel holen. An die perfekte Bundesliga-Präsentation des Konkurrenten reicht das aber längst nicht heran.  

Gleiches gilt für die Spielmodi. Die bekannte "Meisterliga" oder der "Werde zur Legende"-Modus sind nett, kommen aber an die Detailverliebtheit der Kanadier nicht heran und haben bis auf kosmetische Änderungen seit Jahren wenig Neues zu bieten. Mit "MyClub" liefert "KONAMI" zudem eine Kopie des erfolgreichen "Ultimate Team". Da ist noch viel Luft nach oben! "FIFA 18" vs. "PES 2018" 3:2.

Kategorie 5: Spielgefühl

Wichtig ist auf dem Platz! Das gilt auch in der virtuellen Welt. Genau deshalb nehmen die EA-Entwickler etwas Tempo aus ihrem Titel, wirklich gelungen ist die Kickerei aber nicht. Trotz Patch fallen einfach zu viele und zu simple Tore in "FIFA 18". Grundlegend hat sich geändert, dass im neuen Teil der Fokus auf dem Flügelspiel liegt. Der schöne Ansatz führt zu viel Ärger. Im Prinzip gibt es, gerade im Duell Eins-gegen-Eins, einen sicheren Weg, sich eine Torchance zu erspielen: Pass an die Strafraumgrenze, Ball auf den Flügel, Ball zurück in die Mitte – Tor. Im Zweifel bringen erneut die"Skill-Dribblings" oder ein Weitschuss den gewünschten Erfolg. Das Verteidigen ist schwieriger, was in Ordnung ist. Allerdings bleiben die künstlich gesteuerten Mitspieler oft so plötzlich stehen, als wären sie mit einem virtuellen Lasso eingefangen worden. Herausforderung und Wiederspielwert? Gering!

Ganz anders "PES 2018". Wie schon in den taktischen Möglichkeiten zeigt das japanische Entwicklerstudio, was es draufhat. Wer im neuen "Pro Evolution Soccer" erfolgreich sein will, braucht einen klaren Plan. "Skill-Dribblings" oder Pass-Stafetten wie an der Schnur gezogen funktionieren nur selten und mit dem perfekten Timing. Selbst den Mega-Stars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo verspringt der Ball, das gesamte Spiel ist unvorhersehbarer. Es fühlt sich einfach mehr nach echtem Fußball an. Jeder Angriff muss anders gestaltet sein, ein Tor ist gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden ein echter Erfolg. Der geistige Aufwand, den der Gamer für ein positives Ergebnis aufbringen muss, ist enorm. Das sorgt für Reize, jedes Spiel ist eine neue Herausforderung. "FIFA 18" vs. "PES 2018" 3:3. 

Fazit: Es bleibt eine Glaubensfrage

Wem verschiedene Modi, eine moderne Aufmachung und viel Action wichtig ist, der sollte und wird zu "FIFA 18" greifen. Unterm Strich hat "EA SPORTS" erneut ein sehr gutes Fußballspiel programmiert, dabei allerdings die Schwächen auf dem Platz aus den Augen gelassen.

Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die Kollegen von "KONAMI" extrem auf ein realistisches Spielerlebnis. Dabei scheint aber untergegangen zu sein, dass zu einem modernen Spiel auch eine zeitgemäße Darstellung und spielerische Neuerungen gehören. Fußball-Puristen werden darüber hinwegsehen können und das "echte" Rasen-Gefühl bevorzugen. Das komplexere Produkt bietet "EA", das realistischere Spiel "KONAMI".

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