Ein Bild, an das sich die VfB-Fans zuletzt gewöhnen mussten: enttäuschte Spi... - Bildquelle: Getty ImagesEin Bild, an das sich die VfB-Fans zuletzt gewöhnen mussten: enttäuschte Spieler © Getty Images

München/Stuttgart - Mit dem Topspiel am Samstag zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern hat Michael Reschke nichts zu tun. Es ist knapp eineinhalb Jahre her, dass er München verließ, wo er als phantomartiger Kaderplaner der Bayern größere Bekanntheit erlangt hatte. In seiner neuen Funktion als Sportvorstand des VfB Stuttgart steht ihm nun ein Flopspiel bevor. Der hochambitionierte VfB ist Letzter in der Tabelle und gastiert beim Fünfzehnten Nürnberg (ab 15.30 Uhr im Liveticker auf ran.de und in der App unter dem Reiter Live/Ergebnisse).

Die Stuttgarter sind beim Aufsteiger sogar Außenseiter, ein bisschen wie Bayern in Dortmund - nur eben am anderen Tabellenende. Fünf Punkte und einen neuen Trainer gab es in dieser Spielzeit in Stuttgart. Zumindest was die Zähler angeht, dürften es aus Stuttgarter Sicht ruhig mehr sein. Dem neuen Trainer Markus Weinzierl misslang sein Einstand im Ländle allerdings gehörig mit einem 0:4, 0:4 und 0:3. Ein Sieg in Nürnberg würde sein Team aber auf zwei Punkte an den Aufsteiger heranbringen. Es ist eine wenig begeisternde Ausgangslage, die sich Reschke vor der Saison auch anders ausgemalt hatte. Damals hatte er getönt, man werde "mit dem Abstieg definitiv nichts zu tun haben".

Reschkes Planung wirft Fragen auf

Reschkes Zuversicht begründete sich in der Arbeit, die er in seinem Fachgebiet geleistet hatte: der Kaderzusammenstellung. Der Sportvorstand hatte dem damaligen Trainer Tayfun Korkut eine gesunde Mischung aus Talenten (Maffeo, Gonzalez, Sosa, Kempf) und erfahrenen Bundeligaspielern (Didavi, Castro) an die Hand gegeben. Korkuts Vertrag verlängerte er zudem um ein Jahr bis 2020. Doch Reschke muss sich im Nachhinein zwei Fragen gefallen lassen: Passte der offensiv ausgerichtete Kader zum defensivdenkenden Korkut? Und war die Vertragsverlängerung mit dem Trainer zwingend?

Die erste Frage beantwortete Reschke mit der Entlassung Korkuts vor wenigen Wochen selbst. An der Beantwortung der zweiten Frage versuchte sich VfB-Aufsichtsrat Guido Buchwald. Er lastete dem Sportvorstand unmittelbar vor dem Duell gegen Frankfurt (0:3) Fehler an. "Die Länge der Vertragsverlängerung mit Holger Badstuber (bis 2021, Anm. d. Red.) war fragwürdig, die vorzeitige Verlängerung des Kontrakts mit Korkut zu diesem Zeitpunkt unnötig", sagte Buchwald bei "Sport1". "Es gab keinen Grund, diesen vorzeitig zu verlängern. Man hätte sich im Herbst in Ruhe zusammensetzen und besprechen können, um die Zukunft zu planen."

VfB denkt über Winterzugänge nach

In Krisenzeiten sind Kritiker selten verlegen, ihre Stimme zu erheben. Das gilt besonders in Stuttgart. Doch dass ein Aufsichtsratsmitglied zu solchen Aussagen hinreißen lässt, zeigt eine gewisse Unruhe im Verein. Präsident Wolfgang Dietrich ging deswegen rigoros dagegen an. "Aktuell haben wir definitiv wichtigere Themen auf der Agenda, als derartige Interviews zu kommentieren", sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Und ließ eine klare Ansage an Buchwald folgen: "Dieser Vorgang wird Gegenstand der nächsten Aufsichtsratssitzung Anfang Dezember sein."

Für den Winter sind neben einer Zurechtweisung auch Zugänge eingeplant. Dietrich und Reschke kündigten bereits an, die Mannschaft in der Pause verstärken zu wollen. Die Pläne verraten, dass der umtriebige Sportvorstand den VfB-Kader möglicherweise doch nicht so gut konzipiert hat, wie es seine selbstbewusste Aussage vor Saisonbeginn vermittelt hatte.

Fitness macht VfB Probleme

Die Probleme des VfB sind vielfältig. Die erfahrene Achse um Ron-Robert Zieler, Holger Badstuber, Christian Gentner, Mario Gomez und Gonzalo Castro konnten die Mannschaft bisher nicht stabilisieren. Sie wirkten träge wie der Rest der Mannschaft. Die Fitness im Team sei "definitiv suboptimal", sagte Reschke der "Süddeutschen Zeitung" nach dem 0:3 gegen Frankfurt, "läuferisch ist die Mannschaft im Moment nicht in der nötigen Verfassung." Von den jungen Zugängen fehlt ebenso noch ein Impuls, sie wirken ohne formstarke Routiniers orientierungslos. 

Zudem beschäftigen die Stuttgarter viele Verletzungen. Vor allem Daniel Didavi und Anastasios Donis gehen der Offensive ab und hinterlassen einen wenig wettbewerbsfähigen VfB. Es fehlt an Torgefahr und Geschwindigkeit. Um die Probleme zu lösen, wurde zuletzt Anthony Modeste als möglicher Winter-Einkauf gehandelt.

Kommt Klinsmann?

Doch auch ein anderer Name schwirrt mit Regelmäßigkeit durch das Stuttgarter Umfeld: Jürgen Klinsmann. Die Vereinsikone kann sich angeblich vorstellen, in einer Managerrolle zum VfB zurückzukehren. "Seine Tore könnten wir brauchen", sagte Reschke der "Bild" süffisant. "Dass in unserer Lage in alle Richtungen spekuliert wird, ist normal", ergänzte Reschke und stellte klar: "Das Thema Klinsmann beschäftigt mich nicht." Er spüre im gesamten Klub und seinem Umfeld "tiefes Vertrauen". Es gebe nur eine Ausnahme im Aufsichtstrat. Gemeint war natürlich Guido Buchwald.

Für Reschke bietet das Duell gegen Nürnberg die Chance, seine Kritiker verstummen zu lassen. Der erste Sieg unter Weinzierl könnte eine Initialzündung bedeuten und den restlichen Saisonverlauf positiv beeinflussen. Es ist ein wegweisendes Duell - ganz wie das Topspiel zwischen Dortmund und Bayern.

Tim Brack

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