Josip Drmic: Wie geht es für ihn weiter? - Bildquelle: imago images / ZinkJosip Drmic: Wie geht es für ihn weiter? © imago images / Zink

Mönchengladbach – Es gibt diese Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Würde ein Autor diese Erzählungen vorlegen, man würde sie zerknüllen und in den Papierkorb werfen - weil sie zu kitschig sind. Oder zu unrealistisch. Oder beides. 

Doch sie sind wahr und geben den Fans das zurück, was im Milliarden-Geschäft mehr und mehr verloren geht: Faszination, Liebe zum Spiel, Gänsehaut. Staunen. Kindliche Freude. Ehrlichen Jubel.

Was diese Geschichten oft eint: Sie handeln von Protagonisten, die einen großen Traum verfolgen; die daran glauben, dass sie ihre Erfolgsgeschichte selbst schreiben können und sie dann tatsächlich verwirklichen. 

Josip Drmic ist einer von ihnen. 

Nur 31 Minuten gespielt

Er hat sich das Szenario ausgemalt, sich gewünscht, endlich mal wieder belohnt zu werden. Ohne zu wissen, ob er überhaupt spielt. Denn wer Ende April behauptet hätte, der Schweizer könnte Borussia Mönchengladbach nach Europa oder sogar in die Champions League schießen, hätte wohl schallend gelacht. 

Bis zum 32. Spieltag hatte Drmic ganze 31 Minuten lang auf dem Platz gestanden, war oft verletzt, war noch öfter gar nicht erst im Kader. Auf dem Abstellgleis. Abgeschrieben. Ausgemustert. Ein Auslaufmodell. Er ertrug all das, ohne zu murren.

Dabei hätte er nachvollziehbare Gründe dafür gehabt. Der 26-Jährige war 2015 als Hoffnungsträger für zehn Millionen Euro von Bayer Leverkusen nach Gladbach gekommen. Erfüllen konnte er die Erwartungen bei sieben Toren in 53 Pflichtspielen nie, bewies nach zwei schweren Knieverletzungen 2016 und 2017 aber einen enormen Kampfgeist. Ein Stehaufmännchen. Aufgeben? Kommt für ihn nicht in Frage.

Sein Biss, seine Beharrlichkeit zahlen sich jetzt aus. Im Saisonfinale trat er aus dem Abseits ins Rampenlicht.  

Heckings Bauchgefühl

Erst rettete er der Borussia Anfang Mai ein 2:2 gegen Hoffenheim, dann brachte in einem zähen Spiel in Nürnberg die Gladbacher mit dem 1:0 auf die Siegerstraße. Das Spiel endete 4:0. Er stand dabei erstmals seit einem Jahr wieder von Anfang an auf dem Platz, verdrängte Rekordtransfer Alassane Plea auf die Bank.

"Ein Bauchgefühl" von Trainer Dieter Hecking. Manchmal reicht das schon für ein unglaubliches Drehbuch. Drmic weiß, wie unwahrscheinlich diese Geschichte im Grunde war. 

"Das würde ich auch sagen", sagte Drmic. "Aber das ist nun eine Bestätigung für mich, für die harte Arbeit, den täglichen Schweiß, die Tränen, die Leiden. Ich habe den Glauben nie verloren, war immer fokussiert und bereit für den Moment, in dem Borussia mich braucht."

Ende gut, alles gut?

Das große Finale

Nein, denn am Samstag ist das nächste Kapitel fällig, die Geschichte lechzt nach einer Fortsetzung, nach dem Happy End, dem i-Tüpfelchen, dem ultimativen Finale. Dann kommt Borussia Dortmund in den Borussia-Park, kämpft mit Ex-Trainer Lucien Favre um die letzte Titelchance. Gladbach um die Champions League.

"Das ist unser Wunsch, unser Ziel", sagt Drmic. "Aber wir wissen, dass es sehr schwer wird. Wir werden alles reinhauen und versuchen, die Punkte zu holen. Und ich werde auf jeden Fall bestens vorbereitet und bereit sein."

Und dann? Lange Zeit sah es nach Trennung aus. 

Wie geht es weiter?

Doch Sportdirektor Max Eberl ("Wir werden sehen, was nach der Saison passiert") lässt sich alle Optionen offen, schließlich kommt im Sommer in Marco Rose ja auch ein neuer Trainer. Eberl findet lobende Worte für Drmic: "Er hat immer hart gearbeitet und gesagt, dass er immer Gas geben wird. Dafür bewundere ich ihn und zolle ihm großen Respekt. Und dafür, dass er uns nun so weiterhilft, gilt ihm ein großer Dank. Er belohnt sich für seinen Einsatz in der langen, harten Leidenszeit."

Und vielleicht auch mit einem weiteren Kapitel in dieser Geschichte, die nur der Fußball schreibt. 

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