München - Ende 2018 machte ein 17-jähriges Mädchen namens "Ellie" auf sich aufmerksam. Sie spielte Blizzards Helden-Shooter Overwatch und beeindruckte mit hervorragenden Fertigkeiten. Schnell stieg sie in der Rangliste auf und bekam schlussendlich vom US-amerikanischen Zweitligisten Second Wind einen Profi-Vertrag angeboten. 

Hassnachrichten und Drohungen

Diesen Vertrag nahm "Ellie" an, wofür sie den Hass der Community zu spüren bekam: Overwatch-Spieler begannen sie zu beleidigen und ihr Drohungen zu schicken. Der Top-Level-Spieler "Haunt" drohte sogar, private Informationen über sie herauszufinden, um diese im Internet zu veröffentlichen. 

Ellie tritt zurück

Wie die Organisation Second Wind überraschend am 2. Januar bekannt gab, trat "Ellie" aufgrund von "unvorhersehbaren Reaktionen" aus dem Kader zurück - noch bevor sie ihr erstes Pflichtspiel absolviert hatte. Auf gut Deutsch: Die 17-Jährige konnte mit den Hassnachrichten nicht umgehen und hatte Angst um ihre eigene Sicherheit, wie Second Wind-CEO Justin Hughes auf Twitter erklärte.

Kritiker zweifeln an Identität von Ellie

Nach ihrem Rücktritt wurden die Kritiker noch lauter: Viele zweifelten an ihrer Identität und ihren Fähigkeiten. Die Gerüchteküche fing noch stärker an zu brodeln, als die bekannte Streamerin Becca "Aspen" Rukavina live auf Twitch erzählte, dass eigentlich der Top-Level-Spieler "Punisher" hinter "Ellie" stecke und nicht ein 17-jähriges Mädchen. Das Ganze soll ein "soziales Experiment" sein, um zu zeigen, wie schwer es Frauen in der eSport-Szene haben, erklärte "Aspen".

Ellie ist keine Frau

Am vergangenen Freitag berichtete der eSport-Journalist Rod Breslau dann auf Twitter, dass es sich bei "Ellie" überhaupt nicht um eine Frau handeln würde. Sondern eben um den männlichen Spieler "Punisher".  

Einen Tag später meldete sich auch die ehemalige Organisation von "Ellie", Second Wind, zu Wort und erklärte, dass man nichts von dem Ganzen gewusst habe. "Wir haben uns früh an Blizzard gewandt und gefragt, ob sie uns helfen können, die Identität von Ellie zu verifizieren", heißt es in dem Statement. "Heute kam Blizzard auf uns zurück und hat bestätigt, dass Ellie nicht die ist, für die sie sich ausgibt. Der Account wurde für Dinge benutzt, die wir nicht unterstützen", formulierte die Organisation vage.

Die Konsequenzen

Der Unmut in der Overwatch-Szene ist groß. Für viele ist es unverständlich, wie jemand mit solch einer Aktion durchkommen konnte. Second Wind erklärte allerdings, dass die Organisation ihre Spieler nie treffe und die Privatsphäre von "Ellie" schützen wollte. Deswegen wurde auch der richtige Name von ihr nicht veröffentlicht, obwohl dies normalerweise Pflicht für Zweitligisten ist.

"Punisher" äußerte sich zu der Aktion bisher nicht. Allerdings soll er dem Journalisten Rod Breslau versprochen haben, seine Sichtweise der Dinge offenlegen zu wollen.

Mehr Galerien